Studie zum Handelsstreit Eurozone würde Eskalation besser verkraften als die USA

Der von den USA angezettelte Handelskonflikt stellt laut Untersuchung der EZB bisher nur ein moderates Risiko für die Wirtschaften in der Eurozone dar. Der Welthandel könnte aber empfindlich getroffen werden.

Containerhafen im chinesischen Qingdao
DPA

Containerhafen im chinesischen Qingdao


US-Präsident Donald Trump droht im Handelsstreit mit weiteren Zöllen gegen die EU - zuletzt nach einem Gewinneinbruch bei Harley Davidson. Eine Untersuchung der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigt: Die Eurozone könnte selbst bei einer Eskalation des US-Handelskonflikts noch vergleichsweise glimpflich davon kommen.

Während die US-Wirtschaft nach einem Jahr deutlich an Wirtschaftsleistung einbüßen würde, wäre der Dämpfer für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Euroländer eher geringer. Grund: Die Eurozone könnte Exporte in die USA leichter durch Ausfuhren in andere Länder ausgleichen.

Das Wirtschaftswachstum der Eurozone könnte laut der Studie durch direkte Effekte in einem Jahr um 0,5 Prozent geschmälert werden. In den USA könnte durch eine Eskalation des Konfliktes der BIP-Effekt dagegen bei 1,5 Prozent liegen. Insgesamt wäre aber der Welthandel bei einer Eskalation laut Studie empfindlich getroffen: Hier lägen die Einbußen bei mehr als 2,5 Prozent.

Warnung vor Verschärfung der Handelskonflikte

Die EZB-Simulation geht davon aus, dass die USA Sonderzölle von zehn Prozent auf alle Importe verhängen und die Länder darauf mit Vergeltungsmaßnahmen in gleicher Höhe antworten. Die EZB hatte einige Aspekte dieser Simulation bereits im September 2018 veröffentlicht. Das Szenario ist zwar fiktiv. Allerdings wird so die Annahme Trumps, dass die USA in jedem Fall von einem Handelsstreit profitieren, infrage gestellt.

Ob das Wachstum in der Eurozone im zweiten Halbjahr zurückkommt, hängt aus Sicht von EZB-Direktor Benoit Coeure entscheidend davon ab, ob sich im Handelsstreit Lösungen abzeichnen.

Die EZB warnte vor einer Verschärfung der Handelskonflikte. Die negativen Auswirkungen könnten durch erhöhten Stress an den Finanzmärkten und einen Verlust an Vertrauen verstärkt werden.

Die USA hatten 2018 gegenüber einer Reihe von Handelspartnern Sonderzölle eingeführt, die Gegenreaktionen nach sich zogen. Zugespitzt hat sich besonders der Konflikt mit China. Seit Monaten verhandeln beide Seiten über eine Lösung in dem Konflikt. Die nächste Runde der Gespräche soll am 30. April beginnen.

Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) gehört der Handelsstreit zu den größten Risiken für die globale Konjunktur. Der Fonds hatte unlängst seine Konjunkturprognose 2019 für die Weltwirtschaft erneut gesenkt.

