Hartz IV Langzeitarbeitslose brauchen häufiger Kredite

Hartz-IV-Bezieher sind für dringende Anschaffungen immer häufiger auf zusätzliche Darlehen angewiesen. Die Anzahl der Kredite stieg in den vergangenen vier Jahren um mehr als 20 Prozent. Die Linke fordert eine Anhebung der Regelsätze.

Arbeitsagentur in Ludwigsburg: Bundesweit 18.700 Darlehen pro Monat - im Schnitt in Höhe von rund 365 Euro
AP

Arbeitsagentur in Ludwigsburg: Bundesweit 18.700 Darlehen pro Monat - im Schnitt in Höhe von rund 365 Euro


Wenn das Arbeitslosengeld II, Hartz IV genannt, nicht reicht, geraten Langzeitarbeitslose schnell in eine Abwärtsspirale. Zehntausende sind jeden Monat auf zusätzliche Darlehen für Waschmaschine, Kühlschrank, Kleidung oder andere Dinge angewiesen.

Im vergangenen Jahr erkannten die Jobcenter pro Monat im Schnitt bei rund 18.700 Hartz-IV-Beziehern einen Anspruch auf ein solches Darlehen an. Das geht aus einer Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervor, über die die Nachrichtenagentur dpa berichtet.

Im Vergleich zum Jahr 2013 mit im Schnitt rund 17.800 Darlehen pro Monat ist die Zahl 2014 um mehr als fünf Prozent gestiegen. Im Jahr 2010 waren es sogar nur 15.500 Kredite pro Monat - seither ist die Zahl demnach um knapp 21 Prozent gestiegen.

Im Durchschnitt bekamen Betroffene im vergangenen Jahr dabei 365 Euro. Im Jahr 2013 waren es noch 341 Euro, 2010 lag der Betrag bei lediglich 259 Euro. 2014 wurden monatlich Darlehen von im Schnitt insgesamt rund 6,8 Millionen Euro gewährt. 2013 waren es rund sechs Millionen, 2010 noch vier Millionen Euro.

Jobcenter räumen Darlehen ein, wenn es einen besonderen, sogenannten unabweisbaren Bedarf zur Sicherung des Lebensunterhaltes gibt. Betroffene müssen eine Notsituation nachweisen. Das gewährte Darlehen muss dann von ihnen getilgt werden, indem monatlich zehn Prozent von der Hartz-IV-Regelleistung abgezogen werden.

Die Linken-Abgeordnete Zimmermann sagte: "Die Menschen müssen auf Darlehen zurückgreifen, da es unmöglich ist, aus der monatlichen Hartz-IV-Regelleistung Rücklagen bilden zu können, um lebensnotwendige Anschaffungen für den Alltag zu tätigen." Die Leistungen müssten unverzüglich angehoben und der Realität angepasst werden, forderte sie. "Durch die steigende Gewährung der Darlehen erbringt das Hartz-IV-System selber den Beweis, dass die Regelleistung prinzipiell viel zu niedrig angesetzt ist."

nck/dpa

insgesamt 83 Beiträge
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Crom 29.04.2015
1.
Die Linke kann auch nur immer reflexartig das gleiche fordern. Wie wäre es mal mit einem anderen Weg, also immer nur mehr Geld?
pommbaer84 29.04.2015
2. Nicht zu niedrig angesetzt!
Hartz IV ist nicht dazu gedacht Rücklagen zu bilden. Es soll ja finanziell der Anreiz vorhanden sein, sich eine Tätigkeit zu suchen. Dass mittlerweile auch nachfolgende Generationen H4 beziehen zeigt, dass Langzeitarbeitslosigkeit nichts ist was man überwiegend unverschuldet erreicht. Wer nicht zur Schule geht, nicht lernt, keinen Abschluss macht und keinen Beruf erlernt hat es eben schwer später einen Job zu finden.
koem 29.04.2015
3. soziale marktwirtschaft
@pommbaer84 @crom sie wissen schon, dass Deutschland nach der SOZIALEN Marktwirtschaft agieren möchte? Ihre Kommentare sind unerträglich!
Vanagas 29.04.2015
4. Wie wäre er denn . . .
Zitat von CromDie Linke kann auch nur immer reflexartig das gleiche fordern. Wie wäre es mal mit einem anderen Weg, also immer nur mehr Geld?
. . . der andere Weg?
ph47112 29.04.2015
5. Es reicht!!
Ein geringer Teil der ALGII Bezieher benötigt ein Darlehen und schon wird mantramäßig FÜR ALLE mehr Geld gefordert!! Meine erste -gebrauchte- Waschmaschine hat 80 DM gekostet, meine erste Wohnung habe ich mir vom Munde abgespart und habe gebrauchte Möbel gekauft. Wenn man das heute in unserem Vollkasko-Sozialstaat von Chantall Kevin und Shanaia fordert organisieren die üblichen Verdächtigen sofort eine Lichterkette quer durch Deutschland!!
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