Währungsstreit China weist Vorwurf der Manipulation zurück

Die Reaktion aus Peking kam prompt: China weist den Vorwurf der Währungsmanipulation zurück. Stattdessen werfen Staatsmedien den USA vor, die Welt zu destabilisieren.

Mit Banknoten tapezierter Geldwechselladen in Hongkong: Sorge vorm Währungskrieg
Kin Cheung/DPA

Mit Banknoten tapezierter Geldwechselladen in Hongkong: Sorge vorm Währungskrieg


Bisher haben sich China und die USA im Handelsstreit vor allem mit gegenseitigen Zöllen unter Druck gesetzt. Nun haben sie die Auseinandersetzung auf einen weiteren Bereich ausgeweitet: Es besteht die Gefahr eines Währungskriegs.

Am Montag hatte die chinesische Notenbank zugelassen, dass der Yuan im Vergleich zum US-Dollar stark an Wert verlor und auf den tiefsten Stand seit mehr als elf Jahren fiel. Die USA warfen Peking daraufhin Währungsmanipulation vor.

Das hat China nun zurückgewiesen. Die Volksrepublik setze den Yuan nicht als Waffe im Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten ein. Die jüngste scharfe Abwertung des Yuan sei vielmehr durch den Markt bewirkt worden, heißt es in einer Erklärung der chinesischen Notenbank vom Dienstag. Der Vorwurf der Währungsmanipulation beschädige die internationale Finanzordnung, den Handel sowie die Konjunktur und führe zu Turbulenzen an den Finanzmärkten, teilte die Zentralbank mit. Der Yuan-Kurs werde auf einem angemessenen, ausgewogenen Niveau gehalten, schrieben die Währungshüter.

Staatsmedien werfen Washington Destabilisierung vor

Die chinesische Führung ließ auch über Staatsmedien der Kritik an den USA freien Lauf. In einem scharf formulierten Leitartikel der Zeitung der Kommunistischen Partei vom Dienstag hieß es, Washington wolle absichtlich die internationale Ordnung zerstören. Die großen Staaten seien dafür verantwortlich, in der Welt für Stabilität zu sorgen, hieß es. Zugleich müssten sie die Grundlagen für die Entwicklung aller Länder schaffen. "Aber einige Leute in den Vereinigten Staaten machen genau das Gegenteil."

Die Abwertung des Yuan war als weitere Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China gewertet worden, weil der Yuan nicht gänzlich frei schwankt, sondern durch die chinesische Notenbank beeinflusst wird. US-Finanzminister Steven Mnuchin kritisierte, mit einer bewussten Abwertung der Landeswährung verschaffe sich China unfaire Vorteile im Welthandel und verstoße damit gegen Verpflichtungen als Mitglied der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer.

US-Präsident Donald Trump hatte getwittert, China senke den Kurs seiner Währung auf ein nahezu historisches Tief: "Das nennt man 'Währungsmanipulation'."

Die Börsen rutschten angesichts der weiteren Eskalation am Montag tief ins Minus. Der Dax stabilisierte sich jedoch am Vormittag wieder und lag mit 0,5 Prozent im Plus. Für Entspannung sorgte Händlern zufolge, dass China seine Währung am Dienstag zumindest wieder etwas aufwerten ließ.

Analysten sehen die Eskalation vom Montag als Zeichen dafür, dass die Handelsgespräche zwischen den beiden Wirtschaftsmächten scheitern könnten. Zuletzt habe die chinesische Zentralbank bei Währungsschwankungen interveniert, auch um die Verhandlungen nicht zu gefährden, sagte Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. "Diesmal ließ die People's Bank of China den Markt gewähren. Vielleicht ein Zeichen, dass Peking kaum noch Hoffnung auf eine baldige Einigung mit den USA hat."

"Das letzte, was wir brauchen"

Der Ökonom Marcel Fratzscher warnte vor einer unkontrollierbaren Eskalation. "Dies könnte der Anfang eines unumkehrbaren Handelskriegs zwischen den beiden Ländern sein", sagte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) der Nachrichtenagentur dpa. Er befürchtet, dass andere asiatische Länder ihre Währungen ebenfalls abwerten könnten, um im globalen Wettbewerb mithalten zu können.

Das könnte zu einem stärkeren Euro führen, damit würden Waren "Made in Germany" außerhalb des Euroraums teurer. "Die Folge werden wohl geringere deutsche Exporte und damit ein schwächeres Wachstum in Deutschland sein. In Zeiten, in denen sich die deutsche Wirtschaft in einer milden Rezession befindet, ist die Eskalation im globalen Handelskonflikt das letzte, was wir brauchen", sagte Fratzscher.

mmq/Reuters/dpa

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lalito 06.08.2019
1. Geister
Ob der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika die Flasche wieder zu bekommt ist die eine Frage, die andere hat sich wohl auf lange Sicht mit den bereits rausgelassenen Geistern zu beschäftigen. Porzellanladen und die Elefanten . . .
mimas101 06.08.2019
2. Hmm Tja
Und wer will nochmals den US$ im Keller sehen weil alle Wechselstuben und Notenbanken die anderen nationalen Währungen unfairerweise abwerten würden, natürlich mit dem Ziel den US$ zu verteuern und damit auch die schwer schuftenden US-Amerikaner um den gerechten Lohn ihrer Arbeitskraft zu bringen? Ich glaube das war DT selbst in einem seiner Tweets. Damit fordert der Herr Präsident seit einiger Zeit doch höchstselbst eine absichtliche Manipulation, also Unterbewertung, des US$ damit die Welt endlich Waren Made in USA kauft.
w.diverso 06.08.2019
3. Da setzt Trump
China wirtschaftlich immer mehr unter Druck und ist dann überrascht wenn eine Reaktion kommt. Außerdem ist bei einem Land in welches ausländische Investoren Vertrauen verlieren, mehr als normal, dass dann die Währung abwertet. Da China ihre Währung zum Großteil selber kontrolliert war dieser Schritt ja zu erwarten. Dumm ist nur der, der damit nicht rechnet. China ist einfach ein anderes Kaliber als ein Konkurrent um einen Bauplatz für ein Hotel. Das hat Trump scheinbar noch immer nicht begriffen. China wird auch bei der Abwertung ihre Währung mehr als vorsichtig sein, da dadurch ihre Importe auch teurer werden. Da China sich zu einer Konsumgesellschaft entwickelt, ist das wegen den steigenden Importen auch nicht zu vergessen.
jana45 06.08.2019
4. gegenüber dem EURO ist der Renminbi recht stabil
vor einigen Jahren gab es sogar mehr Renminbi für einen Euro. Es liegt eher eine generelle Stärke des Dollar vor. Der Grund liegt im steigenden Ölpreis durch den Irankonflikt, der die Nachfrage nach Dollar steigen lässt und diesen somit gegenüber anderen Währungen stärkt.
sothebys22 06.08.2019
5. Wie lange werden sich die Amerikaner...
...Gefallen lassen dass Ihr President so mit ihren Renteneinlagen und Ersparnissen, die meist in Aktien angelegt sind, unkontrolliert spielt. Diese Börsenkrise gibt nicht die Realität wieder sondern die reine Angst vor Trumps one man Entscheidungen. Ich denke die Rep Partei wird hier reagieren , handeln müssen. Hier geht es nicht um ein paar rassistische Sprüche oder Tote in Grenzstädten , hier gehts ins Portmonee der Wähler und Lobbyisten
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