Handelsabkommen Großbritannien plant "rote Linien" in Verhandlungen mit Amerikanern

So freundschaftlich sich Boris Johnson und Donald Trump geben: In den anvisierten Gesprächen über ein Handelsabkommen zwischen Großbritannien und den USA droht Streit.
Johnson und Trump: Bei den Gesprächen über ein Handelsabkommen dürfte die Freundschaft enden

Johnson und Trump: Bei den Gesprächen über ein Handelsabkommen dürfte die Freundschaft enden

Foto: Saul Loeb / afp

Nach dem Brexit strebt Großbritannien ein Handelsabkommen mit den USA an - der britische Premierminister Boris Johnson will die Gespräche laut einem Zeitungsbericht in den kommenden zwei Wochen anstoßen. Kommende Woche sollen daher die "roten Linien" für die Handelsverhandlungen veröffentlicht werden, berichtete der "Telegraph" .

Demzufolge wird unter anderem erwartet, dass die Eckpunkte Forderungen der USA zurückweisen, US-Pharmaunternehmen einen besseren Zugang zum britischen Markt zu gewähren.

Chlorhühnchen aus Amerika?

Streit gibt es auch um die Frage, wie frei der Marktzugang für amerikanische Lebensmittel sein soll. Viele Briten fürchten dadurch schlechtere Lebensmittelstandards und den Import von Chlorhühnchen. Der US-Botschafter sprach hingegen von einer britischen "Schmutzkampagne".

Nun zeigt sich Großbritannien kompromissbereit: Es gebe zwar "keine Pläne", Chlorhühnchen-Einfuhren aus den USA zu erlauben, sagte Umweltminister George Eustice dem "Telegraph" zufolge. Diese Praxis sei in den USA aber auch nicht mehr gängig - stattdessen würden Hühnchen vermehrt mit Milchsäure behandelt. "Es gibt hier Raum für eine vernünftige Diskussion, weil wir Milchsäure auch für einige Tierarten nutzen, vor allem bei Rind, wenn auch nicht bei Hühnchen", sagte Eustice.

Johnson wird sich voraussichtlich im Juni mit US-Präsident Donald Trump treffen. Der hatte Großbritannien mehrmals einen "gewaltigen neuen Handelsdeal" versprochen - und gegen die EU gestichelt, mit der so etwas nicht möglich sei. Auch in Großbritannien hoffen trotz der Differenzen viele darauf, durch ein Freihandelsabkommen mit den USA den transatlantischen Warenaustausch zu erhöhen. Dies soll zum Teil den Wegfall europäischer Absatzmärkte durch den EU-Austritt kompensieren.

Johnson will Druck auf die EU erhöhen

In Europa werden angekündigte Handelsgespräche zwischen den USA und Großbritannien als Druckmittel gegenüber der Europäischen Union gewertet. Denn auch die EU will mit Großbritannien ein Freihandelsabkommen vereinbaren. Viel Zeit bleibt dafür nicht: Nach dem Ausscheiden der Briten aus der EU gilt nur noch bis Ende Dezember dieses Jahres eine Übergangsphase, während der sich faktisch noch nichts an den Handelsbeziehungen ändert.

Es wird erwartet, dass Großbritannien und die EU im kommenden Monat mit Handelsgesprächen beginnen. EU-Verhandlungsführer Michel Barnier hatte Großbritannien "ein sehr ehrgeiziges Handelsabkommen" mit zwei Bedingungen in Aussicht gestellt: In Fragen wie Umwelt und staatliche Beihilfen wünscht sich die EU gleiche Wettbewerbsbedingungen, außerdem sollte es Vereinbarungen zur Fischerei geben.

Großbritannien hingegen beharrt darauf, dass es seine eigenen Regeln für Unternehmen festlegen will. Johnson will sich auf keinen Fall vertraglich auf die Einhaltung von EU-Standards bei Umweltschutz, Arbeitnehmerrechten und staatlichen Wirtschaftshilfen nach dem Brexit festlegen lassen.

Der Verband der britischen Industrie (CBI) forderte Johnson auf, nach dem Brexit ein Abkommen zu schließen, das auch Dienstleistungsbranchen wie das Finanzwesen umfasse. Kostspielige Bürokratie und komplexe Zollvereinbarungen seien zu vermeiden.

kko/Reuters