Eskalation im Handelsstreit China boykottiert Agrarprodukte aus den USA

Nachdem US-Präsident Trump neue Zölle auf Waren im Wert von 300 Milliarden Dollar angekündigt hat, will China auf Agrargüter aus den USA verzichten.

Hafen von Shanghai 2018: Umschlagsort auch für US-Güter
AFP PHOTO / Johannes EISELE

Hafen von Shanghai 2018: Umschlagsort auch für US-Güter


Die US-Farmer zählen zu Donald Trumps Stammwählern. Die nächste Eskalation im Handelsstreit ihres US-Präsidenten mit China dürfte sie jedoch hart treffen: Die Volksrepublik hat nach eigenen Angaben den Kauf von US-Agrarprodukten ausgesetzt.

Das Handelsministerium in Peking teilte zudem mit, nachträgliche Zölle auf seit dem 3. August erworbene Erzeugnisse aus den USA zu erwägen. Ein solcher Schritt werde nicht ausgeschlossen. Eine Reaktion der Regierung in Washington liegt noch nicht vor.

Der Schritt kann als Reaktion auf Trumps Ankündigung Ende vergangener Woche verstanden werden. Der US-Präsident sprach davon, chinesische Waren im Wert von 300 Milliarden Dollar mit zusätzlichen Zöllen von zehn Prozent zu belegen. Trump hatte dies auch damit begründet, dass China nicht wie eigentlich zugesagt mehr Agrarprodukte aus den USA kaufe. China kündigte daraufhin Gegenmaßnahmen an.

"China trifft Trumps verwundbare Stelle"

In dem inzwischen seit zehn Monaten andauernden Handelskonflikt gehören die US-Bauern zu denjenigen Gruppen, die bereits jetzt schon zu den am stärksten von den Zöllen und Gegenzöllen betroffen Gruppen gehören. Der Sojaimport nach China war etwa bereits vor Monaten eingebrochen, nachdem - wie für viele landwirtschaftliche US-Produkte - ein Abgabensatz von 25 Prozent eingeführt worden war. Trump versprach den US-Farmern deshalb bereits Hilfszahlungen von 16 Milliarden Dollar.

Erntemaschine in Kansas (Archiv): Keine Käufer mehr in China
EPA/LARRY W. SMITH

Erntemaschine in Kansas (Archiv): Keine Käufer mehr in China

"China trifft genau die Stelle, an der US-Präsident Donald Trump besonders verwundbar ist", sagte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. "Bisher hat er sich als Schutzpatron der US-Agrarindustrie präsentiert." Die Bauern zählten zu Trumps wichtigsten Wählergruppen im Präsidentschaftswahlkampf 2016 - und hatten zuletzt Widerstand gegen die Abschottungspolitik ihres Präsidenten geäußert.

Die Spannungen zwischen den USA und China hat auch an den Börsen für Unruhe gesorgt -und die Kurse stark absinken lassen. Der Dollar hatte am Montag erstmals seit mehr als elf Jahren die Marke von sieben Yuan übersprungen. Insidern zufolge ließen die chinesischen Behörden die Währung zum Dollar fallen, ebenfalls ein Schritt im Handelskonflikt. Trump warf der Regierung in Peking erneut Währungsmanipulation vor, die chinesische Regierung wies eine Einmischung zurück.

apr/Reuters

insgesamt 69 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dirkcoe 05.08.2019
1. Damit erleben wir gerade
wie Trump mit seiner dummen Politik von Strafzöllen krachend scheitert. Den Verlust der Bauern durch fehlenden Export kann er ebensowenig dauerhaft kompensieren, wie die sinkenden Aktienkurse. Der Höhenflug der US Wirtschaft könnte jäh abstürzen - und das bei exponentiell steigender Staatsverschuldung. Der größte Präsident seit Jesus hat ein Problem - aber keine Ahnung von einer Lösung.
Frokuss 05.08.2019
2. Subventionen
Dann hoffe ich mal, dass keine Produkte die nun neuerdings mehr in die EU importiert werden dürfen von den Subventionen betroffen sind. Denn dies würde ja in dem Fall die heimische Landwirtschaft (der EU-Statten) erheblich schädigen. Grundsätzlich achte ich immer mehr darauf, dass meine Lebensmittel nicht aus den USA kommen. Hoffen wir mal, dass wir auch noch die nächste Legislaturperiode von Trump überleben...
HeisseLuft 05.08.2019
3. hm
Und jetzt denke ich noch mal zurück, wie erbittert noch vor einigen Jahren über Globalisierung gestritten wurde. Naja, nicht mehr nötig, wenn es so weitergeht. Dann können wir mal schauen, ob wir alle mit Protektionismus reich werden. /Sarkasmus Ende
r_saeckler 05.08.2019
4. DAS, genau das wäre es was die EU machen müsste!
Stattdessen: liebevollste Handmassage für des POTUS Hämorrhoiden. Er droht mit Sonderzöllen auf Autos? Dann soll er Soja, Chlorhühnchen und Steaks behalten - Gleichwertiges, wenn nicht sogar besseres kriegen wir jederzeit und soviel wir brauchen aus den Merosur-Staaten. Statt laufende Meter den Herrn T. hier in Europa von mehr oder weniger wichtigen Polit-Darsteller*innen großmäulig beschimpfen und kritisieren zu lassen und dann hinterher bei jeder Gelegenheit wieder alleruntertänigst zu Kreuze zu kriechen würden _intelligente_ Führungspersönlichkeiten in Ton jederzeit freundlich und verbindlich bleiben - und die eigenen Interessen ruhig aber knallhart durchsetzen. Blöd nur: solche Führungspersönlichkeiten sucht man in ganz Europa vergebens...
michael_sch17 05.08.2019
5. Mehrere Brandherde
wurden vom stabilen Genie auf den verschiedensten Gebieten und Regionen angefacht. Handelskrieg mit China, Handelskonflikte mit ehemaligen Verbündeten in Europa, Gespräche über Abrüstung Nordkoreas, zunehmende Aggression im Persischen Golf. An keiner Stelle sind positive Entwicklungen erkennbar. Im Bewusstsein, alles am Besten allein bewältigen zu können wird kein Rat vernünftiger Stimmen angenommen. Die Konsequenzen werden immer deutlicher sichtbar. Es wird leider noch sehr viel schlimmer für die republikanische Wählerschaft werden müssen, bevor diese ihre politische Unterstützung dem Genie versagt. Erst dann können die Brandherde von Anderen gelöscht werden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.