Machtkampf mit Mehdorn BER-Technikchef verfasst Brandbrief an Wowereit

Der Streit unter den Verantwortlichen für den Berliner Flughafen eskaliert: Technik-Geschäftsführer Amann beschwert sich in einem Brief an Bürgermeister Wowereit, BER-Chef Mehdorn habe ihn entmachtet. Nach SPIEGEL-Informationen wird bereits über seine Abfindung verhandelt.
Amann, Mehdorn: "Wahrnehmung der Gesamtverantwortung nicht mehr möglich"

Amann, Mehdorn: "Wahrnehmung der Gesamtverantwortung nicht mehr möglich"

Foto: Patrick Pleul/ picture alliance / dpa

Das dreiseitige Schreiben erreichte Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: Wenige Tage vor der Bundestagswahl fordert Flughafen-Technik-Geschäftsführer Horst Amann, der seit Monaten mit seinem Chef Hartmut Mehdorn im Clinch liegt, den Aufsichtsratschef Wowereit auf, beim Hauptstadtflughafen BER reinen Tisch zu machen.

"Entweder ist meine Tätigkeit und Funktion (wieder) zu stärken oder es sind alternativ in Erfüllung meines Geschäftsführervertrages die Konsequenzen zu veranlassen", schrieb Amann am 16. September an Wowereit. Kopien des Schreibens schickte der Manager an den Vertreter des Bundes im Aufsichtsrat, Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba und die Landesregierung von Brandenburg.

Mit dem Schreiben gerät der Aufsichtsrat und die Flughafen-Gesellschafter, der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg, unter Druck. Sie müssen nun einen Machtkampf entscheiden, den sie über Monate haben eskalieren lassen.

Am Ergebnis besteht kaum noch Zweifel. Amann wird wohl den Kürzeren ziehen und womöglich gegen eine stattliche Abfindung das Feld räumen. Über die Höhe werden offenbar seit zwei Wochen Gespräche geführt, Amann will seinen gesamten Vertrag mit einer Laufzeit von fünf Jahren, so heißt es aus Gesellschafterkreisen, ausgezahlt bekommen. Die Rede ist von 1,4 Millionen Euro. Amann möchte sich dazu auf Anfrage nicht äußern, ein Wowereit-Sprecher sagte, es gebe "keine Verhandlungen über eine Vertragsauflösung".

Bereits im Juni forderte Mehdorn vom damaligen Aufsichtsratschef Matthias Platzeck Amanns Entlassung, weil der seiner Meinung nach nur langwierige Fehleranalysen anstelle und damit die Inbetriebnahme verzögere. Platzeck lehnte ab, er wollte Ruhe bei Personalfragen. Schließlich habe der Flughafen schon genug Probleme, der Brandschutz funktioniert immer noch nicht, ein Eröffnungstermin ist nicht in Sicht.

Mehdorn schon auf Nach-Amann-Ära eingerichtet

Vor der letzten Aufsichtsratssitzung, Ende August, gerieten dann Mehdorn und Amann beim Thema Teileröffnung aneinander. Mehdorn favorisierte einen Probebetrieb am Nordpier ab kommenden Frühjahr mit einer Hand voll Flügen pro Tag. Amann hingegen wollte BER erst nach einem vollständigen Umzug des alten Flughafens Schönefeld zum Teil in Betrieb nehmen. Gegenseitig bezichtigten sie sich der Undurchführbarkeit der Konzepte. Mehdorn setzte sich durch, konnte aber bis heute nicht die notwendigen Unterlagen für die Genehmigung des Umbaus des Nordpiers vorlegen.

Amann fühlte sich bestätigt, hatte aber immer weniger Einfluss. In dem Schreiben an Wowereit beklagte sich der Manager, dass Mehdorn "hervorragende Fachkräfte entlässt und durch unqualifiziertes Personal ersetzt und die Gesellschaft im wachsenden Umfang durch externe Unternehmensberater kostenintensiv begleiten lässt". Er sehe sich in seiner "Handlungsfähigkeit als Geschäftsführer Technik gehindert". Die "Wahrnehmung der Gesamtverantwortung" sei nicht mehr möglich.

Mehdorn hat sich ohnehin schon auf die Nach-Amann-Ära eingerichtet. Den Posten will er, so heißt es in seinem Umfeld, nicht wieder besetzen. Seinen ursprünglichen Plan, Amann durch den Bahn-Baufachmann Hany Azer zu ersetzen, habe er fallengelassen. Die Gehaltsvorstellungen von Azer seien nicht akzeptabel gewesen, sagt ein Vertrauter.

Ohne einen Technik-Geschäftsführer wäre für den Fertigbau des Hauptstadtflughafens dann nur noch Mehdorn verantwortlich. Es wäre wieder eine Ein-Mann-Show wie in den Zeiten nach der Entlassung des früheren Geschäftsführers Rainer Schwarz, als Amann allein am BER herrschte. Doch dieser Zustand sollte, so jedenfalls das Kalkül des Aufsichtsrates, mit der Berufung von Mehdorn beendet werden.