Teure Bierlizenzen und Pay-TV-Kosten Warum in Großbritannien die Pubs sterben

Die britische Pubbranche macht gute Geschäfte und beschäftigt immer mehr Mitarbeiter - und doch ist die Zahl der urigen Schänken binnen einem Jahrzehnt um fast ein Viertel gesunken. Was sind die Gründe für das Kneipensterben?

Pub in London (Archiv)
imago/Joko

Pub in London (Archiv)


Innerhalb des vergangenen Jahrzehnts haben mehr als 11.000 britische Pubs ihre Türen für immer geschlossen. Das geht aus einem Bericht des britischen Statistikamts ONS hervor (hier geht's zur Quelle). Seit 2008 ist die Zahl der klassischen britischen Kneipen demnach von etwa 50.000 zurückgegangen auf zuletzt 39.000.

Die Gründe für das Kneipensterben beschäftigen auch die Medien auf der Insel, schließlich sind die Pubs eine britische Institution. Reporter des "Guardian" haben sich in der Provinz umgehört. "Es ist das Rauchverbot", zitiert die Zeitung einen Taxifahrer in Hyndburn in Nordengland. "Ich fahre seit 29 Jahren Taxi, und seit dem Verbot gehen die Leute nicht mehr so viel aus".

Tatsächlich ist die Zahl der Pubs in den zwei Jahren nach Einführung des Rauchverbots besonders stark zurückgegangen. Daten aus Schottland, die kurz nach der Einführung des Verbots erhoben wurden, ließen jedoch keinen Umsatzeinbruch durch das Rauchverbot erkennen. Vielmehr fällt in den Zeitraum 2007 bis 2009 auch die schwere Rezession, die durch die weltweite Finanzkrise ausgelöst wurde. Doch das Kneipensterben hat sich auch nach dem Ende der Krise fortgesetzt.

Weniger Kneipen - mehr Beschäftigte

Dazu scheint eine andere Entwicklung allerdings nicht recht zu passen: Die Umsätze der Branche gehen nicht zurück. Sie sind seit der Rezession sogar leicht gestiegen. Mehr noch: Die Zahl der Beschäftigten in britischen Pubs ist insgesamt deutlich gestiegen und erreichte laut den Statistikern von ONS in diesem Jahr die Marke von 450.000.

Allerdings kommt es darauf an, wo genau die Angestellten arbeiten: Immer weniger verdienen ihr Geld in einer kleinen Kneipe. Die Beschäftigung in diesem Segment hat sich von 2001 bis 2018 auf etwa 100.000 fast halbiert. In größeren Pubs hingegen arbeiten immer mehr Menschen.

In der britischen Kneipenlandschaft vollzieht sich also ein Prozess der Konzentration: Größere Pubs und vor allem Ketten gewinnen an Bedeutung, während klassische kleine Eckkneipen schließen müssen.

Tausend Pfund pro Monat nur für Sport-TV

Eine Ursache dafür sind offenbar steigende Ausgaben, denen sich die Wirte gegenübersehen. "Es fühlt sich so an, als wollte jeder ein Stück von dir abhaben", zitiert der "Guardian" einen Kneipier namens Craig Watson. Vor allem die Lizenzgebühren für seine Vertragsbrauerei seien ein Problem. Die berechne ihm "211 Pfund für elf Gallonen. Woanders würde ich die für 120 Pfund bekommen".

Ein weiteres Problem: die hohen Kosten für Bezahlsender. "Um zu überleben, brauchst du allen Sport im TV", sagt Watson. Allein die beiden wichtigsten Bezahlsender Sky und BT kosteten ihn aber etwa tausend Pfund pro Monat.

beb

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insgesamt 101 Beiträge
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Seite 1
isi-dor 03.12.2018
1.
Ich kann kein Problem erkennen. Das ist doch alles so gewollt. Man sollte halt anders wählen, wenn man es anders haben will.
Kudi 03.12.2018
2. Da fehlt noch einiges
Nachdem es praktisch keine Sperrstunden (licencing hours) mehr gibt, ist es dementsprechend für Einzelpersonen oder ein Publican-Ehepaar viel schwieriger, den Betrieb offenzuhalten. Dann kommt noch dazu, dass man heutzutage nicht mehr wie früher zur Mittagszeit einen Snack wie "pork pie and mushy peas" vorhalten kann. Die Kundschaft erwartet eine größere Auswahl und eine Verfügbarkeit von warmem Essen von morgens bis abends. Dies sind allein schon operationelle Gründe, weshalb ein Einmann- oder Ehepaarbetrieb kaum mithalten kann. Schlussendlich sind die Einstandspreise für Bier bei kleinen Pubs (vor allem bei denen, die mit einem Liefervertrag an eine Brauerei gebunden sind) recht hoch. Mit Wetherspoon kann da kaum mehr einer mithalten.
felisconcolor 03.12.2018
3. Wie
Zitat von isi-dorIch kann kein Problem erkennen. Das ist doch alles so gewollt. Man sollte halt anders wählen, wenn man es anders haben will.
ich diese Aussagen hasse. ich zum Beispiel wähle seit Jahren "anders". Und? Hat auch nicht geholfen.
dasdingausdemsumpf 03.12.2018
4. Also zu meiner Zeit...
...brauchten wir keine Glotze in der Kneipe. Getränke und Leute zum Unterhalten reichten vollkommen aus. Ach ja, und meine Zeit ist immer noch. Aber andere Länder andere Sitten. In den Neuzigern lebte ich ein Jahr in England. Da haben im Pub den ganzen Tag aus der Glotze die Snooker-Kugeln geklackert. Das war damals also auch schon so. Verstehen konnte ich es auch damals nicht. Die wenigsten haben da wirklich zugeschaut. Aber die Engländer (Achtung Vorurteile!) können sich auch Stunden lang ansehen, wie einer Schafe hütet ("One Man and His Dog").
mantrid 03.12.2018
5. Aus der Zeit gefallen
In Deutschland sind wir mit dem Kneipensterben fast durch. Der Event-Charakter ist weg. Früher gab es kaum Fernseher in Privathaushalten, Social-Media war nicht existent. Wer Sport schauen wollte oder Gesellschaft suchte, der war in der Kneipe gut aufgehoben. Heute ist alles technisiert und individualisiert, da haben es Kneipen schwer. Das kann man bedauern, aber die Zeiten ändern sich nun mal unaufhörlich und nichts ist für die Ewigkeit.
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