Haushalt für 2011 Griechische Regierung will mehr sparen

Griechenland verstärkt seine Anstrengungen zur Bewältigung der Krise: Die Regierung legte den Haushalt für das kommende Jahr vor. Er sieht zusätzliche Einsparungen und Lohnkürzungen in Höhe von fünf Milliarden Euro vor.

Griechischer Finanzminister Papaconstantinou: Zusätzlich fünf Milliarden sparen
REUTERS

Griechischer Finanzminister Papaconstantinou: Zusätzlich fünf Milliarden sparen


Athen - Mit weiteren Haushaltskürzungen in Milliardenhöhe will die griechische Regierung ihr Staatsdefizit in den Griff bekommen. Der am Donnerstag von Finanzminister Giorgos Papaconstantinou vorgelegte Etat für das Jahr 2011 sieht Einsparungen im Umfang von fünf Milliarden Euro vor. Unter anderem werden die Ausgaben für verlustträchtige Staatsbetriebe, für das Gesundheitswesen und für die Verteidigung gekürzt. Die Untergrenze für Verbrauchsteuern wird von 11 auf 13 Prozent angehoben, die Mehrwertsteuer in der wichtigen Tourismusindustrie hingegen auf 6,5 Prozent gesenkt.

Dem Haushalt zufolge wird die Rezession in Griechenland im kommenden Jahr stärker ausfallen als erwartet. Statt 2,6 Prozent wird der Rückgang der Wirtschaft demnach voraussichtlich drei Prozent betragen. Für dieses Jahr wird mit einem Schrumpfen um 4,2 Prozent gerechnet.

Die Europäische Union hatte Anfang der Woche das griechische Haushaltsdefizit für das Jahr 2009 von 13,6 Prozent auf 15,4 Prozent nach oben korrigiert. Für dieses Jahr wird ein Fehlbetrag von 9,4 Prozent erwartet. 2011 will Athen das Defizit auf 7,4 Prozent senken.

Es gilt ein strenges internationales Spardiktat: Der Haushalt wurde in enger Kooperation mit den Kontrolleuren des Internationalen Währungsfonds, der Europäischen Zentralbank und der EU ausgearbeitet.

Zusätzliche Einnahmen sollen durch Privatisierungen etwa bei den Eisenbahnen erzielt werden. Zudem sollen die indirekten Steuern abermals erhöht werden. Zigaretten sollen 20 Cent teurer werden.

Die Regierung schließt nicht mehr aus, dass auch Angestellte des Staates, die keinen Beamtenstatus haben, entlassen werden könnten. Dies träfe etwa Beschäftigte der überwiegend staatlichen Elektrizitätsgesellschaft und Fahrer der staatlichen Busse und Bahnen. Löhne in diesen Unternehmen sollen bis zu 40 Prozent gekürzt werden, berichteten griechische Medien.

Das Parlament soll Mitte Dezember den Haushalt billigen. Die regierenden Sozialisten verfügen über eine Mehrheit von 157 der insgesamt 300 Abgeordneten.

