Hauptstadtflughafen Ex-Technikchef Großmann entgeht nur knapp dem Gefängnis

Jochen Großmann bleibt der Gang ins Gefängnis erspart: Das Landgericht Cottbus verhängte gegen den ehemaligen Technikchef des Berliner Skandalflughafens BER ein Jahr auf Bewährung plus 200.000 Euro Geldstrafe.
Terminal des neuen Hauptstadtflughafens: Jetzt auch noch Korruptionsverdacht

Terminal des neuen Hauptstadtflughafens: Jetzt auch noch Korruptionsverdacht

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Berlin - Abschluss im Schnellverfahren: Das zuständige Amtsgericht in Cottbus hat einen Strafbefehl wegen Bestechlichkeit und Betrug gegen Jochen Großmann, den ehemaligen Technikchef des Hauptstadtflughafens, erlassen. Großmann erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und muss 200.000 Euro an das Land Brandenburg überweisen.

Der Strafbefehl sei rechtskräftig, bestätigte Oberstaatsanwalt Frank Winter gegenüber SPIEGEL ONLINE. Großmann hatte vor seiner Berufung zum Technikchef als freier Berater des BER Vorschläge gemacht, wie die Mängel an der Entrauchungsanlage behoben werden könnten. Die Anlage, intern nur "das Monster" genannt, gilt als zentrales Problem für die Fertigstellung des Flughafens. In diesem Zusammenhang habe Großmann eine holländische Ingenieurfirma aufgefordert, ihr Angebot an BER für einen Planungsauftrag um knapp eine halbe Million zu verteuern. Diesen Aufschlag sollte die Firma dann für Planungsaufträge an Großmanns Firmen ausgeben.

Am Ende blieb es beim Versuch, weil die holländische Firma selbst den Flughafen über das Bestechungsangebot informierte und Flughafenchef Hartmut Mehdorn die Staatsanwaltschaft einschaltete, bevor Geld geflossen war. Die Fahnder hatten später bei der Auswertung von Unterlagen und Dateien außerdem festgestellt, dass Großmann bei Abrechnungen auch die Flughafengesellschaft betrogen hatte, und das gleich in mehreren Fällen.

Strafbefehl kommt überraschend

Dass Großmann um eine Anklage herumkommt, ist eine Überraschung. Zum Strafbefehlsverfahren kommt es eigentlich vor allem in minderschweren Fällen, in denen nach Aktenlage entschieden werden kann. Winter zeigte sich dennoch zufrieden mit dem Ergebnis: "Wenn man in Rechnung stellt, dass es beim Versuch blieb und das Verfahren so schnell abgeschlossen werden konnte, ist das Strafmaß in Ordnung", sagte der Oberstaatsanwalt. "Ein ordentliches Strafverfahren hätte viel mehr Zeit in Anspruch genommen, und hätte angesichts der komplizierten Materie kaum ein höheres Strafmaß nach sich gezogen." Der Strafbefehl enthält dagegen die höchste Strafe, die auf diesem Wege verhängt werden kann.

Bis zum Korruptionsskandal genoss Großmann als Unternehmer einen guten Ruf, war Wirtschaftsberater des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich und kam noch im April in Sachsen beim Ranking "Unternehmer des Jahres" auf Platz zwei. Jetzt dürften Großmanns Firmen fürs erste von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen sein. Private Auftraggeber sind hingegen an den Bann nicht gebunden.

Die Staatsanwaltschaft Neuruppin hatte seit Mai gegen Großmann ermittelt, der von Flughafenchef Mehdorn 2013 als "Retter" auf die Baustelle des Hauptstadtflughafens geholt worden war. Mehdorn kündigte Großmann im Sommer fristlos, als die Unregelmäßigkeiten bekannt wurden.

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