Handelsstreit Chinas Währung auf tiefstem Stand seit 2008

Der Wert des Yuan gegenüber dem Dollar ist so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. Die USA werfen dem Land vor, sich damit Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

Chinesische Yuan
ROMAN PILIPEY / EPA-EFE / REX

Chinesische Yuan


Die chinesische Währung Yuan hat zum Wochenauftakt starke Verluste verbucht. Erstmals seit 2008 kostete ein Dollar wieder mehr als sieben Yuan. Diese Marke galt unter Experten lange Zeit als "rote Linie", die die chinesische Notenbank nicht überschreiten werde.

Der Yuan-Kurs bewegt sich nicht gänzlich frei nach Marktkräften, sondern wird von Chinas Notenbank beeinflusst. Diese sprach mit Blick auf die Abwertung von protektionistischen Tendenzen, was als Umschreibung für den Handelsstreit mit den USA gelten kann.

Die Sieben-Yuan-Marke wurde nur wenige Tage nach der Ankündigung neuer Strafzölle durch US-Präsident Donald Trump überschritten. Chinesische Waren im Wert von 300 Milliarden Dollar sollen mit zehn Prozent besteuert werden. Trump hatte dies auch damit begründet, dass China nicht - wie eigentlich zugesagt - mehr Agrarprodukte aus den USA kaufe.

China hatte Gegenmaßnahmen angekündigt. Commerzbank-Experte Hao Zhou sagte, dass die zentrale Frage nun sei, ob China seine Währung zur Waffe im Handelskrieg machen wolle. Die Volksrepublik bestreitet das: China strebe keinen Abwertungswettlauf an und werde den Yuan auch nicht als Instrument in einem Handelsstreit einsetzen, teilte der Gouverneur der Notenbank, Yi Gang schriftlich mit.

Börsen reagieren deutlich auf Abwertung

US-Präsident Trump warf China auf Twitter dennoch "Währungsmanipulation" vor. Er hatte China zusammen mit Europa in den vergangenen Wochen bereits mehrfach beschuldigt, die eigene Währung abzuwerten, um sich Vorteile im internationalen Wettbewerb zu verschaffen. "Das ist ein gravierender Verstoß, der China im Laufe der Zeit stark schwächen wird", schrieb er, ohne Gründe zu nennen.

Die Börsen reagierten entsprechend. Der Dax verlor im frühen Handel mehr als ein Prozent und erreichte den tiefsten Stand seit Anfang Juni. Vergangene Woche war der deutsche Leitindex nach der Ankündigung der neuen Strafzölle gegen China um 4,4 Prozent abgesackt - so stark wie seit Oktober 2018 nicht mehr. Auch der EuroStoxx 50, der die größten Unternehmen der Eurozone abbildet und als Leitindex der europäischen Werte gilt, büßte deutlich mehr als ein Prozent ein.

