Konflikt über Zwangsarbeiter Südkorea streicht Japan Handelsprivilegien

Nach Zeichen der Entspannung spitzt sich der Handelsstreit in Ostasien nun zu: Südkorea reagiert auf Japans verschärfte Exportkontrollen und nimmt das Land von seiner "weißen Liste" der bevorzugten Handelspartner.

Südkoreas Handelsminister Sung Yun Mo gibt Japans Streichung von der "weißen Liste" bekannt
Jin Sung-chul / Yonhap via AP

Südkoreas Handelsminister Sung Yun Mo gibt Japans Streichung von der "weißen Liste" bekannt


Südkorea will Japan seine Handelsprivilegien streichen. Die Regierung werde Japan von der "weißen Liste" der aktuell 29 bevorzugten Handelspartner nehmen, teilte Handelsminister Sung Yun Mo mit. Die Regelung soll demnach im Laufe des Septembers in Kraft treten.

Japan habe bei der Regelung von Exportkontrollen für sensible Materialen gegen internationale Standards verstoßen, sagte der Minister zur Begründung. Details nannte er nicht. Regierungssprecher sagten, sie würden daran arbeiten, den Schaden für südkoreanische Exporteure und den bilateralen Handel gering zu halten.

Südkorea regiert mit der Ankündigung auf einen von Japan begonnenen Handelskonflikt. Die Regierung in Tokio hatte Anfang August angekündigt, ab dem 28. August mit Südkorea erstmals ein Land von seiner "weißen Liste" zu streichen. Darauf stehen mehr als zwei Dutzend Länder, die die geringsten Handelsbeschränkungen genießen, darunter Deutschland, Großbritannien und die USA. Zuvor hatte Japan bereits striktere Exportkontrollen für Materialien zur Chip-Produktion verhängt.

Zuletzt hatte Japan seine harte Haltung jedoch wieder gelockert: Japan gewährte die Exportgenehmigung für bestimmte High-Tech-Bauteile. Die Bauteile sind unter anderem von entscheidender Bedeutung für die Chipherstellung von Samsung.

Streit über Entschädigung von Zwangsarbeitern

Mit der Streichung müssen sich Firmen, die Handel in das jeweils andere Land betreiben, künftig auf mehr Bürokratie einstellen. Für Unternehmen aus Südkorea fallen in Japan beispielsweise Vorzugsbehandlungen oder der einfachere Bezug von Produkten, die für militärische Zwecke benutzt werden können, weg.

Südkoreaner boykottieren seit der angekündigten Streichung Waren aus Japan, unter anderem rufen Schilder in Supermärkten dazu auf. Japanische Unternehmen wie die Modekette Uniqlo oder die Autohersteller Toyota und Honda kämpfen deshalb mit einem Einbruch ihrer Verkäufe. Zwei koreanische Fluggesellschaften kündigten an, ihre Verbindungen nach Japan wegen der geringen Nachfrage zu reduzieren.

Hintergrund der Eskalation ist ein Disput über die Entschädigung koreanischer Zwangsarbeiter während Japans Kolonialherrschaft von 1910 bis 1945. Der Oberste Gerichtshof in Südkorea hatte im vergangenen Jahr in separaten Verfahren Nippon Steel und den Schwerindustriekonzern Mitsubishi Heavy Industries angewiesen, Schadensersatz an ehemalige Zwangsarbeiter zu zahlen. Japan reagierte empört und erklärte, dass bereits 1965 eine Einigung erzielt worden sei.

kko/AP



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