apr/Reuters/dpa



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bedireel 24.04.2019
1.
In einer Grundsatzanalyse geht die „Financial Times“ auf einer Doppelseite mit der deutschen Politik hart ins Gericht und hält Außenminister und Kanzlerin den Spiegel der Wirklichkeit vor: 1,Mit wachsender Verzweiflung beobachtet Berlin, wie sich Freunde in Feinde und alte Gewissheiten in Zweifel verwandeln. 2,Frau Merkel hat nicht einmal versucht, die deutschen Wähler davon zu überzeugen, dass ihr Dasein am Rande der Weltpolitik ein Ende haben muss. 3, Die Fixsterne, die seit Generationen die deutsche Außenpolitik bestimmen, beginnen zu verglühen. Deutschland verweigert sich dem geostrategischen Dialog; exakt darauf weist uns die britische Finanzzeitung hin. Angela Merkel und Heiko Maas leben in der außenpolitischen Welt von Konrad Adenauer und Willy Brandt. Das neue Denken, von dem keiner weiß, wohin es führt, wird genau deshalb unterlassen. Die deutsche Außenpolitik ist nicht links oder rechts, sondern risikoscheu und damit erstarrt. Die deutsche Außenpolitik steht vor tief greifenden Herausforderungen. Das Problem: Außenminister Heiko Maas greift aus Prinzip nicht tief, sondern eher flach. Seine Hauptsorge gilt nicht dem Weltfrieden, sondern dem Parteifrieden. Der Sturm, vor dem er sich vor allem fürchtet, ist der Shitstorm. Auch deshalb sagt er am liebsten das Harmlose. Erst kürzlich gründete er mit seinem französischen Amtskollegen trotzig die „Allianz der Multilateralisten“. Dabei ist gerade der Multilateralismus im Zeitalter von Erdoğan, Putin und Trump zerbrochen.Vorbei sind die Zeiten, in denen Deutschland mit seiner Exportindustrie – sanft eingebettet in das Geflecht der internationalen Organisationen und beschützt durch die USA – einfach nur als ziviler Mitläufer zu Wohlstand kommen konnte. Die Realität ist rauer, und das heißt nationalistischer geworden. Wir können weiterhin Putin, Erdoğan, Trump und Orbán als Populisten und Autokraten bezeichnen, aber richtiger wäre es, sie als das zu sehen, was sie sind: Unilateralisten, die aggressiv auf den Vorteil ihrer Nation setzen. M.f.G.
jamguy 24.04.2019
2.
Zitat von bedireelIn einer Grundsatzanalyse geht die „Financial Times“ auf einer Doppelseite mit der deutschen Politik hart ins Gericht und hält Außenminister und Kanzlerin den Spiegel der Wirklichkeit vor: 1,Mit wachsender Verzweiflung beobachtet Berlin, wie sich Freunde in Feinde und alte Gewissheiten in Zweifel verwandeln. 2,Frau Merkel hat nicht einmal versucht, die deutschen Wähler davon zu überzeugen, dass ihr Dasein am Rande der Weltpolitik ein Ende haben muss. 3, Die Fixsterne, die seit Generationen die deutsche Außenpolitik bestimmen, beginnen zu verglühen. Deutschland verweigert sich dem geostrategischen Dialog; exakt darauf weist uns die britische Finanzzeitung hin. Angela Merkel und Heiko Maas leben in der außenpolitischen Welt von Konrad Adenauer und Willy Brandt. Das neue Denken, von dem keiner weiß, wohin es führt, wird genau deshalb unterlassen. Die deutsche Außenpolitik ist nicht links oder rechts, sondern risikoscheu und damit erstarrt. Die deutsche Außenpolitik steht vor tief greifenden Herausforderungen. Das Problem: Außenminister Heiko Maas greift aus Prinzip nicht tief, sondern eher flach. Seine Hauptsorge gilt nicht dem Weltfrieden, sondern dem Parteifrieden. Der Sturm, vor dem er sich vor allem fürchtet, ist der Shitstorm. Auch deshalb sagt er am liebsten das Harmlose. Erst kürzlich gründete er mit seinem französischen Amtskollegen trotzig die „Allianz der Multilateralisten“. Dabei ist gerade der Multilateralismus im Zeitalter von Erdoğan, Putin und Trump zerbrochen.Vorbei sind die Zeiten, in denen Deutschland mit seiner Exportindustrie – sanft eingebettet in das Geflecht der internationalen Organisationen und beschützt durch die USA – einfach nur als ziviler Mitläufer zu Wohlstand kommen konnte. Die Realität ist rauer, und das heißt nationalistischer geworden. Wir können weiterhin Putin, Erdoğan, Trump und Orbán als Populisten und Autokraten bezeichnen, aber richtiger wäre es, sie als das zu sehen, was sie sind: Unilateralisten, die aggressiv auf den Vorteil ihrer Nation setzen. M.f.G.
Amerika first bedeutet letztlich as die EU und Europa first ist und Wirtschaft sollte mit Unseren Werten verknüpft werden und Dnen die nix davon halten den Profit versauen ,die Allianz ist groß genug um eine starke Wirtschaft zu betreiben und besser wenn der Rest wirtschaftlich abhängig bleibt davon.
Normaler Wutbürger 24.04.2019
3. Na klar
Und die amerikanischen Studien sagen es genau andersrum ... .
maxbee 25.04.2019
4.
Wenn die EZB meint, die EU-Exporteure könnten die drohenden Einbussen im Handel mit den USA durch Exporte in andere Länder wettmachen, so ist dies nichts anderes als das bekannte Pfeifen im Walde. Wäre dies so einfach, wie die EZB uns glauben machen will, so hätten die europäischen Exporteure diese Märkte längst mit ihren Waren bedient. Aber offenbar wissen die EZB-Verantwortlichen nicht wie das von ihnen geldpolitisch gesteuerte Wirtschaftssystem funktioniert. Anderenfalls wäre ihnen bekannt, dass eine auf ständiges Wachstum erpichte Exportwirtschaft stets nach neuen Absatzmärkten Ausschau hält und nicht darauf wartet, bis es bei einem der bestehenden zu Problemen kommt. In Wirklichkeit wird die EU-Exportwirtschaft unter einem solchen Handelskrieg mehr leiden als die us-amerikanische. Dies alleine schon deshalb, weil die EU weitaus mehr in die USA exportiert als umgekehrt. Zudem produzieren US-Firmen viel mehr außerhalb der USA als europäische außerhalb der EU und wären deshalb von solchen Zöllen nicht betroffen.
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