Hilfe für die Euro-Zone Norwegen verdoppelt Krisenkredit für IWF

Die USA haben bereits abgewinkt, die Briten haben große Vorbehalte. Norwegen hingegen will dem Internationalen Währungsfonds in großem Stil Geld für die Stabilisierung der Euro-Zone zur Verfügung stellen. Die Regierung verdoppelt ihre Kreditzusage - auch aus Sorge um die Handelsbeziehungen.

Norwegens Ministerpräsident Stoltenberg: "Sichere Investition"
DPA

Norwegens Ministerpräsident Stoltenberg: "Sichere Investition"


Oslo - Norwegen gehört nicht zur Euro-Zone, das Land ist noch nicht einmal Mitglied der EU. Doch im Kampf gegen die europäische Schuldenkrise greifen die Norweger nun tiefer als ursprünglich angekündigt in die Tasche. Die Kreditzusagen an den Internationalen Währungsfonds (IWF) würden auf bis zu 55 Milliarden Kronen (7,1 Milliarden Euro) verdoppelt, kündigte die Regierung in Oslo an.

Regierungschef Jens Stoltenberg betonte allerdings, dass es sich bei der Summe nicht um Hilfen, sondern um einen Kredit handele. "Der IWF ist eine kreditwürdige Institution, so dass es sich um eine sichere Investition handelt." Die Zusage sei Teil der internationalen Bemühungen, die Finanzkraft des IWF für eine Lösung der Staatsschuldenkrise in Europa zu stärken. Dies sei auch im nationalen Interesse. "Viele von Norwegens Handelspartnern sind in einer schwierigen Lage. Wir haben ein starkes Interesse an international wirtschaftlicher und finanzieller Stabilität."

Auf dem jüngsten EU-Gipfel zur Euro-Rettung hatten sich die Finanzminister des Währungsraums darauf geeinigt, den IWF durch bilaterale Kreditzusagen zu stärken. Damit soll der Fonds in die Lage versetzt werden, angeschlagenen Euro-Staaten im Notfall unter die Arme zu greifen.

Norwegens Staatsfonds ist 400 Milliarden Euro schwer

Eigentlich sollten auf diese Weise insgesamt 200 Milliarden Euro an zusätzlichen Mitteln für den IWF zusammenkommen. Davon sollten die Staaten der Euro-Zone 150 Milliarden Euro aufbringen, 50 Milliarden entfielen laut dem Plan auf EU-Mitglieder, die nicht dem Währungsraum angehören. Die Beteiligung von Nicht-EU-Staaten wie Norwegen ist erwünscht, eine konkrete Zielsumme setzten die Finanzminister dafür aber nicht.

Am Montag hatten die Euro-Finanzminister bei einer Telefonkonferenz eine erste Bilanz gezogen. Die USA erteilten zusätzlichen Krediten an den IWF inzwischen eine klare Absage. Da auch Großbritannien ankündigte , sich vorerst nicht zu beteiligen, beliefen sich die Zusagen zu diesem Zeitpunkt auf insgesamt rund 175 Milliarden Euro.

Bereits in der letzten Finanzkrise 2009 hatte Norwegen dem IWF einen Kredit über 30 Milliarden Kronen gewährt. Das Land verfügt dank seiner Öl- und Gasvorkommen in der Nordsee über einen Staatsfonds mit gut drei Billionen Kronen (knapp 400 Milliarden Euro). Damit sollen Rentenzahlungen für kommende Generationen gesichert werden.

fdi/dpa/Reuters

Mehr zum Thema


zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.