Exklusiv-Studie Deutschlands Albtraum-Projekte

Ob Elbphilharmonie oder Berliner Flughafen: Sind deutsche Großprojekte immer Murks? Eine Studie liefert nun Daten seit dem Jahr 1960. Viele Vorhaben erwiesen sich als groteske Fehlplanungen - andere als gut gemanagt. Die Tops und Flops.
Der Kühlturm des ehemaligen Kernkraftwerks "Schneller Brüter": Kostensteigerung von 494 Prozent

Der Kühlturm des ehemaligen Kernkraftwerks "Schneller Brüter": Kostensteigerung von 494 Prozent

Foto: Victoria Bonn-Meuser/ picture alliance / dpa

Großprojekte genießen keinen guten Ruf. Sie werden oft viel später fertig als versprochen, manchmal um mehrere Jahre. Ebenso häufig sprengen sie den Kostenrahmen, Milliarden an Euro müssen nachgeschossen werden, meistens aus Steuermitteln. Jede Meldung über eine neue Panne verstärkt den Eindruck: Großprojekte werden in Deutschland viel zu optimistisch geplant und dann auch noch schlampig umgesetzt.

Doch stimmt das überhaupt? Kann man die Erfahrungen aus den bekannten Pannenprojekten einfach verallgemeinern? Für verlässliche Antworten darauf fehlten die Daten - bislang. Denn nun haben Forscher der Hertie School of Governance eine Studie veröffentlicht, die zum ersten Mal einen aufschlussreichen Überblick liefert: 170 in Deutschland seit 1960 realisierte Infrastruktur-Großprojekte im öffentlichen Interesse unterteilten die Wissenschaftler in die Kategorien Verkehr, Gebäude, Informations- und Kommunikationtechnologie, Rüstung sowie Energie und untersuchten sie systematisch auf Kostensteigerungen und Zeitverzögerungen.

Zwar betonen die Autoren, dass ihre Studie keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt - sie ließen etwa nur Projekte einfließen, für die verlässliche Zahlen und Schätzungen vorlagen. Dessen ungeachtet ist das Ergebnis ernüchternd: Bei den abgeschlossenen Projekten erhöhten sich die Kosten im Durchschnitt um 73 Prozent. Diese hohen Summen hätten die Forscher selbst überrascht, sagt Studienleiterin Genia Kostka, Professorin für Energie und Infrastruktur an der Hertie School.

Doch auch im Detail verblüffen die Ergebnisse der Studie. So waren es weniger Bauprojekte wie die berüchtigten Flughäfen, Bahnhöfe oder Konzerthäuser, die ihren Kostenrahmen besonders drastisch sprengten - fertiggestellte Verkehrswege kosteten im Schnitt 33 Prozent mehr als geplant, Gebäude wurden durchschnittlich um 44 Prozent teurer.

In einem anderen Sektor wurden die Kosten im Schnitt um 394 Prozent überschritten. Um welchen Bereich es sich handelt? Die Aufstellung der zehn größten Flops sowie der neun* positivsten Projekte - die Hertie-Studie gibt die Antwort.


*Ein Positivbeispiel aus der Studie (das Chemikum Erlangen-Nürnberg) wurde nach der Veröffentlichung aus der Liste genommen, weil es den ursprünglich zugewiesenen ersten Platz nicht verdient, wie die Hertie School of Governance mitteilte.