NS-Verbrechen Griechische Konservative bezweifeln Reparationssumme

Fast 280 Milliarden Euro Kriegsentschädigungen forderte die griechische Regierung noch im April von Deutschland. Der konservative Spitzenkandidat und mögliche nächste Premier kritisiert die Berechnung. Es gebe "methodische Probleme".

Kandidat Meimarakis: "Das gesamte Thema benötigt eine neue Herangehensweise"
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Kandidat Meimarakis: "Das gesamte Thema benötigt eine neue Herangehensweise"

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Griechenlands Konservative wollen im Fall eines Wahlsiegs nicht an den Entschädigungsforderungen festhalten, welche die linke Regierungspartei Syriza wegen des Zweiten Weltkriegs gegen Deutschland erhebt. Syriza beziffert die Schuld auf 278 Milliarden Euro und stützt sich dabei auf Berechnungen eines Parlamentsausschusses.

Evangelos Meimarakis, Spitzenkandidat der konservativen Nea Dimokratia (ND), sagte SPIEGEL ONLINE: "Das gesamte Thema benötigt eine neue Herangehensweise. Beim aktuellen Bericht und den Schätzungen gibt es methodische Probleme".

Meimarakis äußerte sich am Rande einer Pressekonferenz, die er am Sonntag in Thessaloniki gab. Vor den Wahlen am Sonntag liefert er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem bisherigen Premierminister Alexis Tsipras. Jüngsten Umfragen zufolge beträgt der Abstand zwischen den Kontrahenten weniger als 0,5 Prozentpunkte.

Syriza und der rechtspopulistische Koalitionspartner Anel hatten die Reparationsfrage zu einer ihrer Prioritäten erklärt. Im März bildeten sie einen Ausschuss zu dem Thema, geleitet wurde er von der damaligen Parlamentspräsidentin Zoe Konstantopoulou. Einen Monat später präsentierte die Koalition als erste griechische Regierung eine offizielle Zahl zu den Reparationsforderungen. Die Summe von 278 Milliarden Euro beinhaltet Kriegsschäden sowie die Rückzahlung eines Zwangskredits, den die Nazis der griechischen Zentralbank auferlegt hatten.

Die Zahl beruhte auf einem unveröffentlichten Bericht, der schon 2013 erstellt und 2014 aktualisiert wurde. Sie könnte noch steigen, da der Ausschuss lokale und regionale Behörden im ganzen Land um weitere Belege für Schäden gebeten hat.

Parlamentspräsidentin Konstantopoulou sagte im Juni: "Den vorsichtigsten Schätzungen zufolge liegen die griechischen Ansprüche zwischen 280 und 340 Milliarden Euro. Zu einer Zeit, in der unser Land wegen einer geringeren Summe unter dem immensen Druck der Gläubiger ächzt, ist die Bedeutung offensichtlich."

Doch der Ausschuss hat seine Arbeit wegen der vorgezogenen Neuwahlen nicht beendet. Konstantopoulou brach mit Premier Tsipras, nachdem dieser den Bedingungen eines dritten Hilfspakets zustimmte. Sie gehört nun zur Syriza-Abspaltung Laiki Enotita.

Zwar sieht auch Nea Dimokratia die Reparationsfrage weiter als offen an. Die von Syriza aufgestellten Forderungen halten die Konservativen jedoch für wenig aussichtsreich. Ein Fraktionssprecher der Konservativen sagte bei der Einrichtung des Parlamentsausschusses, man solle die "unangreifbaren" Forderungen wegen des Zwangskredits von der juristisch schwierigeren Frage der Reparationen unterscheiden.

Ein Ausschussmitglied, das Konstantopoulou nahesteht, sagte SPIEGEL ONLINE, unter Oppositionsvertretern herrsche allgemein die Tendenz, "das Thema herunterzuspielen und nicht die Beziehung zu Deutschland zu belasten". Die linke Parlamentspräsidentin hatte wenige Tage vor Auflösung des Parlaments noch eine Debatte zur Reparationsfrage angesetzt. Zu dieser erschienen jedoch nur 16 Abgeordnete.

