Eskalation im Handelsstreit USA bezichtigen China offiziell der Währungsmanipulation

Der Ton im Handelsdisput wird schriller: Die USA werfen Peking nun direkt vor, die eigene Währung zu manipulieren - mutmaßlich um US-Strafzölle abzufedern. Man werde nun Gegenmaßnahmen ergreifen.

Hafen im chinesischen Qingdao: USA lassen den Konflikt weiter hochkochen
STR/ AFP

Hafen im chinesischen Qingdao: USA lassen den Konflikt weiter hochkochen


Es sieht aus wie die nächste Eskalationsstufe in dem wirtschaftlichen Dauerstreit zwischen Washington und Peking - auch wenn der Schritt zunächst einmal vor allem symbolischen Charakter hat. Die USA haben China formell der Währungsmanipulation bezichtigt. Finanzminister Steven Mnuchin erklärte am Montag (Ortszeit), China sei ein "Währungsmanipulator" und verstoße mit einer bewussten Abwertung der Landeswährung gegen Verpflichtungen als Mitglied der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer.

Minister Mnuchin werde Gespräche mit dem Internationalen Währungsfonds einleiten, um Chinas unfairem Wettbewerbsvorteil entgegenzuwirken, so das Finanzministerium. Der jüngste Schritt der US-Regierung in dem eskalierenden Handelskonflikt dürfte China verärgern, hat aber vorerst wenig konkrete Auswirkungen.

Zuvor war der chinesische Yuan auf den tiefsten Stand seit rund einem Jahrzehnt gesunken: Er überschritt am Montag die symbolische Marke von sieben Yuan pro Dollar. Diese Marke galt unter Experten lange Zeit als vermeintlich "rote Linie", die die chinesische Notenbank nicht überschreiten werde.

Dass sie es jetzt doch zugelassen hat, rief bei Analysten Befürchtungen hervor, China könne den Wechselkurs zur Waffe im Handelskrieg mit den USA nutzen. Ein schwächerer Yuan begünstigt chinesische Exporte und mildert die Folgen von Strafzöllen ab.

Yuan stabilisiert sich wieder etwas

Zur allgemeinen Beruhigung der Lage an den Finanzmärkten legte die chinesische Zentralbank den Mittelkurs des Yuan am Dienstag etwas höher fest. Zudem kündigte sie an, dem Yuan-Markt durch Wertpapierverkäufe Liquidität zu entziehen. Dies dürfte die chinesische Währung ebenfalls stützen.

US-Präsident Donald Trump wirft China immer wieder vor, seine Währung künstlich abzuwerten, um die Wirtschaft zu stärken. Die US-Regierung hatte Peking aber bislang nicht formell der Währungsmanipulation beschuldigt. Es ist der erste Schritt dieser Art der USA gegen Peking seit 1994.

China: Abwertung ist Ergebnis der neuen US-Sanktionen

Die USA und China liefern sich seit über einem Jahr einen Handelsstreit, seitdem überzogen sie sich gegenseitig mit Strafzöllen auf Waren im Handelsumfang von über 360 Milliarden Dollar. Erst in den vergangenen Tagen hatte sich der Konflikt weiter verschärft, als Trump weitere Strafzölle ankündigte.

Der Yuan-Kurs bewegt sich nicht gänzlich frei nach Marktkräften, sondern wird von Chinas Notenbank in Grenzen gesteuert. Dies wirft bei jeder Marktbewegung die Frage auf, inwieweit die Kursbewegung durch die Marktteilnehmer oder durch die Notenbank zustande kam.

Chinas Notenbankchef Yi Gang hatte zwar jüngst erklärt, die Volksrepublik werde sich nicht an einem Abwertungswettlauf beteiligen. Ein chinesischer Regierungsberater erklärte jedoch, Auslöser für die Yuan-Abwertung sei die unerwartete Ankündigung neuer US-Strafzölle durch Trump in der vorigen Woche gewesen. Die Notenbank habe den Schritt schon länger vorbereitet. "Die Verantwortlichkeit liegt auf der Seite der USA", hieß es.

