Handelskrieg mit den USA China besorgt sich Soja in Argentinien

Wegen des Handelskriegs mit den USA sucht China nach Alternativen, um seinen hohen Bedarf an Sojamehl als Futtermittel zu decken. Nun hat die Volksrepublik ein Abkommen mit Argentinien geschlossen.

Farm in China (Archivbild): Soja kommt künftig auch aus Argentinien
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Farm in China (Archivbild): Soja kommt künftig auch aus Argentinien


China hat mit Argentinien ein Abkommen zur Lieferung von Sojamehl geschlossen. Damit hat die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt eine weitere Futtermittelquelle für seine Fleischindustrie erschlossen. Wegen des Handelskriegs mit den USA hatte das Land sich nach neuen Soja-Lieferanten umgeschaut.

Die Agrarindustrie des südamerikanischen Landes rechnet mit jährlichen Exporten von fünf Millionen Tonnen für 1,6 Milliarden Dollar nach China, berichtet die Zeitung "La Nación".

Wegen der gegenseitigen Strafzölle waren die Soja-Exporte aus den USA nach China bereits im vergangenen Jahr um die Hälfte zurückgegangen. Peking sucht nun nach neuen Lieferanten, um die mehr als 500 Millionen Schweine und Rinder in China zu füttern.

Import für China günstiger

Der Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten könnte dazu beigetragen haben, dass die seit 20 Jahren andauernden Verhandlungen zwischen China und Argentinien nun abgeschlossen wurden.

Soja dient vor allem als Tiernahrung. In den vergangenen Jahren sind Millionen Chinesen in die Mittelschicht aufgestiegen und können sich nun Fleisch leisten. Selbst bauen die Chinesen immer weniger Soja an, weil der Import deutlich günstiger ist. Seit 2000 ging die Anbaufläche um rund 25 Prozent zurück.

Argentinien ist weltweit der größte Exporteur von Sojamehl, mit erwarteten Ausfuhren von 26 Millionen Tonnen im laufenden Jahr. China verarbeitet jährlich mehr als 70 Millionen Tonnen Sojamehl als Schweine- und Rinderfutter. Der größte Teil der Soja-Importe stammt bisher aus Brasilien.

brt/dpa

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DieterZuckermann 11.09.2019
1.
Absolut richtige Entscheidung. Wir sollten diesem Beispiel folgen und die Importe aus USA nach und nach Richtung 0 herunterzufahren. Auch wenn man die 0 wahrscheinlich niemals erreichen wird, kann man in vielen Bereichen die USA schnell ersetzen. Oftmals ist die Konkurrenz auch besser. Die USA betreibt seit Jahrzehnten Wirtschaftskrieg. Das ist keine Konkurrenz mehr wo der Beste sich durchsetzt. Unter fairen Bedingungen hätten viele US-Produkte niemals eine Überlebenschance gehabt. Und im Grunde sind Prozessoren und Betriebssysteme so ziemlich das einzige Feld, wo man USA noch nicht ersetzen kann. Wobei es sich eigentlich um ein Feld handelt. Setzt man sich in einem Feld durch, gibt es das Andere gratis dazu.
butzibart13 12.09.2019
2. Win-win-Situation?
Die Importe von dem umstrittenen Soja nach China sind günstiger als der eigene Anbau. Und Argentinien gilt hinsichtlich seiner Staatsfinanzen als marode. Da kommt der Deal gerade richtig, auch wenn Argentinien dadurch richtig abhängig wird.
dirkcoe 12.09.2019
3. Trump hat sich verzockt
Er wollte den Handelskrieg schnell und einfach gewinnen - das Gegenteil zeichnet sich ab. Die USA verlieren mit China ihren wichtigsten Abnehmer von Agrarprodukten. Außerdem ist es eine Frage der Zeit, bis die USA ihr Monopol auf Betriebssysteme verlieren. Da auch die Luftfahrtsparte heftig angeschlagen ist - gibt es nicht mehr viel, womit die USA auf den Märkten punkten können.
gmein 12.09.2019
4. @Zuckermann
USA und EU haben doch erst EU-Importkontingente vereinbart. Viel wichtiger wäre ein Komplettboykott, Importstopp von Soja und Fleisch aus Brasilien wegen Regenwaldvernichtung. Aber da hat die EU auch erst das Abkommen abgeschlossen, Mercosur, um deutsche Schrottautos mit Umweltverseuchungsgarantie los zu werden. China importiert aus Argentinien, alternativ zu USA und Brasilien.
Piantao 12.09.2019
5.
Zitat von butzibart13Die Importe von dem umstrittenen Soja nach China sind günstiger als der eigene Anbau. Und Argentinien gilt hinsichtlich seiner Staatsfinanzen als marode. Da kommt der Deal gerade richtig, auch wenn Argentinien dadurch richtig abhängig wird.
China ist ein langjähriger Käufer in Argentinien u.a. auch von Soja. China unterhält eigenes Schifffahrtskontor in Buenos Aires. Das ist nichts neues und bereitet deshalb auch keine Abhängigkeit. Auch theoretisch ohne China würde Argentinien die Sojaproduktion auch anderweitig exportieren.
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