Griechische Schuldenkrise Banken rücken von Hilfszusagen ab

Die Banken haben einen Beitrag zum Griechenland-Rettungspaket versprochen, doch das Gelöbnis könnte zur Farce zu werden: Laut "Handelsblatt" ist die Zusage rechtlich problematisch, erste Institute rücken bereits von ihr ab - und selbst die Finanzwächter von der BaFin raten zum Wortbruch.

Banken-Skyline in Frankfurt: Zu viel versprochen?
DPA

Banken-Skyline in Frankfurt: Zu viel versprochen?


Düsseldorf - Haben die Banken zu viel versprochen? Laut "Handelsblatt" droht der Rettungsbeitrag der deutschen Finanzwirtschaft für Griechenland an Rechtsfragen zu scheitern. Die Banken gingen enorme juristische Risiken ein, wenn sie auslaufende Engagements erneut für Kredite an das pleitebedrohte Land einsetzten, berichtet die Zeitung. Mehrere deutsche Institute hatten im Rahmen des Rettungspakets für Griechenland die Verlängerung von Kreditlinien zugesichert.

Doch jetzt rücken sie offenbar von diesem Versprechen ab: Laut "Handelsblatt" sind bei einer privaten deutschen Großbank bereits am 19. Mai griechische Staatsanleihen im Volumen von rund hundert Millionen Euro ausgelaufen. Nach der vor knapp einem Monat veröffentlichten Erklärung der Branche hätten diese eigentlich umgehend reinvestiert werden müssen, um "im aktuellen Anpassungsprozess Griechenlands freiwillig einen spürbaren, positiven Beitrag zu leisten". Doch die Bank entschied sich dagegen. "Wir hängen zwischen Baum und Borke", zitiert das Blatt einen Manager des Instituts. "Hier kollidiert die Selbstverpflichtung mit den Vorstellungen der Finanzaufsicht."

Dem Bericht zufolge dürften weitere deutsche Banken in der gleichen Zwickmühle stecken. Insgesamt liefen binnen drei Jahren deutsche Anleihen-Engagements in Athen im Volumen von 4,8 Milliarden Euro aus.

Inzwischen aber sehe selbst die Finanzaufsicht BaFin den Banken-Beitrag zum Rettungspaket kritisch, berichtet die Zeitung. Sie dränge angesichts der kritischen Lage vieler Häuser darauf, Risiken abzubauen statt erneut in Griechenland-Anleihen zu investieren. Die BaFin wollte dazu nicht Stellung nehmen.

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Grafik-Strecke: So zockt man mit Kreditversicherungen
Die Bundesregierung dürfte von dieser Entwicklung nicht begeistert sein. Sie hatte die Beteiligung der Institute am Griechenland-Rettungspaket als politischen Sieg verkauft. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte seinerzeit, die Geldhäuser müssten einen "spürbaren" Beitrag zur Überwindung der Krise leisten, die sie selbst mit verursacht haben.

ssu/dpa-AFX



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