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Ende des Moratoriums Aktivisten blockieren Bahnstrecke im Hambacher Forst

Nach dem tödlichen Absturz eines Mannes soll die Räumung des Hambacher Forsts fortgesetzt werden. Aktivisten versuchen nun, die Arbeiten durch eine Schienenblockade zu behindern.

Kohlekraftgegner versuchen, die wieder aufgenomme Räumung des Hambacher Forsts mit der Blockade einer Zugstrecke zu verhindern. Acht Gegner der Rodung ketteten sich nach Informationen der Aktivisten an die Gleise der Hambachbahn, mit der Braunkohle vom Tagebau in die Kraftwerke gebracht wird.

"Unser Ziel ist, dass die technischen Einheiten, die gerade mit der Baumhausräumung im Wald beschäftigt sind, abgezogen werden müssen, um die Schienenblockade aufzulösen", sagte Marie Lange, die nach eigenen Angaben Sprecherin der Gruppe "Hambis im Exil" ist. Die Aktion sei ein Symbol: "Wir verteidigen uns nicht nur, wir greifen auch an." Auch ein Transparent wurde an den Schienen aufgehängt: "Ooops we blocked it again!"

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Der Eneriekonzern RWE bestätigte gegenüber dem SPIEGEL die Aktion. "Die Polizei ist vor Ort, der Kohlezug ist rechtzeitig zum Stehen gekommen", teilte der Konzern mit.

Laut RWE-Sprecher Guido Steffen legten sich die Aktivisten unter die Gleise. "Von unten umarmen sie die Gleise, die Arme sind in einem Rohr festgekettet. Teil der Sperrvorrichtung ist auch ein Betonfass", sagte er. Es werde noch mehrere Stunden dauern, bis die Polizei die Schienen wieder freigeräumt habe. Derweil könne die Bahn aber nicht fahren: "Den Kohlezug können wir nicht umleiten, allerdings ist die Versorgung in den Kraftwerken derzeit nicht in Gefahr."

Hinter der Aktion steckt offenbar die Anti-Kohle-Bewegung "Zucker im Tank", die schon in der Vergangenheit mehrere Aktionen gegen Braunkohle startete.

Im Braunkohlerevier Hambacher Forst setzen die Behörden die Räumung von Baumhäusern der Aktivisten fort. Dem NRW-Innenministerium zufolge wurden die ersten Räumungsverfügungen nach einem mehrtägigen Moratorium ausgesprochen. Nach dem Unfalltod eines Bloggers am vergangenen Mittwochhatte die Landesregierung die Räumung der Baumhütten vorerst gestoppt.

Der 27-Jährige war in dem seit Jahren von Aktivisten besetzt gehaltenen Waldgebiet zwischen Kölnund Aachendurch die Bretter einer Hängebrücke in rund 15 Metern Höhe gebrochen, die zwischen zwei Baumhäusern gespannt war. Er starb noch am Unglücksort. Die Räumung war daraufhin vorerst unterbrochen worden. Die Landesregierung hatte aber betont, dass es sich nur um einen vorübergehenden Räumungsstopp handele.

Umweltschützer protestieren im Hambacher Forst seit Jahren dagegen, dass der Energiekonzern RWE im Herbst weite Teile des Forsts abholzen und die Braunkohleförderung fortsetzen will. Am Wochenende hatten mehrere Tausend Menschen gegen die Räumung und die geplante Rodung des Waldgebietes demonstriert.

Der Wald hat nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz eine 12.000 Jahre lange Geschichte. Es gibt dort Vorkommen streng geschützter Arten wie Bechsteinfledermaus, Springfrosch und Haselmaus. Der Protest vor Ort richtet sich auch gegen den Abbau von Braunkohle allgemein. Aus Sicht von RWE ist die Abholzung des Hambacher Forsts unvermeidbar, um die Stromproduktion in den nahegelegenen Braunkohlekraftwerken zu sichern.

le/cop/dab/dpa
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