Exportstopp für seltene Erden? Trump muss Chinas Rohstoffkeule fürchten

Die Führung in Peking droht den USA im Handelskrieg mit einer neuen Waffe - der Verknappung seltener Erden. Wie hart könnte China die Amerikaner damit treffen?
Seltene-Erden-Mine im chinesischen Ganxian: offiziell 80, inoffiziell 90 Prozent Marktanteil weltweit

Seltene-Erden-Mine im chinesischen Ganxian: offiziell 80, inoffiziell 90 Prozent Marktanteil weltweit

Foto: Str/FEATURECHINA/DPA

China geht im Handelskrieg mit den USA zunehmend in die Offensive. Viele Monate lang beschränkte sich Peking darauf, die von US-Präsident Donald Trump verhängten Sonderzölle seinerseits mit eigenen Zöllen zu kontern. Der entscheidende Nachteil: Das geht nicht in gleichem Ausmaß - weil China eben viel mehr Waren in die USA exportiert als von dort einführt.

Nun droht China unverhohlen mit der "Rohstoff-Keule", wie es das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) nennt - konkret damit, die sogenannten seltenen Erden zu verknappen. "Sagt hinterher nicht, wir hätten Euch nicht gewarnt", hieß es diese Woche in der "Volkszeitung" der Kommunistischen Partei in Richtung Washington.

Die Drohung ist allein deshalb ernst zu nehmen, weil China sie in anderen Konflikten bereits umgesetzt hat: Im Streit um die Senkaku-Inseln im Ostchinesischen Meer stoppte die Führung in Peking im Jahr 2010 die Lieferung seltener Erden nach Japan, das schon nach wenigen Tagen schmerzhafte Zugeständnisse an China machen musste.

Doch wie hart könnte China die USA wirklich treffen? Und welches Risiko geht Peking ein?

Theoretisch ist das Potenzial der Rohstoff-Keule enorm hoch - wenn es Peking gelingen würde, die USA komplett von der Versorgung mit seltenen Erden abzuschneiden. Deren Name ist mehrfach missverständlich: Es handelt sich um 17 Metalle mit Namen wie Neodym, Lanthan oder Cer - und sie sind nicht wirklich selten. So gibt es etwa auch in Sachsen Vorkommen, die abgebaut werden könnten.

Unentbehrlicher Rohstoff - und China beherrscht den Markt

Allerdings ist die Gewinnung dieser Metalle extrem aufwendig und umweltschädlich: Für jede Lagerstätte muss eine eigene Aufbereitungsanlage gebaut werden, in der die Metalle mittels Säurelösungen aus dem Erz gewaschen werden - und die sich auch jeweils nur für die Erze dieser einen Lagerstätte eignet. Die Erschließung und der Bau einer solchen Anlage kosten "mindestens eine Milliarde Dollar", sagt Harald Elsner, Wirtschaftsgeologe bei der Bundesanstalt für Geowissenschaft und Rohstoffe (BGR).

Benötigt werden die Metalle für Hunderte, wenn nicht Tausende verschiedener elektronischer Produkte, die aus dem modernen Alltag nicht wegzudenken sind - ob in High-End-Smartphones oder in Autokatalysatoren, sagt BGR-Experte Elsner. Ebenso unersetzlich sind sie für Windkraftanlagen oder Erdöl-Raffinerien: Würden seltene Erden knapp, müsste die Benzinproduktion drastisch gedrosselt werden. Mehr als 18.500 Tonnen an seltenen Erdmetallen oder -verbindungen importierten die USA im vergangenen Jahr, rund drei Viertel davon aus China.

Die Volksrepublik hat global gesehen eine marktbeherrschende Stellung. 80 Prozent der weltweiten Produktion findet laut Elsner in China statt, wenn man die offiziellen Produktionsquoten zugrunde legt. In Wirklichkeit dürften es aber eher 90 Prozent sein, da es ein offenes Geheimnis sei, dass viele chinesische Betriebe mehr produzieren als offiziell erlaubt.

Opec als warnendes Beispiel

Japan hatte aus dem Lieferstopp im Jahr 2010 die Lehre gezogen, sich von China unabhängig zu machen. Es finanzierte damals die Förderung seltener Erden in Australien und die Verarbeitung in einer Anlage in Malaysia durch den Lynas-Konzern - und ist inzwischen nicht mehr auf den Lieferanten China angewiesen.

Doch seltene Erden selbst zu produzieren ist für die USA zumindest kurz- und mittelfristig keine Option. "Das würde sicher fünf bis zehn Jahre dauern", sagt Elsner. "Derzeit gibt es in den USA bis auf das kalifornische Bergwerk Mountain Pass keine einzige erschlossene Lagerstätte, keine Anlage zur Aufbereitung und außerdem auch nicht das nötige Know-how dafür." Und auch Mountain Pass gehöre inzwischen zum Teil einem chinesischen Konzern, sagt Elsner: "Was dort gefördert wird, wird derzeit zur finalen Aufbereitung nach China geschickt."

China kann die Rohstoff-Keule also schwingen, ohne befürchten zu müssen, die gleiche Erfahrung wie die Opec zu machen. Das Ölkartell hatte im Jahr 1973 einen Lieferstopp verhängt - und sich damit letztendlich selbst geschwächt, weil die Abnehmerländer danach neue Quellen erschlossen und auf andere Energiequellen umstiegen. Im Unterschied zur Opec damals ist China heute zudem weit weniger auf den Export der seltenen Erden angewiesen; den weitaus größten Teil der Produktion braucht die Volksrepublik für die eigene Wirtschaft.

"Preise steigen immer nur für kurze Zeit"

Würde China also seine Drohung wahrmachen, könnte es die US-Wirtschaft durchaus treffen. BGR-Experte Elsner hält zwei Szenarien für denkbar: Wenn China die Exporte seltener Erden in die USA mit speziellen Ausfuhrzöllen belegt, würde dies allein für die US-Unternehmen teuer. Sollte Peking jedoch einen Lieferstopp in die USA verhängen, würde dies für die ganze Welt zum Problem. Denn "dann würden sich die USA die seltenen Erden über einen Umweg aus anderen Ländern besorgen - was die Preise weltweit allerdings deutlich nach oben treiben dürfte", sagt Elsner.

Das wäre zwar temporär eine starke Waffe im Handelskrieg. Doch allzu große Sorgen muss man sich im Westen nicht machen, meint Elsner. Das zeigten alle Erfahrung aus der Vergangenheit: "Die Preise für Rohstoffe steigen immer nur für relativ kurze Zeit - also einige Monate - stark, bevor sie sich wieder in Richtung Normalniveau bewegen." Und obwohl seltene Erden für sie US-Wirtschaft sehr wichtig sind, hat sie bislang nicht allzu viel dafür bezahlen müssen: Im Jahr 2018 hatten die Einfuhren einen Wert von insgesamt 162,8 Millionen Dollar.

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