Britische Gesundheitsreform Ausländer sollen OPs vorab selbst bezahlen

Ab April sollen Ausländer in Großbritannien Operationen, die nicht dringend notwendig sind, vorab selbst bezahlen. Kritiker der Maßnahme fürchten, dass dies die Schwächsten treffen wird.
Krankenhaus in England

Krankenhaus in England

Foto: © Nigel Roddis / Reuters/ REUTERS

"Wir haben kein Problem mit Besuchern aus dem Ausland, die unser Gesundheitssystem nutzen - solange sie einen gerechten Beitrag leisten", sagt der britische Gesundheitsminister Jeremy Hunt.

Deswegen will seine Regierung Patienten aus dem Ausland künftig für nicht dringend notwendige Operationen vorab zur Kasse bitten. Dies soll ab kommenden April für alle gelten, die keinen Anspruch auf freie Behandlung in Großbritannien hätten.

Nach Hunts Erkenntnis könnten bislang viele ihre Rechnung nicht begleichen. Das durch die Neuregelung eingesparte Geld - umgerechnet bis zu etwa 580 Millionen Euro pro Jahr - solle wieder ins Gesundheitssystem fließen.

Kritiker bemängelten, dass die Maßnahme vor allem die Schwächsten - darunter Migranten und Obdachlose - treffen könnte. Ursache für die Krise im Gesundheitswesen sei vor allem der Anstieg älterer Patienten mit chronischen Krankheiten. Der britische Ärzteverband BMA fürchtet durch die Einführung der Neuregelung binnen kurzer Zeit ein Chaos in den Krankenhäusern.

Britische Kliniken konnten in diesem Winter zeitweise die Versorgung ihrer Patienten nicht mehr garantieren, Kranke mussten in Notbetten auf Fluren übernachten oder monatelang auf Operationstermine warten. Der Chef des Britischen Roten Kreuzes, Mike Adamson, sprach kürzlich im Parlament von einer humanitären Krise. Der staatliche Gesundheitsdienst National Health Service basiert auf der Idee des Wohlfahrtsstaates; er bietet eine fast kostenfreie Versorgung.

msc/dpa
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