Trump kündigt Zölle an - Peking kauft keine Agrarprodukte mehr

Nach einer ruhigeren Phase in dem Handelskonflikt hatte Trump zuletzt angekündigt, ab dem 1. September Sonderzölle auch auf bisher davon verschonte chinesische Waren im Wert von 300 Milliarden Dollar zu verhängen. China kündigte Gegenmaßnahmen an.

Das Handelsministerium in Peking erklärte nun am Dienstag, chinesische Unternehmen hätten den Kauf von US-Agrarprodukten eingestellt. Zudem würden nachträgliche Zölle auf seit dem 3. August erworbene Erzeugnisse erwogen. Die neue Eskalation in dem Handelskonflikt schürte die Furcht vor einer weltweiten Rezession und drückte die Börsen weltweit zuletzt ins Minus.

Die Wall Street verzeichnete einen der schlechtesten Handelstage des Jahres. Der New Yorker Leitindex Dow Jones Chart zeigen schloss rund drei Prozent niedriger, der Nasdaq-Index verlor fast 3,5 Prozent. Der Dax Chart zeigen hatte am Montag zum Handelsschluss mit 1,8 Prozent im Minus gelegen. Der japanische Nikkei -Index Chart zeigen verlor 0,7 Prozent.

jok/mmq/dpa/Reuters/AFP

insgesamt 45 Beiträge
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raoul2 06.08.2019
1. Henne und Ei?
Die US-Administration folgt einem gefährlichen "Denken", das von einem durchgeknallten Machthaber vorgegeben wird, der auf der Stufe eines Kleinkindes stehengeblieben ist. Das scheint allen klar zu sein - aber niemand unternimmt etwas. Grauenhaft.
MatthiasPaschke 06.08.2019
2. Es wäre eine große Überraschung gewesen...
...,wenn Steven Mnuchin - Trumps Speichellecker - mal etwas anderes sagen würde, als sein "Godfather" Donald Trump. Trumps Regierung besteht mittlerweile nur noch aus ihn selbst bestätigenden Leuten. Widerspruch ist nicht mehr von seinen Regierungsmitgliedern zu erwarten. Ob das wohl mit der Unfähigkeit zum eigenständigen Denken oder mit der Angst um die eigene Stellung zu tun hat???
123rumpel123 06.08.2019
3. Nichts sehen sagen und hören wird jetzt für alle unmöglich
Die Vorgehensweise der USA ist stringent. Nun wird auch noch zusätzlich der offizielle Weg eingeschlagen, was allerdings für die Nationen jetzt auch zum Problem wird, die bislang dezent "weggeschaut" haben, und die Amis die Arbeit alleine überlassen haben: https://www.fuw.ch/article/kein-instanzenzug-zum-fairen-wechselkurswenig/
herbert 06.08.2019
4. Wir werden einen wunderbaren Deal machen alla Kinder morgen
wird es was geben. Trump ist ein Pokerface mit einer Eleganz wie ein Elefant im Porzellanladen. Der weltweite Handel wird fast zum Erleigen kommen, weil Trumps tägliche neue Macken in Form von Drohungen und Zölle fast alles platt macht. Man kann nur sagen: Herr gib ihm Hirn !
bernteone 06.08.2019
5. Handelskrieg
Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln . Hat Trump wirklich gedacht die Chinesen halten still und geben mach ? Das wird kaum passieren und wenn Trump den weiter John Wayne spielt wird er der eigenen Wirtschaft mehr Schaden als er durch die Zölle gewinnt . Verlierer sind die Amerikaner , die Zahlen die Zeche beim Einkauf . Auch wenn durch die Aktion einige Firmen wieder zurück in die USA kommen werden die Produkte ungleich teurer , aber im Augenblick verlegen die Firmen ihre Produktion in andere asiatische Länder . Um das zu verhindern müßte Trump Zoll auf alle importierte Waren erheben , also Handelkrieg mit der ganzen Welt . Viel Glück Mister President
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