Griechische Steuersünderliste Journalist erneut vor Gericht

Die Erleichterung währte nur kurz: Der griechische Boulevardjournalist Kostas Vaxevanis muss wegen der Veröffentlichung einer Liste mit Namen mutmaßlicher Steuerhinterzieher erneut vor Gericht. Der Freispruch vor zwei Wochen war laut Staatsanwaltschaft fehlerhaft.
Chefredakteur Vaxevanis im Büro (Archivbild): Es drohen zwei Jahre Haft

Chefredakteur Vaxevanis im Büro (Archivbild): Es drohen zwei Jahre Haft

Foto: JOHN KOLESIDIS/ REUTERS

Athen - Der griechische Journalist Kostas Vaxevanis muss wegen der Veröffentlichung der sogenannten Lagarde-Liste mit mehr als 2000 mutmaßlichen Steuerhinterziehern erneut vor Gericht. Wie ein Gerichtssprecher am Freitag mitteilte, weist der Freispruch vom 1. November nach Ansicht der Strafverfolger rechtliche Fehler auf. Einzelheiten nannte er nicht.

Die Athener Staatsanwaltschaft hatte gegen den Freispruch von Vaxevanis Berufung eingelegt. Dem Gerichtssprecher zufolge hätten auch drei der auf der Liste genannten Personen einen ähnlichen Antrag gestellt.

Bei einer Verurteilung drohen dem Chefredakteur der Boulevardzeitschrift "Hot Doc" zwei Jahre Haft oder eine Geldstrafe. Ihm wird vorgeworfen, gegen Datenschutzgesetze verstoßen zu haben, als er "Hot Doc" die Liste Ende Oktober veröffentlicht hatte.

Vaxevanis hatte die Vorwürfe gegen ihn als politisch motiviert bezeichnet. Mit der Veröffentlichung der sogenannten Lagarde-Liste habe er als Journalist im öffentlichen Interesse gehandelt.

Auf der Liste stehen die Namen von 2059 Griechen, die in den vergangenen zehn Jahren Geld in die Schweiz überwiesen haben. Die heutige IWF-Chefin Christine Lagarde hatte die Liste 2010 in ihrer damaligen Funktion als französische Finanzministerin an ihren griechischen Amtskollegen übergeben. Griechenland ignorierte die Daten jedoch lange, die Liste wurde fast zwei Jahre lang zwischen verschiedenen griechischen Behörden hin und her geschoben.

Der Fall Vaxevanis hatte nicht nur in Griechenland für Empörung gesorgt. Die rasche Festnahme des Journalisten Ende Oktoberstand für viele Griechen im scharfen Kontrast zu den nur schleppenden Ermittlungen gegen griechische Steuerhinterzieher. Sie werfen der Elite vor, ihr Geld im Ausland in Sicherheit zu bringen, während der Großteil der Bevölkerung unter dem drakonischen Sparkurs zu leiden hat.

sun/Reuters
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