Binnen 70 Stunden Eine Million Menschen bewerben sich für Studie zum Grundeinkommen

Drei Tage statt drei Monate zum Erreichen des Bewerberziels: Der Aufruf zur Teilnahme an einer Studie zum Grundeinkommen ist auf große Resonanz gestoßen. Nun sollen mehr Plätze geschaffen werden.
Menschen im Berliner Park Hasenheide: Viele wollen das Grundeinkommen testen

Menschen im Berliner Park Hasenheide: Viele wollen das Grundeinkommen testen

Foto: Maja Hitij/ Getty Images

Drei Jahre lang jeden Monat 1200 Euro erhalten - und als einzige Gegenleistung Fragen von Wissenschaftlern beantworten müssen: Für dieses Experiment zu einem bedingungslosen Grundeinkommen suchen Forscher derzeit Freiwillige. Und das Interesse, an der ersten deutschen Langzeitstudie  zum Grundeinkommen teilzunehmen, ist offenbar sehr groß.

Wie die Initiatoren mitteilten, sei das für November angepeilte Ziel von einer Million Bewerbungen schon nach 70 Stunden erreicht gewesen - also in knapp drei Tagen statt drei Monaten. Die Bewerbungsphase war am Dienstag gestartet.

"Das Ziel in drei Monaten zu erreichen, schien vorgestern fast unmöglich. Nun haben die BewerberInnen das in 70 Stunden geschafft. Wir sind überwältigt", sagte Michael Bohmeyer, Initiator des Vereins "Mein Grundeinkommen". Der führend beteiligte DIW-Wissenschaftler Jürgen Schupp sagte: "Für uns Forschende bestätigt das große Interesse an der Studie den Wunsch in der Gesellschaft nach unabhängiger Grundlagenforschung zum Grundeinkommen."

Teilnehmerzahl soll angehoben werden

Die Studie könne nun sicher realisiert werden, eine Bewerbung sei weiterhin noch bis zum 10. November möglich, hieß es in der Mitteilung. Die zunächst festgelegte Zahl von 120 Geldzahlungsempfängern werde nun aufgestockt - wie viele es werden sollen, teilten die Initiatoren jedoch nicht mit. Ursprünglich sollten außer den 120 Empfängerinnen und Empfängern auch weitere 1380 Menschen in einer Vergleichsgruppe an der Studie teilnehmen. Diese sollten wiederum aus einer Grundgesamtheit von 20.000 Menschen ausgewählt werden, die durch Zufall aus allen Bewerbern gebildet wird.

Wie viele Empfängerinnen es nun letztendlich werden, hänge davon ab, wie viele Plätze in dem spendenbasierten Projekt finanziert werden könnten, schrieben die Projektleiter. Sie rufen deshalb zu Spenden auf. "Mehr Bewerbungen heißt mehr Studienplätze - und das sorgt für verbesserte Forschung", sagte Schupp.

Lesen Sie hier ein Interview mit dem DIW-Forscher darüber, wer teilnehmen kann, welche Erkenntnisse die Studie zutage fördern kann und welche Ergebnisse er erwartet.

Finanzminister Scholz lehnt Grundeinkommen strikt ab

Über das bedingungslose Grundeinkommen wird in Deutschland intensiv diskutiert. Befürworter versprechen sich unter anderem bessere Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung und zum gesellschaftlichen Engagement, Skeptiker kritisieren häufig, dass dann der Anreiz zum Arbeiten fehle.

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Zu den Gegnern der Idee gehört auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz. "Das wäre Neoliberalismus. Und wenn man fair und richtig rechnet, ist das auch unbezahlbar", sagte der SPD-Kanzlerkandidat den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen habe er nie für richtig befunden. "Das würde viele Errungenschaften des Sozialstaats wie die Renten- oder die Arbeitslosenversicherung gefährden", sagte Scholz zur Begründung.

kko/dpa
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