Berliner Pannenflughafen BER-Aufsichtsrat degradiert Technikchef Amann

BER-Flughafenchef Mehdorn hat den Machtkampf mit seinem Technikchef gewonnen. Am Mittwochabend hat der Aufsichtsrat Horst Amann als Geschäftsführer abgesetzt. Er soll sich jetzt um die Tochtergesellschaft Flughafen Energie und Wasser GmbH kümmern.
BER-Geschäftsführer und Technikchef Horst Amann: Darf sich jetzt um Wasser und Abwasser kümmern

BER-Geschäftsführer und Technikchef Horst Amann: Darf sich jetzt um Wasser und Abwasser kümmern

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Berlin - Nach monatelangem Führungsstreit am neuen Hauptstadtflughafen greift der Aufsichtsrat durch. Technikchef Horst Amann verliert seinen Geschäftsführerposten, wie der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Mittwochabend sagte. Er sprach von einer Entscheidung "in gegenseitigem Einvernehmen".

Amann werde künftig hauptamtlich die Geschäftsführung der Tochtergesellschaft Flughafen Energie und Wasser GmbH übernehmen, hieß es. Sie betreibt das Strom-, Wasser-, Abwasser-, Wärme- und Kältenetz der bestehenden Flughäfen Tegel und Schönefeld sowie des neuen Berliner Flughafens. Amanns Bezüge behalten die bisherige Höhe. "Wir wollen, dass dieser Bereich entwickelt wird", entgegnete Wowereit auf die Frage, ob Amann lediglich einen Versorgungsposten erhalten habe.

Wowereit kündigte zugleich an, dass in diesem Jahr kein Starttermin für den Flughafen mehr festgelegt wird. "Wir werden erst dann einen Zeitpunkt bestimmen, wenn wirklich erkennbar ist, dass die Sache so auf dem Weg ist, dass da wirklich nichts mehr schiefgeht."

Der frühere Chefplaner am Frankfurter Flughafen war im Juni 2012 angesichts zahlreicher Probleme beim neuen Hauptstadtflughafen als Technikchef nach Berlin geholt worden, konnte aber weitere Verzögerungen bei der Fertigstellung des Großprojekts nicht verhindern.

Nahezu täglich hatten sich Flughafenchef Hartmut Mehdorn und der geschasste Technik-Geschäftsführer Auseinandersetzungen geliefert. Mehdorn hatte kaum eine Möglichkeit ausgelassen, Amann öffentlich bloßzustellen und ließ kolportieren, dass der Ex-Technikchef lediglich Verwalter der Mängelliste sei. Amann setze alles daran, "das Unternehmen zu diskreditieren", er müsse kurzfristig seinen Posten räumen, hatte er im September von Bürgermeister Wowereit in einem Brief verlangt.

Bereits im Juni hatte Mehdorn vom damaligen Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD) Amanns Entlassung gefordert, weil der seiner Meinung nach nur langwierige Fehleranalysen anstelle und damit die Inbetriebnahme verzögere. Platzeck hatte allerdings abgelehnt, weil er Ruhe bei Personalfragen wolle.

"Aggressivität", "Pflichtverletzungen und Missstände"

Amann wiederum hatte den Ex-Bahn-Chef als Blender kritisiert, der öffentlichkeitswirksame Symbolpolitik betreibe, wie beispielsweise die Teilöffnung des Nordflügels mit etwa zehn Flügen pro Tag. Auch hatte sich Amann über Mehdorns "Aggressivität" beklagt, von "Pflichtverletzungen und Missständen" war die Rede. Die Auseinandersetzung war so weit gegangen, dass bereits Berichte über die vorzeitige Ablösung von Amann die Runde machten.

In einem Brandbrief des degradierten Technikchefs an Bürgermeister Wowereit hatte Amann ihn kurz vor der Bundestagswahl aufgefordert, reinen Tisch zu machen. "Entweder ist meine Tätigkeit und Funktion (wieder) zu stärken oder es sind alternativ in Erfüllung meines Geschäftsführervertrages die Konsequenzen zu veranlassen", hatte Amann am 16. September an den Politiker geschrieben.

Wowereit äußerte sich jetzt enttäuscht, dass ein von Amann genannter Eröffnungstermin kippte - es war der vierte geplatzte Start für den Hauptstadtflughafen. "Natürlich gab es Höhen und Tiefen", sagte Wowereit zur Bilanz des Managers. Er hob hervor, dass Amann in schwieriger Zeit zum Flughafen gekommen sei und mit seiner Bestandsaufnahme der mehr als 60.000 Mängel eine Grundlage für die weiteren Entscheidungen geschaffen habe.

"Wir sehen noch viele Hindernisse"

Der Aufsichtsrat deutete auch an, dass der öffentliche Streit mit Mehdorn zu der Entscheidung beitrug. Dieser hatte Amann vorgeworfen, für ein Jahr Stillstand auf der Baustelle gesorgt zu haben. Eigentlich sollte der Flughafen vor zwei Jahren in Betrieb gehen, Beobachter rechnen nun nicht mehr mit einem Start vor 2015. "Wir sehen noch viele Hindernisse", sagte Wowereit. In wesentlichen Bereichen seien aber Lösungen für die Probleme gefunden, etwa für die komplexe Brandschutzanlage.

Mehdorn hat sich unterdessen bereits auf die Nach-Amann-Ära eingerichtet. Den Posten will er allerdings nicht wieder besetzen. Wowereit bestätigte dies. Voraussichtlich werde Mehdorn einen Großteil von Amanns Aufgaben mit übernehmen.

Das Land Berlin verlängerte am Mittwoch Wowereits Mandat im Aufsichtsrat, das Gremium wählte ihn auch wieder zum stellvertretenden Vorsitzenden. Der Regierende Bürgermeister führt den Aufsichtsrat kommissarisch, seit sich der damalige Brandenburger Regierungschef Matthias Platzeck im August zurückzog.

lei/mik/dpa/AFP