Zypern-Rettung Moskau bezichtigt Euro-Gruppe des Diebstahls

Die Ergebnisse der Einigung zur Zypern-Rettung stoßen in Russland auf harsche Kritik. Premier Medwedew wirft Brüssel Diebstahl vor. Das Staatsfernsehen vergleicht die Zwangsabgabe für Investoren sogar mit der Enteignung der Juden in Nazi-Deutschland.
Kommissionspräsident Barroso, Russen-Premier Medwedew: Bilder der Entfremdung

Kommissionspräsident Barroso, Russen-Premier Medwedew: Bilder der Entfremdung

Foto: YEKATERINA SHTUKINA/ AFP

Das Urteil in Russlands Staatsfernsehen zu Europas Bemühungen um eine Zypern-Rettung fiel vernichtend aus. Die vergangene Woche werde "als eine zerstörerische in die Geschichte der EU eingehen", verkündete Dmitrij Kisseljow im Sender "Rossija" am Sonntagabend. Der Moderator der beliebten Nachrichtensendung "Westi Nedeli" griff die geplante Zwangsabgabe auf Guthaben bei zyprischen Banken scharf an.

Das letzte Mal sei eine Regierung in Westeuropa derart rücksichtslos vorgegangen, als Adolf Hitler die Juden enteignet habe. Die Propaganda der Nazis habe die Gelder der Juden damals als "schmutzig" bezeichnet - genauso diskutiere Europa auch über russische Vermögen auf Zypern. "Die neue Weltordnung wird gegen Russland errichtet, auf Kosten Russlands und auf den Trümmern Russlands", bestätigt ein von der Mittelmeerinsel zugeschalteter Korrespondent.

"Stehlen, was bereits geraubt worden war"

Das Tauziehen um Zyperns Rettung hat Moskau nachhaltig vergrätzt, der Kreml fühlt sich übergangen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso weilte zwar in der vergangenen Woche zu Gesprächen in Moskau. Doch auch Europas zweiter Versuch, Zyperns drohende Banken- und Staatspleite abzuwenden, stößt in Russland auf keine Gegenliebe.

Europa setze auf Zypern die Praxis fort, zu "stehlen, was bereits geraubt worden war", so Premierminister Dmitrij Medwedew. Der Regierungschef spielte damit auf Anlagen russischer Oligarchen auf der Mittelmeerinsel an, die durch eine Zwangsbeteiligung an der Rettung beteiligt werden sollen.

Medwedew wies seinen Vizepremier Igor Schuwalow an, die Situation auf Zypern genau unter die Lupe zu nehmen, um "Folgen für das internationale Finanz- und Währungssystem und unsere Interessen" abschätzen zu können.

Europa hilft Nikosia mit 10 Milliarden Euro. Die Laiki-Bank, das zweitgrößte Geldhaus der Insel, wird abgewickelt. Gläubiger, Anteilseigner und Großkunden mit mehr als 100.000 Euro Einlagen der Bank of Cyprus aber müssen mit herben Verlusten rechnen. In Berichten ist die Rede von bis zu 30 Prozent. Davon dürften auch viele russische Geschäftsleute betroffen sein. So ist der Oligarch Dmitrij Rybolowlew mit mindestens 5 Prozent an der Bank of Cyprus beteiligt.

Hilfsgelder aus dem Kreml

Kritik an Europas Krisenmanagement kam auch von Seiten des ehemaligen Finanzminister Alexej Kudrin. "Die hauptsächliche Verantwortung für die Situation auf Zypern liegt bei der EU und ihren Aufsichtsbehörden", schrieb er beim Kurznachrichtendienst Twitter. Für die geplante Beteiligung von Investoren zeigte Kudrin dagegen Verständnis: "Der Privatsektor muss sich an der Lösung der Probleme beteiligen, sonst verliert er noch mehr".

Unterdessen wurde bekannt, dass der Kreml Nikosia doch mit eigenen Hilfsgeldern unter die Arme greifen könnte. Präsident Wladimir Putin habe die Regierung angewiesen, die Bemühungen der Euro-Gruppe zu unterstützen, sagte Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow.

Geplant ist eine Verlängerung eines russischen 2,5-Milliarden-Euro-Kredits, den Moskau Nikosia bereits 2011 gewährt hatte. "Präsident Putin hält es für möglich, die Anstrengungen des zyprischen Präsidenten und auch der EU-Kommission zu unterstützen", sagte Peskow.

Am Freitag hatte Moskau Verhandlungen mit Zyperns Finanzminister Michalis Sarris noch für ergebnislos beendet erklärt.

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