Griechisches Finanzdesaster Athen weist Gerüchte über drohende Pleite zurück

Die Spekulationen über eine drohende Zahlungsunfähigkeit Griechenlands nehmen zu - und setzen die Regierung in Athen unter Druck. Die Wirtschaftsministerin bemüht sich nun um Schadensbegrenzung: Das Land werde in jedem Fall seine Schulden bezahlen können.

Europäische Flagge vor Akropolis: Erste Schuldentilgung Ende April fällig
REUTERS

Europäische Flagge vor Akropolis: Erste Schuldentilgung Ende April fällig


Athen - Täglich kursieren neue Gerüchte über den miserablen Finanzstatus Griechenlands und eine drohende Staatspleite. Und in immer kürzeren Abständen folgen inzwischen die Dementis von offizieller Seite. "Es gibt keinerlei Aussicht, absolut keinerlei Aussicht darauf, dass Griechenland seine Schulden nicht wird bezahlen können", sagte nun Wirtschaftsministerin Louka Katseli im staatlichen Fernsehen. An den Finanzmärkten würden derzeit alle Möglichkeiten des Landes zur Finanzierung und Refinanzierung seiner Schulden getestet, betonte sie.

Doch Griechenland steht in der Schuldenkrise unter wachsendem Druck, seine europäischen Partner und den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Hilfe zu bitten. So forderte die Rating-Agentur Fitch das Euroland am Donnerstag auf, den in Aussicht gestellten EU-Notfallplan (siehe Kasten links) sofort zu nutzen. Zudem kletterte der Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen den dritten Tag in Folge auf ein neues Rekordhoch. Investoren verlangten zeitweise für zehnjährige griechische Staatsanleihen eine Rendite von rund 7,5 Prozent - gut 4,5 Prozentpunkte mehr als für entsprechende Papiere aus Deutschland.

Diese Entwicklung stellt Griechenland vor enorme Probleme, weil das Land im April und Mai insgesamt Schulden von rund 23 Milliarden Euro tilgen muss. Am Finanzmarkt wächst die Sorge, dass Griechenland die Finanzierung nicht auf die Beine stellen kann.

Beistand von der Europäischen Zentralbank

Zur Skepsis der Märkte trugen in dieser Woche auch Berichte bei, dass griechische Bankkunden ihr Geld von heimischen Banken abziehen, die Institute mehr Staatshilfen benötigen und Griechenland die strengen IWF-Auflagen umgehen will. Zudem gab es Anzeichen für Widerstand gegen den Notfallplan in der Deutschen Bundesbank.

Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, versuchte unterdessen erneut, den Spekulationen auf einen Bankrott des Euro-Staates den Boden zu nehmen. "Das ist angesichts der Entscheidungen der griechischen Regierung zur Reduzierung des Haushaltsdefizits und der Erklärung der Regierungschefs der Euro-Zone kein Thema", sagte Trichet der italienischen Zeitung "Il Sole 24 Ore".

Die Lage Griechenlands wird die europäischen Regierungen jedoch weiter beschäftigen. Die Finanz-Staatssekretäre der Euro-Zone und Zentralbanker wollen am kommenden Donnerstag bei ihrem Treffen in Brüssel voraussichtlich über Bedingungen für eventuelle Notfallkredite an das Land beraten.

