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03. Dezember 2018, 13:51 Uhr

Teure Bierlizenzen und Pay-TV-Kosten

Warum in Großbritannien die Pubs sterben

Die britische Pubbranche macht gute Geschäfte und beschäftigt immer mehr Mitarbeiter - und doch ist die Zahl der urigen Schänken binnen einem Jahrzehnt um fast ein Viertel gesunken. Was sind die Gründe für das Kneipensterben?

Innerhalb des vergangenen Jahrzehnts haben mehr als 11.000 britische Pubs ihre Türen für immer geschlossen. Das geht aus einem Bericht des britischen Statistikamts ONS hervor (hier geht's zur Quelle). Seit 2008 ist die Zahl der klassischen britischen Kneipen demnach von etwa 50.000 zurückgegangen auf zuletzt 39.000.

Die Gründe für das Kneipensterben beschäftigen auch die Medien auf der Insel, schließlich sind die Pubs eine britische Institution. Reporter des "Guardian" haben sich in der Provinz umgehört. "Es ist das Rauchverbot", zitiert die Zeitung einen Taxifahrer in Hyndburn in Nordengland. "Ich fahre seit 29 Jahren Taxi, und seit dem Verbot gehen die Leute nicht mehr so viel aus".

Tatsächlich ist die Zahl der Pubs in den zwei Jahren nach Einführung des Rauchverbots besonders stark zurückgegangen. Daten aus Schottland, die kurz nach der Einführung des Verbots erhoben wurden, ließen jedoch keinen Umsatzeinbruch durch das Rauchverbot erkennen. Vielmehr fällt in den Zeitraum 2007 bis 2009 auch die schwere Rezession, die durch die weltweite Finanzkrise ausgelöst wurde. Doch das Kneipensterben hat sich auch nach dem Ende der Krise fortgesetzt.

Weniger Kneipen - mehr Beschäftigte

Dazu scheint eine andere Entwicklung allerdings nicht recht zu passen: Die Umsätze der Branche gehen nicht zurück. Sie sind seit der Rezession sogar leicht gestiegen. Mehr noch: Die Zahl der Beschäftigten in britischen Pubs ist insgesamt deutlich gestiegen und erreichte laut den Statistikern von ONS in diesem Jahr die Marke von 450.000.

Allerdings kommt es darauf an, wo genau die Angestellten arbeiten: Immer weniger verdienen ihr Geld in einer kleinen Kneipe. Die Beschäftigung in diesem Segment hat sich von 2001 bis 2018 auf etwa 100.000 fast halbiert. In größeren Pubs hingegen arbeiten immer mehr Menschen.

In der britischen Kneipenlandschaft vollzieht sich also ein Prozess der Konzentration: Größere Pubs und vor allem Ketten gewinnen an Bedeutung, während klassische kleine Eckkneipen schließen müssen.

Tausend Pfund pro Monat nur für Sport-TV

Eine Ursache dafür sind offenbar steigende Ausgaben, denen sich die Wirte gegenübersehen. "Es fühlt sich so an, als wollte jeder ein Stück von dir abhaben", zitiert der "Guardian" einen Kneipier namens Craig Watson. Vor allem die Lizenzgebühren für seine Vertragsbrauerei seien ein Problem. Die berechne ihm "211 Pfund für elf Gallonen. Woanders würde ich die für 120 Pfund bekommen".

Ein weiteres Problem: die hohen Kosten für Bezahlsender. "Um zu überleben, brauchst du allen Sport im TV", sagt Watson. Allein die beiden wichtigsten Bezahlsender Sky und BT kosteten ihn aber etwa tausend Pfund pro Monat.

beb

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