Sorge um Exporte Briten-Wahl irritiert deutsche Wirtschaft

Deutsche Wirtschaftsverbände reagieren besorgt auf das Wahlergebnis in Großbritannien. Wegen weltweiter protektionistischer Tendenzen warnt auch die Bundesbank vor Exportproblemen.

Containerterminal im Hamburger Hafen
DPA

Containerterminal im Hamburger Hafen


Die unklaren Machtverhältnisse nach den britischen Unterhauswahlen haben in der deutschen Wirtschaft Beunruhigung ausgelöst. Mit dem Abstimmungsergebnis steige die Unsicherheit im Verhältnis zum Handelspartner, beklagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben.

"Ein Scheitern der Brexit-Gespräche wäre das schlechteste Szenario", warnte zugleich der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf.

Großbritannien ist der drittgrößte Exportmarkt für deutsche Firmen. Der anstehende Austritt des Landes aus der EU hatte bereits in den vergangenen Monaten für eine Eintrübung des Warenaustausches zwischen beiden Ländern gesorgt. Nach einem Minus von knapp zehn Prozent im vierten Quartal 2016 sind im ersten Quartal 2017 die deutschen Ausfuhren nach Großbritannien um weitere knapp drei Prozent zurückgegangen - während die Ausfuhren in die EU insgesamt um fast sieben Prozent zulegten. (Lesen Sie die ausführliche Analyse zu den Folgen des Brexit-Votums hier.)

Sollten wegen der schwierigen Regierungsbildung nach der Großbritannienwahl nun auch noch die Brexit-Gespräche scheitern oder sich stark in die Länge ziehen, könnte am Finanzplatz London Chaos ausbrechen. Die dortigen Banken würden ab April 2019 den Zugang zum EU-Binnenmarkt verlieren - ohne dass es eine Regelung für die Zukunft gäbe.

Deutsche Wirtschaft wächst

"Der Fahrplan für die Brexit-Verhandlungen ist nun Makulatur", konstatierte Wirtschaftsvertreter Wansleben. Die Unternehmen bräuchten daher eine "schnelle Einigung auf den künftigen Status" der in Deutschland lebenden Briten und der in Großbritannien lebenden EU-Bürger, sagte er. Laut DIHK beschäftigen deutsche Konzerne in Großbritannien rund 400.000 Mitarbeiter.

Die Bundesbank hat die jüngste Großbritannienwahl in ihrer aktuellen Wachstumsprognose noch nicht berücksichtigt, rechnet für die Exportnation Deutschland aber insgesamt mit Problemen auf den Weltmärkten. "Möglicherweise zunehmende protektionistische Tendenzen könnten das Wirtschaftswachstum schwächen", teilte die Notenbank mit. So drohe zum Beispiel die US-Regierung mit Handelsschranken.

Trotz dieser Gefahren beim Export sagt die Bundesbank Deutschland einen anhaltend kräftigen Aufschwung voraus. Es zeichne sich eine "breit angelegte, recht kräftige konjunkturelle Aufwärtsbewegung" ab, prognostizierte Notenbankpräsident Jens Weidmann vor allem mit Blick aufs Inland. Die sehr gute Lage auf dem Arbeitsmarkt beflügle den privaten Konsum, die niedrigen Zinsen kurbelten unter anderem den Wohnungsbau an.

Für das laufende Jahr rechnen die Ökonomen der Bundesbank daher mit 1,9 Prozent Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP). Bei ihrer jüngsten Konjunkturprognose im Dezember waren sie noch von 1,8 Prozent Wachstum ausgegangen. Auch ihre Prognosen für 2018 (plus 1,7 Prozent) und 2019 (plus 1,6) erhöhte die Bundesbank um jeweils 0,1 Punkte.

apr/dpa/Reuters/AFP



zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.