yes/Reuters



insgesamt 862 Beiträge
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mitwisser, 18.03.2010
1.
Zitat von sysopNach dem Drama in Griechenland fragen sich EU und Euro-Zone, wie man ähnliche Desaster künftig verhindern kann. Ideen dafür gibt es reichlich. Viele allerdings sind Schaumschlägerei. Und nur wenige können das grundlegende europäische Dilemma wirklich lösen. Was also tun in Europa?
Europa demokratisieren ! Weniger Beamte, mehr Transparenz. weniger Klüngel und "Weglobungen". Solange die EU den Bürger als Gegner und Zahler sieht, wird der Wunsch der Bevölkerung nach Nationalstaaten und eigener Währung zunehmen. Die aktuellen protektionistischen Handlungen und Vorschläge lassen ja ahnen, wohin die Reise gehen kann - trotz des Europäischen Gedankens! Die Menschen haben den Euro fast überall abgelehnt, Kohl und Konsorten haben ihn dennoch eingeführt. In Deutschland hat er die Kaufkraft der Menschen halbiert und die Skepsis bzgl. EU und der versammelten Abzocker-Inkompetenz wurde bestätigt. Solange die EU ein großes Versorgungswerk für mittelmäßige Politiker ist, wird kaum ein EU-Bürger für diesen Moloch sein. In der UDSSR schaffte man solch einen Moloch ab und wir lassen zu, daß eine kleine Clique diesen seit Jahren erweitert - auf Kosten unserer Bürgerrechte! Jetzt müssen wir auch noch feststellen, daß diese Tagträumer keinen Plan B für den Euro haben. Das ist kriminell. M.M. wird der Euro crashen und der Europäische Gedanke wird in die 50 er Jahre zurückkatapultiert. Hoffe mal. daß wenigstens kein Blut fließt.
rolli 18.03.2010
2.
Zitat von sysopNach dem Drama in Griechenland fragen sich EU und Euro-Zone, wie man ähnliche Desaster künftig verhindern kann. Ideen dafür gibt es reichlich. Viele allerdings sind Schaumschlägerei. Und nur wenige können das grundlegende europäische Dilemma wirklich lösen. Was also tun in Europa?
Es gab mal das Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten. Damals eine bich praktikable Version, aber unter den heutigen Gesichtspunken vielleicht hoffähig geworden. Allerdings würde dann D. in keine der Geschwindigkeiten passen. Wir haben den Turo-Kapitalismus unter der Motorhaube, und keiner in Europa will seine Bürger so ausnehmen und abzocken wie es in D. möglich ist.
frubi 18.03.2010
3. .
Zitat von sysopNach dem Drama in Griechenland fragen sich EU und Euro-Zone, wie man ähnliche Desaster künftig verhindern kann. Ideen dafür gibt es reichlich. Viele allerdings sind Schaumschlägerei. Und nur wenige können das grundlegende europäische Dilemma wirklich lösen. Was also tun in Europa?
Die EU auflösen und jeder kriegt seine Währung wieder. Das mit der EU können wir dann in 30-50 Jahren nochmal in einer anderen, weniger bürokratischen und mehr demokratischen Form, nochmal versuchen.
Robert B., 18.03.2010
4. Aktion gegen unnötige Titel!
Zitat von sysopNach dem Drama in Griechenland fragen sich EU und Euro-Zone, wie man ähnliche Desaster künftig verhindern kann. Ideen dafür gibt es reichlich. Viele allerdings sind Schaumschlägerei. Und nur wenige können das grundlegende europäische Dilemma wirklich lösen. Was also tun in Europa?
Das was ich schon die ganze Zeit schreibe. Reset. Die jetzige EU auflösen. Neustart mit nur wenigen Mitgliedern. D,A,F, Benelux und die Skandinavier in eine Union. Und Ende.
Cortado#13, 18.03.2010
5. Was ist zu tun in Europa?
In der Tat eine schicksalsträchtige Frage, die eigentlich nach dem gesunden Menschenverstand beantwortet werden muss. Die EU ist ein geldverschlingendes und unberechenbares Monster!!! Deshalb sollte die EU auf die ursprünglichen 16 Staaten wieder reduziert werden. Die einfachste Lösung ist aber, die Wahnidee von einem vereinigten Europa endlich aufzugeben. Auch aus diesem Grund sollte der Euro zerschlagen werden, er ist der grösste Volksbetrug, eine reine Abzocke-Währung. Jedes einzelne Land der ursprünglichen 16 Staaten stand ohne die EU und ohne den Euro finanziell wesentlich besser da. Aber die EU Bürokraten sehen das natürlich nicht ein, denn sie sind ausrangierte und in die EU abgeschobene Parlamentarier der einzelnen Länder mit sehr fetten Löhnen für "Nichtstuer". In meinem Fall habe ich mit dem Euro pro Monat ca. 150 Euro (umgerechnet) weniger Rente, für die Lebenshaltungskosten muss ich heute aber ca. 40% mehr zahlen! Gerade das ist der Betrug mit dem Euro. Warum machen die Politiker in Deutschland nicht eine Vergleichsrechnung DM zu Euro? Dann käme sehr schnell an das Tageslicht, dass sich auch mit dem Euro die finanzielle Situation in Deutschland wesentlich verschlechtert hat. Nur, dazu fehlt der Mut oder der Sachverstand.
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