Handelsbilanz-Defizit China importiert zu viel

Schock für den Exportweltmeister China: Die Volksrepublik hat im März einen Überschuss bei den Importen verbucht - zum ersten Mal seit rund sechs Jahren. Doch das dürfte sich bald wieder ändern.
Containerhafen in Shanghai: Importüberschuss von 7,24 Milliarden Dollar

Containerhafen in Shanghai: Importüberschuss von 7,24 Milliarden Dollar

Foto: ALY SONG/ REUTERS

Shanghai - Seit Wochen wurde darüber spekuliert, jetzt ist es offiziell: Der Exportweltmeister China hat einen Monat mit einem Außenhandelsdefizit abgeschlossen. Im März gab es einen Überschuss bei den Einfuhren von 7,24 Milliarden Dollar   (5,41 Milliarden Euro  ), meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag. Damit erleidet Chinas erfolgsverwöhnte Exportwirtschaft zum ersten Mal seit knapp sechs Jahren einen Rückschlag.

Die Importe legten den Angaben zufolge im März auf 119,35 Milliarden Dollar zu - im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Anstieg um 66 Prozent. Die Exporte stiegen um rund 24 Prozent auf nun 112,11 Milliarden Dollar. Zuletzt hatte die Volksrepublik im April 2004 ein Außenhandelsdefizit verbucht - also mehr Waren eingeführt als ins Ausland verkauft. 2004 hatte das Defizit jedoch unter dem heutigen gelegen, bei 2,26 Milliarden Dollar.

Ursache für die aktuelle Entwicklung ist, dass die chinesische Regierung - wie etwa auch die USA - wegen der Wirtschaftskrise ein massives Konjunkturprogramm aufgelegt hat, das die Nachfrage im Inland ankurbelt. Deshalb mussten deutlich mehr Waren eingeführt werden. Für das erste Quartal 2010 insgesamt weist die Statistik dennoch weiter einen Überschuss bei den Exporten von 14,5 Milliarden Dollar aus. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies allerdings einen Rückgang um 76,7 Prozent.

Ohnehin erwarten die chinesischen Behörden, dass die Volksrepublik schon bald wieder mehr Waren exportieren als importieren wird. Der Leiter der Statistikabteilung des chinesischen Zolls, Zheng Yusheng, betonte indes, eine ausgeglichenere Handelsbilanz als in der Vergangenheit sei wünschenswert.

Währungsstreit mit den USA geht weiter

Hintergrund ist, dass China international unter erheblichem Druck steht, die Landeswährung Yuan aufzuwerten. Die USA und andere ausländische Regierungen werfen Peking vor, den Yuan künstlich niedrig zu halten und den chinesischen Exporteuren damit einen ungerechten Preisvorteil zu verschaffen.

Am Wochenende heizte der US-Senat den Streit erneut an. Bis Ende Mai könne die Kongresskammer über ein Gesetz abstimmen, mit dem China zur Aufwertung des Yuan gebracht werden solle, sagte eine Sprecherin des demokratischen Mehrheitsführers im Senat, Harry Reid. Reid hatte den chinesischen Präsidenten Hu Jintao im Dezember zu einer deutlichen Aufwertung der chinesischen Währung aufgefordert. Reid und andere US-Abgeordnete halten die chinesische Währung für bis zu 40 Prozent unterbewertet.

Der chinesische Präsident wird in der kommenden Woche zum Atomgipfel in Washington erwartet. Zuletzt hatte der unerwartete Besuch von US-Finanzminister Timothy Geithner in Peking Spekulationen über eine Flexibilisierung des Yuan-Kurses angefacht.

yes/apn/Reuters
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