Hambacher Forst RWE sagt Rodungsstopp bis Herbst 2020 zu

In den kommenden eineinhalb Jahren werden im Hambacher Forst keine Bäume systematisch gefällt. Das hat RWE auf Bitten der nordrhein-westfälischen Landesregierung beschlossen.

Der Hambacher Forst (Archivbild)
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Der Hambacher Forst (Archivbild)


Der Energiekonzern RWE hat für den Hambacher Forst einen Rodungsstopp zugesagt - unabhängig von anstehenden Gerichtsentscheidungen. Das Unternehmen habe die Entscheidung, in der Saison bis Frühjahr 2020 keine Bäume abzuholzen, auf Bitten der Landesregierung im Sinne einer Befriedung der Konflikte getroffen, erklärte RWE am Mittwoch. Danach dürfte erst im Herbst wieder gerodet werden.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte im nordrhein-westfälischen Landtag: "Ich habe RWE gebeten, ein Moratorium für diese und die kommende Rodungssaison zu erklären, auch unabhängig vom Ausgang der anstehenden Gerichtsentscheidung. Dafür habe ich seit gestern die schriftliche Zusage des Unternehmens."

"Mit dem Moratorium wird sichergestellt, dass wir bis zum Herbst 2020 keine Rodungen vornehmen", teilte RWE mit. "Auch wenn das mit deutlichen betrieblichen Einschränkungen und einer Produktionsminderung im Tagebau Hambach verbunden ist. Unsere Zusage gilt auch für den Fall, dass wir bei der im März anstehenden Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Köln Recht bekommen und wir dann eigentlich roden dürften."

Der Wald, von dem der größte Teil in den vergangenen Jahren abgeholzt wurde, ist zum Symbol der Antikohlebewegung geworden. Er wird noch immer von Umweltschützern besetzt. Laschet forderte die Aktivisten auf, das Gebiet zu verlassen. "Lassen Sie in dem Ort, den Sie schützen wollen, nun endlich Frieden einkehren", sagte er.

In den Empfehlungen der Kohlekommission zum Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2038 war der Erhalt des seit Langem umkämpften Hambacher Forstes als "wünschenswert" bezeichnet worden. Laschet schloss sich dem Appell an, das Waldgebiet auch über 2020 hinaus zu erhalten.

Die Kommission mit Vertretern von Industrie, Gewerkschaften, Wissenschaft und Umweltverbänden hatte im Januar ihre Vorschläge zum Ausstieg aus der Kohleverstromung bis spätestens 2038 vorgestellt, um CO2-Emissionen zu mindern. So sollen Hilfsprogramme von gut 40 Milliarden Euro über 20 Jahre an die betroffenen Kohleregionen besonders im Rheinland und in der Lausitz fließen.

Bereits bis 2022 soll eine Reihe von Kraftwerken stillgelegt werden. Es wird erwartet, dass dabei die Braunkohlekraftwerke und -Tagebaue von RWE eine große Rolle spielen werden. Die Bundesregierung hatte erklärt, sie wolle den Kompromiss im Kern so umsetzen.

RWE hatte Anfang Februar den Erhalt des Hambacher Forstes nicht ausgeschlossen. RWE-Chef Rolf Martin Schmitz sagte dazu: "In der neuen Braunkohleplanung werden wir prüfen, ob so etwas geht." Für sinnvoll halte er den Erhalt aber weiterhin nicht.

kko/le/dpa-AFX/Reuters/



insgesamt 8 Beiträge
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lukapp 20.02.2019
1. Für die Aktivisten ist das keine gute Nachricht
Der Slogan "Hambi bleibt" ist schön und richtig. Für alle, die daraus "Hambi bleibt unsere Aktivisten-Spiel-Bühne" gemacht haben, ist das eine sehr schlechte Nachricht.
joernthein 20.02.2019
2. Ach, Herr Laschet,
jetzt fordern sie die Aktivisten auf den Forst zu verlassen, um Beschädigungen der Bäume zu verhindern. Zuvor haben sie verantwortlich und aktivistisch Schneisen schlagen lassen. Sie hätten auch gerichtliche Entscheidungen abwarten können - sie harter Hund. Ich erspare mir hier jetzt unflätige Beschimpfungen, die ihre (hinterfotzige) Doppelmoral durchaus verdient hat.
demokrat2 20.02.2019
3. Laschet und sein Klüngel mit der RWE.
Das wird Laschet, Ministerpräsident in NRW, einige Wählerstimmen kosten. Und übrigens: Was bedeutet "systematisch" in diesem Zusammenhang? Die Frist läuft doch nur bis zum Herbst 2020. Und was geschieht dann? RWE darf man nicht trauen. Das Vertrauen hat der Vorstand der RWE schon lange verspielt. RWE hat die Radikalität ihres Handelns gezeigt und ihre Macht rücksichtslos demonstriert.
constantinklein 20.02.2019
4. hambibambiditschidatschi
Ein Aufschub für das bedeutungslose Restwäldchen, das vor kurzem noch aus bergbautechnischen Gründen keinesfalls zu erhalten war. Das werte Publikum wird nur noch mit dem Nasenring durch die Manege geführt. Immerhin ist nunmehr die Begründung für eine Spielwiese entfallen. Es wird sich ein Grund finden, dennoch dort Rabatz zu machen und die Leute zu beschäftigen.
umbhaki 20.02.2019
5. @ 4: hambibambiditschidatschi und RWE
Wenn Sie sich mal etwas genauer anschauen, wie die RWE AG unter ihrem grandiosen Vorstandsvorschwitzenden Dr. Rolf Martin Schmitz so agieren, dann werden Sie sicherlich durchaus Gründe dafür finden, warum diejenigen Menschen, die von deren Aktivitäten betroffen sind, mit erheblichem Misstrauen erfüllt sind: https://www.heise.de/tp/news/Kohleausstieg-Anwohner-fuehlen-sich-von-RWE-terrorisiert-4296124.html Wenn Sie sich darüber hinaus noch anschauen, wie "die Politik" mit dem Thema umgeht, dann verstehen Sie vielleicht auch, warum hier niemand mehr irgendwelchen "Eliten", "Führungskräften" oder was auch immer von seiten der Wirtschaft, der Politik oder der Gewerkschaften vertraut: https://www.heise.de/tp/features/Duesseldorf-trickst-beim-Kohleausstieg-und-ersetzt-Umweltkriminalitaet-durch-Heimat-4313379.html?seite=all Da bleibt nicht viel anderes übrig, als die Dinge selber in die Hand zu nehmen, finden Sie nicht?
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