Handelsbarrieren Wirtschaft fordert Klartext gegenüber China

Ministerpräsident Wen Jiabao wird sich während seines Staatsbesuchs in Deutschland auf deutliche Worte einstellen müssen. Die Wirtschaft fordert faire Rahmenbedingungen für den Handel mit China - und Bundeskanzlerin Angela Merkel soll dem jetzt Nachdruck verleihen.

Kanzlerin Merkel chinesischer Premier Wen: Kampf um den Zugang zu Rohstoffmärkten
REUTERS

Kanzlerin Merkel chinesischer Premier Wen: Kampf um den Zugang zu Rohstoffmärkten


Berlin/Hamburg - So manchem Top-Manager wäre es wahrscheinlich ganz recht, wenn Angela Merkel (CDU) diesmal die diplomatische Etikette außer Acht ließe und klare Worte fände. Verbandsvertreter jedenfalls forderten die Bundeskanzlerin öffentlich auf, den Besuch ihres chinesischen Amtskollegen in Deutschland zu nutzen, um gegen Handelshemmnisse in China Stellung zu beziehen. "Ich setze darauf, dass die Bundeskanzlerin sich bei Ministerpräsident Wen Jiabao nachdrücklich für den Abbau von Marktzugangsbarrieren und ein Ende der Benachteiligung ausländischer Unternehmen einsetzt", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, dem "Tagesspiegel".

Es gehe auch um den Zugang zu den Rohstoffmärkten, fügte er hinzu. Faire Rahmenbedingungen seien gerade für Deutschland wichtig, "das wie kein anderes Land in Europa von der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit China profitiert".

Auch die deutsche Exportwirtschaft verlangt von China die "Akzeptanz internationaler Gepflogenheiten des wirtschaftlichen Miteinanders". Der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, sagte der Zeitung, dazu zähle er "die Abkehr von unfairen Handelspraktiken bei Rohstoffen, klare Schritte hin zu einem realistischen Wechselkurs der chinesischen Währung sowie die Akzeptanz internationaler Standards bei öffentlichen Aufträgen und bei der Exportfinanzierung".

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) will auf seiner China-Reise das Problem der Wirtschaftsspionage ansprechen. "Angriffe auf die Computersysteme deutscher Unternehmen müssen unterbleiben. Da muss man einen Riegel vorschieben", sagte Brüderle dem "Hamburger Abendblatt". Es handele sich um ein "ernsthaftes Problem". "Wir sind an einer fairen Zusammenarbeit interessiert. Deutschland stellt technologisches Wissen bereit und bildet Arbeitskräfte aus." Daher erwarte er auch, dass die chinesischen Unternehmen keine Produktpiraterie betreiben.

Zugleich begrüßte Brüderle, dass Peking griechische Staatsanleihen aufkauft. "Gegen eine Zusammenarbeit zwischen Griechenland und China ist nichts einzuwenden. Ich gehe davon aus, dass das in beidseitigem Interesse ist", sagte er. "Wir sind offen für chinesisches Kapital auch in Deutschland. Unsere Unternehmen investieren Milliarden in China. Das sollte doch keine Einbahnstraße sein." Bisher erreichten die chinesischen Investitionen in Deutschland nur einen Bruchteil der deutschen Investitionen in China.

mik/dapd

insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
commonman 06.10.2010
1. dabei geht frau knopfleiste
in meeseberg doch nur noch betteln. china lässt sich nichts mehr vorschreiben. die chinesische regierung hat erkannt, dass export nicht alles ist und will deshalb die binnennachfrage ua durch gezielte erhöhung der mindesteinkommen steigern.
augu 06.10.2010
2. ....
"Akzeptanz internationaler Gepflogenheiten des wirtschaftlichen Miteinanders" fordert der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, Für diese Forderung hat die chinesische Regierung sicherlich Verständnis- im Gegensatz zu der Forderung nach mehr Freiheit in der politischen Meinungsäußerung in China-, Das heißt aber noch lange nicht, dass sie deswegen auch darauf eingeht.
commonman 06.10.2010
3. nach den chinesischen verhältnissen in stuttgart
wäre ich mit bezügen auf bürgerliche rechte in deutschland sehr vorsichtig. aber die kündigung wird schon tausendfach verschickt > http://www.wir-treten-zurueck.de/
Gabri, 06.10.2010
4.
Deutschland wird als Antwort auf seine Forderungen die gleiche Ohrfeige von den Chinesen bekommen wie jüngst die USA. Sinnvoller wäre es, anstatt um Zugeständnisse zu betteln, sich z.B. in Bezug auf die Rohstoffbeschaffung chinesische Vorgehensweisen in den Entwicklungsländern (Infrastruktur gegen langjährige Rohstoffverträge) abzugucken und sich gleichfalls die nötigen Ressourcen zu sichern, falls es dazu nicht längst zu spät ist und aus Angst vor Kolonisationsvorwürfen die Entwicklung total verpennt wurde. Ebenfalls zu überprüfen wäre es, ob der enorme Input chinesischer Studenten zum Nulltarif an die deutschen Universitäten und ubiquärer Austauschwahn und Inflation von deutsch-chinesischer Partnerschaften, die China einen ständig anwachsenden Strom von Wissenstransfer bescheren, im Austausch gegen wahrscheinlich eher kurzfristige Exportmöglichkeiten, bis man in China saturiert ist und selbst den Markt mit eigenen und billiger hergestellten Produkten übernimmt.
keo 06.10.2010
5. Da will die Maus die Katze bumsen
"Faire Rahmenbedingungen seien gerade für Deutschland wichtig, "das wie kein anderes Land in Europa von der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit China profitiert". " Hört sich nicht soo unfair an. Aber es gibt eben nur eines, was besser ist als Profit, und das ist noch mehr Profit. Und von "Fairness" wollen wir schon gar nicht reden, wenn D€ mit seiner brutalen Niedrigstlohnpolitik seine europäischen 'Partner' unter Druck setzt. Quod licet...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.