Nach neuen Zöllen Deutsche Industrie warnt vor weiterer Eskalation in Handelskonflikten

Die USA und China überziehen im Handelsstreit einander mit immer neuen Zöllen. Die deutsche Industrie hat sich deshalb besorgt geäußert - und auch unter US-Farmern wächst offenbar Kritik.

Container-Umschlag im Hafen von Savannah in den USA
DPA

Container-Umschlag im Hafen von Savannah in den USA


Der Handelskrieg zwischen China und den USA treffe bereits europäische Konzerne, die Produktionsstätten in einem der beiden Länder haben: Im Konflikt zwischen den zwei weltweit größten Volkswirtschaften hat die deutsche Industrie vor einer weiteren Eskalation gewarnt.

"Der anhaltende Konfrontationskurs zwischen den USA und China gefährdet die Weltwirtschaft massiv", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Joachim Lang. Der Handelskonflikt wirke sich umso stärker auf die Weltkonjunktur aus, je länger er dauere. "Unternehmen investieren nicht, wenn unklar ist, ob ihre Geschäfte bald durch Zölle unterbrochen werden."

Nach der Erhöhung der US-Zölle auf China-Waren vergangenen Freitag hatte Peking seinerseits Sonderabgaben auf US-Produkte angekündigt. Die Bundesregierung und führende Wirtschaftsforscher haben ihre Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum in diesem Jahr bereits deutlich gesenkt. Ein Hauptgrund sind Unsicherheiten wegen Handelskonflikten. Das belastet die exportstarke deutsche Wirtschaft. Auch der Streit zwischen den USA und der EU ist weiter nicht beigelegt - allerdings hofft Brüssel angesichts der angedrohten Autozölle auf eine Gnadenfrist, solange noch verhandelt wird.

Trump will mit Xi reden

Diese Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump stößt offenbar auch unter Landwirten in den USA auf Widerstand. "Farmer waren seine Basis. Sie halfen, ihn zum Präsidenten zu machen. Jetzt, wo sie ihn am dringendsten benötigen, wendet er sich von ihnen ab", sagte John Wesley Boyd Jr., der im US-Staat Virginia Sojabohnen anbaut, dem Sender CNN. Seit fast einem Jahr, so der Bericht, gelte für US-Produkte wie Soja in China ein Abgabensatz von 25 Prozent. Und: Auch wenn bislang keine neuen Zölle direkt auf Agrarprodukte fällig würden, so gehe mit ihnen ein Preisverfall einher, hieß es. Viele Bauern seien verunsichert.

Unterdessen schlägt Trump nach der jüngsten Eskalation wieder moderatere Töne an. Er sei optimistisch, doch noch eine Lösung zu finden und peile ein Treffen mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping auf dem G20-Gipfel Ende Juni in Japan an. "Vielleicht passiert etwas. (...) Ich denke, wahrscheinlich wird es ein sehr fruchtbares Treffen", sagte Trump. Wenig später sagte er bei einem Dinner im Weißen Haus, in "drei oder vier Wochen" sollte feststehen, ob die Reise der Handelsdelegation nach Peking vor zwei Wochen etwas gebracht habe. "Aber ich habe das Gefühl, dass es sehr erfolgreich sein wird."

Donald Trump beim Dinner im Weißen Haus: "Vielleicht passiert etwas"
REUTERS/Leah Millis

Donald Trump beim Dinner im Weißen Haus: "Vielleicht passiert etwas"

Chinas Außenminister Wang Yi sagte laut seinem Büro auf einer Russland-Reise, die Unterhändler beider Staaten verfügten über "die Fähigkeit und die Weisheit", auf "vernünftige Forderungen" des jeweils anderen einzugehen und "am Ende eine für beide Seiten vorteilhafte Win-win-Vereinbarung zu erzielen".

BDI: "Wirtschaftlich wird kein beteiligtes Land profitieren"

Wie genau eine Win-win-Situation in diesem Streit aussehen kann, ist derzeit mehr als fraglich. Die Verhängung von Zöllen und Gegenzöllen beweise, wie schädlich Zollspiralen für Verbraucher und Unternehmen seien, sagte BDI-Chef Lang. Die schnelle Antwort drohe die kontraproduktive Entwicklung weiter zu beschleunigen. China und die USA seien wichtige Märkte auch für deutsche Unternehmen. "Wirtschaftlich wird kein beteiligtes Land von einem Handelskonflikt profitieren. Nationale Alleingänge und Zölle sind falsch."

Nach der jüngsten Eskalation zwischen den USA und China brachen bereits die Kurse an den US-Börsen ein. Der Dow Jones und der S&P 500, ein Index der 500 größten US-Konzerne, verzeichnen jeweils den schlechtesten Mai seit 1973.

Die angedrohten US-Zölle auf Fahrzeuge und Fahrzeugteile könnten ein weiteres erhebliches Risiko für die Weltwirtschaft werden, sagte BDI-Chef Lang. "Zölle unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit schaden den USA und ihren Nato-Verbündeten. Dies hat weder sicherheitspolitisch noch wirtschaftspolitisch Sinn."

Wie beim Handelsstreit mit China stört sich Trump im Konflikt mit der EU vor allem am Exportüberschuss der EU-Länder gegenüber den USA, den Trump für ungerecht und gefährlich für die Sicherheit seines Landes hält. Auf Stahl- und Aluminiumimporte ließ er deswegen bereits Sonderzölle einführen, worauf die EU mit Vergeltungszöllen auf US-Produkte reagierte.

apr/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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Annalu 14.05.2019
1. Die deutsche Industrie sollte doch froh sein.
Trump nimmt die US-Industrie als Wettbewerber aus den Weltmärkten. Keiner, der nicht unter US-Wirtschaftsdiktat gelangen möchte, wird noch bei Amerikanern kaufen. Das betrifft insbesondere auch die Agrarprodukte. Die Maßnahmen dieses ökonomischen Trampels treffen in erster Linie den US-Verbraucher (höhere Preise und deshalb höhere Inflation) und die Industrie, die unter einen weltweiten Bann gerät. Es ist doch zu hoffen, dass die Führungskräfte der deutschen Industrie in der Lage sein werden, in der Bearbeitung der Märkte flexibel zu reagieren. Statt in das allgemeine deutsche Jammern zu verfallen. Marktveränderungen bieten immer Chancen für den, der zukunftsbewusst reagiert. Der den Deutschen anerzogene US-Zentriertheit als Ideologie sollten doch aufgeklärte Manager nicht frönen. Dieses "Leiden" sieht man wieder in dem Einbruch im Handel mit dem Iran, wo die deutsche Wirtschaft als US-Untertan reagierte. Die USA ist mit ihren 400 Mio. Konsumenten nicht das Zentrum der Welt mit den 8.000 Mio. Verbrauchern. Ein Markt unter vielen.
meinerseits 14.05.2019
2. Realität
Sie sollten vielleicht in Erwägung ziehen, bei einer Kirche vorzusprechen, um vielleicht die eine oder andere Gelegenheit zu haben, vor nickenden und/oder einnickenden älteren Damen und Herren zu predigen. 1. Wirtschaftsdiktat: Realität ist, dass alle sich dem Diktat der Gier und des Besitzes unterordnen. 2. Preise und weltweiter "Bann": siehe 1. 3. Zukunft: Siehe 1. 4. Aber sie ist der Meister, siehe 1.
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