Britische Gesundheitsreform Ausländer sollen OPs vorab selbst bezahlen

Ab April sollen Ausländer in Großbritannien Operationen, die nicht dringend notwendig sind, vorab selbst bezahlen. Kritiker der Maßnahme fürchten, dass dies die Schwächsten treffen wird.

Krankenhaus in England
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Krankenhaus in England


"Wir haben kein Problem mit Besuchern aus dem Ausland, die unser Gesundheitssystem nutzen - solange sie einen gerechten Beitrag leisten", sagt der britische Gesundheitsminister Jeremy Hunt.

Deswegen will seine Regierung Patienten aus dem Ausland künftig für nicht dringend notwendige Operationen vorab zur Kasse bitten. Dies soll ab kommenden April für alle gelten, die keinen Anspruch auf freie Behandlung in Großbritannien hätten.

Nach Hunts Erkenntnis könnten bislang viele ihre Rechnung nicht begleichen. Das durch die Neuregelung eingesparte Geld - umgerechnet bis zu etwa 580 Millionen Euro pro Jahr - solle wieder ins Gesundheitssystem fließen.

Kritiker bemängelten, dass die Maßnahme vor allem die Schwächsten - darunter Migranten und Obdachlose - treffen könnte. Ursache für die Krise im Gesundheitswesen sei vor allem der Anstieg älterer Patienten mit chronischen Krankheiten. Der britische Ärzteverband BMA fürchtet durch die Einführung der Neuregelung binnen kurzer Zeit ein Chaos in den Krankenhäusern.

Britische Kliniken konnten in diesem Winter zeitweise die Versorgung ihrer Patienten nicht mehr garantieren, Kranke mussten in Notbetten auf Fluren übernachten oder monatelang auf Operationstermine warten. Der Chef des Britischen Roten Kreuzes, Mike Adamson, sprach kürzlich im Parlament von einer humanitären Krise. Der staatliche Gesundheitsdienst National Health Service basiert auf der Idee des Wohlfahrtsstaates; er bietet eine fast kostenfreie Versorgung.

msc/dpa



insgesamt 109 Beiträge
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bert1966 06.02.2017
1. Der NHS ...
... funktioniert doch schon lange, auch für die Versorgungsbedürftigen im Inland nicht mehr. Der OP-Tourismus der englischen Patienten ist fast schon legendär, der Arzttourismus von ausländischen Aushilfen auf die Insel an Wochenenden oder quartalsweise genau so. Wer will auf eine dringend notwendige Bandscheibenoperation anderthalb Jahre warten? In England mutet man das den Versicherten zu. Mit dem Brexit wird sich dieses Problem verschärfen, denn auch die britische Gesellschaft unterliegt dem Alterungsprozess. Aber es sind wohl die "alternative facts", die auch in England auf dem Boden des Fremdenhasses gut gedeihen. Ein guter Ausblick auf die "Segnungen" der Bürgerversicherung, die Schulz und seine Mannen in Deutschland einführen wollen, dogmatisch und von Seiten der Finanzierung und Ausgestaltung null durchdacht.
hachon 06.02.2017
2. Auge um Auge!
Dann sollen die Britten in Spanien ebenfalls für OPs bezahlen!
exil-teutone 06.02.2017
3. NHS ist *nicht* umsonst, das ist schlicht Unsinn.
Der NHS (National Health Service) wird aus Sozialabgaben bezahlt, die jede steuerpflichtig arbeitende Person begleichen muß. Das System ist sehr vergleichbar mit dem deutschen System, auch wenn es in Details Unterschiede gibt: 1) In Deutschland gibt es gesetzliche, und private Krankenversicherungen, zwischen denen man wählen kann (plus private Zusatzversicherungen). 2) In den UK gibt es diese Wahl nicht; ab einer (niedrigen) Einkommensschwelle bezahlt man die "national insurance", die durch einen Arbeitgeberbeitrag aufgestockt wird. Daraus speisen sich Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Kindergeld, etc. 3) Private Krankenversicherungen in den UK sind immer Komplementärversicherungen, die Leistungen, die die NHS nicht übernimmt, abdeckt (z.B. fast alles in Zahnkunde).
streifenpuppe 06.02.2017
4. Haben die Brexit-Ersparnisse nicht gereicht?
Den britischen Wählern war doch versprochen worden, dass man einen großen Teil dessen, was man bisher an die EU bezahlen müsse, dem britischen Gesundheitssystem zugutekommen würde. Gut – das war von Anfang an gelogen, mit dem Ergebnis müssen sie jetzt leben. Solange sie in der EU sind, werden sie allerdings den "EU-Krankenschein" akzeptieren müssen.
joG 06.02.2017
5. Das ist halt so....
.....wie man es von einem öffentlichen Versicherer erwarten muss. In Deutschland ist die Rationierung von Arztleistungen anders als dort, vielleicht etwas undurchsichtiger aber schaut man hin, so sieht man, dass ein klarer Schnitt zwischen Armen und Wohlhabenden geht. Wie lange wartet ein Politiker oder hoher Beamter auf den Chefarzt und wie lange die Putzfrau? Als ich in England arbeitete, bin ich nie zur NHS gegangen, wie in Deutschland nie zur öffentlichen Kasse. Das ist immer schlecht. Und warum sollte der englische Staat für den deutschen Kranken bezahlen, wenn der nicht einmal dort versichert ist?
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