Unterstützung in Coronakrise Handelsverband skeptisch gegenüber vorgezogenem Weihnachtsgeld

Um den Einzelhandel in der Corona-Zeit zu stärken, fordern Politiker aus CDU und SPD, das Weihnachtsgeld schon im Oktober auszuzahlen. Der Handelsverband hält die Maßnahme jedoch für unwirksam.
Weihnachtseinkäufe in Köln (Archivbild): Der Handel müsste sich "vor einem hoffentlich vermeidbaren zweiten Lockdown vor Weihnachten nicht ganz so stark fürchten" - so die Logik von Befürwortern für ein vorgezogenes Weihnachtsgeld

Weihnachtseinkäufe in Köln (Archivbild): Der Handel müsste sich "vor einem hoffentlich vermeidbaren zweiten Lockdown vor Weihnachten nicht ganz so stark fürchten" - so die Logik von Befürwortern für ein vorgezogenes Weihnachtsgeld

Foto: Christoph Hardt / imago images/Future Image

Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat auf den Vorschlag, Weihnachtsgeldzahlungen vorzuziehen und damit den Einzelhandel zu stärken, sehr zurückhaltend reagiert. Hauptgeschäftsführer Stefan Genth sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wir begrüßen alle Maßnahmen, die unseren Innenstadteinzelhändlern helfen, durch diese Coronakrise zu kommen. Eine vorgezogene Auszahlung des Weihnachtsgeldes hilft wahrscheinlich den Geschäften in der Innenstadt jedoch nur in sehr geringem Umfang. Leider meiden viele Kunden zurzeit den Einkaufsbummel, weil sie in Corona-Zeiten möglichst wenigen Menschen begegnen wollen."

Zudem sei zurzeit die Sparquote sehr hoch. Viele Verbraucher hielten ihr Geld angesichts unsicherer Zukunftsperspektiven lieber zusammen, so Genth. "Für die in Not geratenen Händler wären deshalb direkte Hilfszahlungen wie mit den staatlichen Überbrückungshilfen, die unbedingt verlängert werden müssen, zielführender."

Einzelhandel soll keine Angst vor zweitem Lockdown haben

Der rheinland-pfälzische CDU-Fraktionschef Christian Baldauf hatte ein vorgezogenes Weihnachtsgeld gefordert: "Wir müssen den Einzelhandel jetzt unterstützen. Deshalb appelliere ich an Firmen, das Weihnachtsgeld schon mit dem Oktobergehalt auszuzahlen", sagt er der "Bild"-Zeitung. Dann könnten viele Menschen ihre Weihnachtseinkäufe schon in den nächsten Wochen erledigen, und der Handel müsste sich dann "vor einem hoffentlich vermeidbaren zweiten Lockdown vor Weihnachten nicht ganz so stark fürchten". Baldauf ist Spitzenkandidat der CDU Rheinland-Pfalz für die Landtagswahl 2021.

Ähnlich äußerte sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post. "Das würde die Lage in den Einkaufszonen im Weihnachtsgeschäft entspannen und wäre eine große Hilfe für den stationären Einzelhandel", sagte er zu vorgezogenen Weihnachtsgeldauszahlungen. FDP-Fraktionsvize Michael Theurer sagte: "Bevor das Ganze bei anonymen Online-Riesen landet, wäre es großartig, wenn die Unternehmen, die trotz Corona noch Weihnachtsgeld zahlen können, dessen Auszahlung vorziehen."

Allerdings würde die Maßnahme nicht alle Bürger betreffen: Nur knapp mehr als die Hälfte der Deutschen (53 Prozent) erhält Weihnachtsgeld. Das hat eine Onlineumfrage mit 140.000 Beteiligten der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ergeben. Dabei gibt es ein Gefälle zwischen Ost und West. Im Westen erhalten 56 Prozent der Beschäftigten einen Zuschuss, im Osten nur 41 Prozent. Unterschiede gibt es auch zwischen den Geschlechtern: Insgesamt bekommen 55 Prozent der Männer und nur 50 Prozent der Frauen Weihnachtsgeld.

rai/dpa
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