Analyse des Max-Planck-Instituts Experten halten Grundrente für doppelt ungerecht

Seit Januar haben rund 1,3 Millionen Menschen Anspruch auf die Grundrente. Doch einer Expertenanalyse zufolge profitieren viele Altersarme nicht von ihr – während sie auch gut Situierte bekommen.
Rentnerinnen und Rentner in Havelberg (2015): Ein Viertel der Altersarmen bekommen die Grundrente nicht

Rentnerinnen und Rentner in Havelberg (2015): Ein Viertel der Altersarmen bekommen die Grundrente nicht

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Jens Wolf/zb/dpa

Die zu Jahresbeginn von der Großen Koalition eingeführte Grundrente ist einer Expertenanalyse zufolge sozial nicht ausgewogen: Viele Arme gehen leer aus, doch es profitieren viele vermögende Ruheständler.

Demnach haben vor allem viele arme Rentnerinnen keinen Anspruch auf die Grundrente, weil ihnen Beitragsjahre fehlen, wie es in einer Studie des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik  (MPISOC) heißt. Auf der anderen Seite haben demnach viele wohlhabende Menschen Anspruch, deren Vermögen nicht angerechnet wird – beispielsweise das eigene Heim oder eine Lebensversicherung.

»Die Grundrente schafft auf zwei Arten neue Ungerechtigkeiten«, kritisiert Rentenfachmann Axel Börsch-Supan, der das »Center for the Economics of Aging« an dem Münchner Forschungsinstitut leitet. Demnach hat knapp ein Viertel der als arm eingestuften Rentnerinnen und Rentner keinen Anspruch auf die Grundrente. Auf der anderen Seite aber können laut Studie viele Menschen Grundrente beziehen, die keineswegs arm sind: Fast 70 Prozent der Empfänger hätten demnach keinen Anspruch auf die Grundrente, wenn das eigene Vermögen angerechnet würde.

Ein gutes Fünftel der Berechtigten gehört demnach zur reicheren Hälfte der deutschen Rentnerschaft. Fast zehn Prozent der Grundrentenempfänger sind laut der Studie sogar so wohlhabend, dass ihr Einkommen den Medianwert um das Doppelte übersteigt – also die Einkommensschwelle exakt in der Mitte, die die reichere von der ärmeren Hälfte trennt.

Die Grundrente gibt es offiziell seit 1. Januar. Rund 1,3 Millionen Menschen können mit dem Zuschlag rechnen, darunter 70 Prozent Frauen. Allerdings mit Verzögerung: Die Rentenversicherung hat angekündigt, dass die Auszahlung wegen der Komplexität der Berechnung und des Datenabgleichs mit den Finanzämtern nicht zum Jahresbeginn starten kann. Die Empfänger müssen mindestens 33 Jahre Beiträge eingezahlt haben – ein Grund, warum nach Analyse der Max-Planck-Wissenschaftler so viele Frauen herausfallen.

Börsch-Supan und die Autoren der Studie schätzten die Einkommensverhältnisse deutscher Ruheständler auf Grundlage einer SHARE-RV genannten Untersuchung zur europäischen Bevölkerung im Rentenalter ab, in deren Rahmen seit 2004 rund 140.000 Menschen im Alter von 50 Jahren oder älter aus 28 europäischen Ländern und Israel befragt wurden.

fdi/dpa
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