kko/dpa-AFX/dpa



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
andre_sokolew 05.08.2019
1. Das kommt davon ...
Natürlich hat jede Medaille zwei Seiten. Natürlich kann es sein, dass China bisher den Yuan eher gestützt hat und nun nicht mehr dazu bereit ist, wie manche Experten behaupten. Natürlich ist es auch so, dass der neue Kurs einfach die tatsächliche Parität zum Dollar besser widerspiegelt, weil der Handel schwieriger geworden ist, weshalb das so ist, wissen wir auch. Zu intervenieren, um die eigene Währung abzuwerten, will gut überlegt sein, weil dadurch sämtliche Importe teurer werden, was die Chinesen bei bestimmten Produkten im Laden sehr bald spüren werden und bei weiteren Produkten wegen importierter Rohstoffe eben etwas später. Aber im "Handelskrieg" ist genau das gewünscht, denn es erhöht die Einfuhr-Schwelle effektiver als Zölle und verbilligt die Exporte, hebt damit die US-Strafzölle zu einem (wenn auch geringen) Teil wieder auf. Die Asymmetrie der Warenströme ist für diesen Effekt auf Chinas Seite. China kann an dieser Schraube noch weiter drehen. Das kann noch hart werden, denn natürlich sind auch deutsche Exporte betroffen. Am Ende haben wir auf beiden Seiten und dazu noch rundherum nur Verlierer.
thequickeningishappening 05.08.2019
2. Politisches Signal:"The Gloves are off"
Und Die Maerkte haben es verstanden. Die "Rote Line" ( 1 - 7 ) wurde bewusst ueberschritten. Gleichzeitig wurden 28 Mrd Aufträge an US Farmen (ge) canceled. Tit for Tat from now on. Alle Boersianer sitzen vor Der Glotze und warten auf Den naechsten Twitter von Trump.
hannesmann 05.08.2019
3.
Was soll die Aufregung. Macht doch die BoJ, die EZB, die SNB und diverse andere auch seit Jahren. Alle versuchen doch ihre Überproduktion in den USA abzusetzen und sich möglichst vor Importen zu schützen.
teijin 05.08.2019
4. Man wird sehen, was daraus wird.
Der Nachteil der Yuanabwertung ist, dass dies alle Abnehmer chinesischer waren trifft. Mithin werden die anderen Länder sich zur Wehr setzen und damit die Politik Trumps eher unterstützen als sich mit China zu solidarisieren. Ein weiterer Punkt ist, dass die Banken in China auf Unmengen an faulen Krediten sitzen. Kann schnell passieren das dies einen finanziellen Tsunami in China auslöst, sobald zurückgehende Exporte oder Gewinne die ersten großen Zombie-Unternehmen in die endgültige Insolvenz treiben. Dann erst wird es wirklich spannend. "System Change" in China? Die ersten Zeichen sind nicht zu übersehen, auch wenn sie noch mit brutaler Gewalt nieder gehalten werden. Frage ist, wie lange noch?
123rumpel123 05.08.2019
5. xxx
Zitat von andre_sokolewNatürlich hat jede Medaille zwei Seiten. Natürlich kann es sein, dass China bisher den Yuan eher gestützt hat und nun nicht mehr dazu bereit ist, wie manche Experten behaupten. Natürlich ist es auch so, dass der neue Kurs einfach die tatsächliche Parität zum Dollar besser widerspiegelt, weil der Handel schwieriger geworden ist, weshalb das so ist, wissen wir auch. Zu intervenieren, um die eigene Währung abzuwerten, will gut überlegt sein, weil dadurch sämtliche Importe teurer werden, was die Chinesen bei bestimmten Produkten im Laden sehr bald spüren werden und bei weiteren Produkten wegen importierter Rohstoffe eben etwas später. Aber im "Handelskrieg" ist genau das gewünscht, denn es erhöht die Einfuhr-Schwelle effektiver als Zölle und verbilligt die Exporte, hebt damit die US-Strafzölle zu einem (wenn auch geringen) Teil wieder auf. Die Asymmetrie der Warenströme ist für diesen Effekt auf Chinas Seite. China kann an dieser Schraube noch weiter drehen. Das kann noch hart werden, denn natürlich sind auch deutsche Exporte betroffen. Am Ende haben wir auf beiden Seiten und dazu noch rundherum nur Verlierer.
Chinesische US-Importe verbilligen sich für den US-Konsumenten. Importe in China verteuern sich, vor allem für benötigte US-Technologie und Rohstoffe. Ob sich die angenommene Asymetrie für die Chinesen rechnet, hängt ja wohl davon ab, ob die US-Zölle nicht weiter angehoben werden. Das die Spirale weitergeht ist klar, für die Demokraten und Republikaner ist es ein Systemkampf, der mit allen Mitteln ausgefochten werden wird. Und wie verletzlich China hinsichtlich benötigter US-Technologie ist , haben wir schon mehrfach erlebt. Das Einzige was man jetzt durch diese chinesische Aktion als gesichert ansehen kann ist, dass der Beschäftigungsdruck höher ist als bisher angenommen, und die chinesische Aktion eher einer Verzweifelungstat ähnelt. Poker geht anders.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.