wit/dapd/dpa

insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Sapientia 18.11.2010
1. ....wollen wollen...
Zitat von sysopGriechenland verstärkt seine Anstrengungen zur Bewältigung der Krise: Die Regierung legte den Haushalt für das kommende Jahr vor. Er sieht zusätzliche Einsparungen und Lohnkürzungen in Höhe von fünf Milliarden Euro vor. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,729872,00.html
sie alle, natürlich auch dort, nur können können sie nicht, und daher werden sie bald wieder bei der Bruchpilotin Merkel auf der Matte stehen. Angekündigt haben sie es bereits, indem sie den Deutschen schon mal ein schlechtes Gewissen einreden (erfahrungsgemäß zahlt der Deutsche dann sofort). Fragen Sie irgendeinen Griechen in Deutschland und er wird Ihnen antworten, dass die Deutschen völlig beknackt sind, die Griechen zu unterstützen, weil alle wissen, dass daraus eine never-ending-story erwachsen wird.
johnnygr 18.11.2010
2. Schoener Beitrag zum Thema Arroganz...
Toll, dass sich hier so viele Wirtschafts- und insbesondere Griechenlandexperten tummeln. Ad "koennen sie nicht": Natuerlich verfuegen (vermutlich genetisch bedingt) Griechen nicht die Faehigkeiten der Deutschen. Trotzdem haben Sie im laufenden Jahr das Defizit von 15.4 auf 9.4 % Prozent gebracht. Ich stimme Ihnen insofern zu, als dass die griechischen Probleme an einer fehlenden exportorientierten Wirtschaft liegen, und damit struktureller Natur. Ad "auf der Matte stehen": Frau Merkel und ihre Landsleute sollten nicht vergessen, dass der Wohlstand Deutschlands auf dem Export beruht. Dieser impliziert einen Import seitens anderer Laender, eines davon ist Gr. (Als ausgewiesener Gr.experte, werden sie sicher wissen, dass pro Kopf Gr. einer der groessten Importeure deutscher Autos ist.) Ad "schlechtes Gewissen machen": Sie scheint das ja nicht sonderlich beruehrt zu haben. Ich vermute, Frau Merkel auch nicht. Auch wenn Gr. von Deutschland beliehen wird, sollte man meinen, dass es noch seine Meinung sagen kann. Ich vermute, das sehen sie anders, aber das waere bei einer anderen Lage der Wirtschaft Griechenlands auch nicht anders. Schoene Gruesse an Ihre griechischen Freunde. Sie sollten Ihren Erhebungen evtl. auf einer groesseren statistischen Basis stuetzen.
vlscout 18.11.2010
3. Unausweichliche Rosskur
Lohnkürzungen von "bis zu" 40 Prozent, gleichzeitig Mehrwertsteuern weiter rauf, die Wirtschaft schrumpft sowohl 2010 und 2011 um 5 Prozent... das ist schon eine Rosskur für die Griechen. Aber unausweichlich. Der Boom vorher, bezahlt von EU-Subventionen und hemmungsloser Verschuldung (zu historisch niedrigen Zinsen, die sogenannte "Euro-Dividende" für Griechenland), war das unnormale, die Krise jetzt ist nur die Rückkehr auf den Boden der Tatsachen. Fraglich ist nur, ob innerhalb Griechenlands die Lasten fair verteilt werden. Verstehe nicht, warum die zahlreichen, überbezahlten, quasi parasitären Beamten von dem neuen Sparpaket offenbar ausgenommen werden. Hier übrigens ein sehr guter Artikel über Griechenland von Michael Lewis (Liar's Poker) in Vanity Fair: http://www.vanityfair.com/business/features/2010/10/greeks-bearing-bonds-201010
ostrakon 19.11.2010
4. Beamte
Zitat von vlscoutLohnkürzungen von "bis zu" 40 Prozent, gleichzeitig Mehrwertsteuern weiter rauf, die Wirtschaft schrumpft sowohl 2010 und 2011 um 5 Prozent... das ist schon eine Rosskur für die Griechen. Aber unausweichlich. Der Boom vorher, bezahlt von EU-Subventionen und hemmungsloser Verschuldung (zu historisch niedrigen Zinsen, die sogenannte "Euro-Dividende" für Griechenland), war das unnormale, die Krise jetzt ist nur die Rückkehr auf den Boden der Tatsachen. Fraglich ist nur, ob innerhalb Griechenlands die Lasten fair verteilt werden. Verstehe nicht, warum die zahlreichen, überbezahlten, quasi parasitären Beamten von dem neuen Sparpaket offenbar ausgenommen werden. Hier übrigens ein sehr guter Artikel über Griechenland von Michael Lewis (Liar's Poker) in Vanity Fair: http://www.vanityfair.com/business/features/2010/10/greeks-bearing-bonds-201010
Die wurden doch zuallererst zur Kasse gebeten (schon im Mai). Und "überbezahlt" würde ich die meisten davon auch nicht nennen (so um die 1.500 nach 20 Dienstjahren mit Hochschulabschluss). Es sind zu viele und sie sind zu unproduktiv (oftmals auch inkompetent), das ist das Problem.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.