Übersetzung aus dem Englischen: David Böcking

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interessierterleser1965 14.09.2015
1. Wo ist der Schaden?
Griechenland hat unter mehreren Gesichtspunkten keinen Anspruch, weder rechtlich noch moralisch. Moralisch sind Griechenlands Ansprüche, sofern sie jemals bestanden haben, mit der Aufnahme in die EU und den EURO mehr als abgegolten. Griechenland hat auf diesem Wege über Jahrzehnte hinweg Milliardensummen bekommen, die im System schlicht versackt sind. Dazu bezieht Griechenland seit Jahrzehnten Gelder, auf die es keinen Anspruch hat. So hat Griechenland bei der EU Flächen für Agrarsubventionen angemeldet, die zusammengerechnet die zweifache Fläche des gesamten griechischen Staatsgebietes ausmachen. Folgerichtigerweise wird allein hier mindestens doppelt kassiert, wenn nicht mehr. Rechtlich stellt sich die Frage nach den Anspruchsinhabern. Wer von den damals lebenden Griechen lebt senn heute wirklich noch und hat damit Ansprüche? Wohl kaum noch jemand. Der Zwangskredit hat einen historischen Hintergrund, der gerne ausgeblendet wird. Mit diesem Zwangskredit wurde eine Goldlieferung der Reichsbank an Athen ausgeglichen, die Athen während des Krieges bekam, um die eigene Währung zu stützen. Die Währung war während des Krieges wegen der schon damals schwachen Wirtschaftsleistung und der Korruption ins bodenlose gefallen. Den Kredit kann Griechenland gerne zurück haben, dann aber gegen Rückgabe der damals geleisteten Goldlieferungen.
arminku 14.09.2015
2. Ich werde nichts zahlen
für mich und meine Generation ist das Thema Reparationen abgeschlossen. der Krieg ist seit 70 Jahren vorbei. Im übrigen kassieren unsere ehemaligen "Feinde" seit Jahrzehnten aus Deutschen Steuertöpfen über den EU Ausgleich welcher maßgeblich von uns beglichen wird. Ich brauche diese EU nicht. Sie dient nur der Industrie. Die Solidarität unserer Nachbarn haben wir seit spätestens 2007, eigentlich schon beim 2. Irak Krieg kennengelernt. Das Maß ist voll wir sind hier nicht die Deppen Europas denen unsere "Elite" alles aufbürden kann.
klyton68 14.09.2015
3. war nur eine Frage der Zeit
dass dies Thema wieder aufgewärmt wird. Und das die Summe noch höher wird, auch. Rechnet nochmal ein wenig nach, vielleicht kommt ihr dann ja noch jenseits der Billion an. ich hole dann schon mal mein Füllhorn aus dem Keller.
Inselbewohner, 14.09.2015
4.
Sehe ich auch so. Da hat die Wehrmacht/SS einen Baum gefällt nun kann man ihn "bewerten" ist ganz einfach. Mit allein diesem Baum bzw. dessen Samen hätte man ganz Europa bewalden können. Was kostet dann dieser Wald? Ich setze einfach mal 500 Milliarden Euro an. Ist ja meine Bewertung. Ein Dorf wurde zerstört, die Bewohner getötet, das Vieh gestohlen also setze ICH einen Preis an. Gut das Dorf bestand nur aus ein paar Hütten, ohne irgendwelche zivilisatorischen Einrichtungen aber was solls aus diesem Dorf hätte mal eine Megacity werden können. Also nehme ich den Preis einer Megacity an. Wieviel? Nun ich denke 1000 Milliarden dürfte hin kommen. Ich empfehle jedem der eine Rechnung auf machen will mal in die Geschichtsbücher zu schauen. Unverschämt ist für mich noch eine sehr freundliche Umschreibung. Bevor GL meint etwas haben zu wollen sollen sie sich hinten an stellen vor ihnen stehen ua. Rußland, Großbritanien, Frankreich, Polen, Norwegen, Schweden, Tschechien, Slovakei und all die anderen Länder die meine Vorfahren vergewaltigt, versklavt und ermordet haben. Sorry, ich war nicht dabei und Reperationen von mir? Lieber würde ich Geld an Rußland, Polen oder andere zahlen als nur einen Cent nach GL. Schönen Tag noch HP
arawnblackheart 14.09.2015
5. Allein schon das Deutschland die ganzen Flüchtlinge aufnimmt...
und vor allem Osteuropa wegsieht rechtfertigt keinerlei weitere Diskussion über das Thema. Griechenland soll seine Hausaufgaben machen seinen Staat wieder auf vorderman bringen und gut ist. Wir haben genug Probleme.
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