Teure Hochsee-Anlagen Regierung soll sich über Haftung von Windparks geeinigt haben

Die Regierung hat den Streit um die Kosten für Hochsee-Windparks offenbar beigelegt. Im Falle von Netzproblemen sollen die verantwortlichen Betreiber stärker haften, berichten zwei Nachrichtenagenturen. Schon in der kommenden Woche könnte der Entwurf vom Kabinett abgesegnet werden.

Hochsee-Windpark bei Borkum: Erste Anlage vor deutscher Küste seit 2010 in Betrieb
REUTERS

Hochsee-Windpark bei Borkum: Erste Anlage vor deutscher Küste seit 2010 in Betrieb


Berlin - Die Regierung steht kurz vor einer Einigung im internen Streit um die Kosten für den Ausbau von Hochsee-Windparks in Nord- und Ostsee. Das berichten die Nachrichtenagenturen dpa und Reuters übereinstimmend. Demnach müssen die Verbraucher bei Netzproblemen weniger zahlen als zunächst geplant. Stattdessen sollen die verantwortlichen Netzbetreiber bei Anschluss-Verzögerungen oder einem Stromleitungsausfall mehr haften.

Allerdings werde sich die Beteiligung der Netzbetreiber nur um zehn Millionen Euro auf insgesamt 100 Millionen Euro pro Jahr erhöhen. Der Kompromiss sieht auch vor, bei Ausgleichszahlungen die Kosten breiter zu verteilen. Bislang sollten Verbraucher und Unternehmen mit einem Stromverbrauch bis 100.000 Kilowattstunden (kWh) für jede nicht eingespeiste Kilowattstunde 0,25 Cent bezahlen, Großkunden dagegen nur 0,05 Cent. Diesen ermäßigten Satz soll es nun erst ab einem Verbrauch von einer Million kWh geben.

Ursprünglich hatten sich Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Umweltminister Peter Altmeier (CDU) auf einen Entwurf geeinigt, der die Verbraucher mehr belastete. Danach hätten Netzbetreiber nur dann haften müssen, wenn es zu vorsätzlichen Verzögerungen beim Leitungsanschluss von Windparks kommen würde. In allen anderen Fällen hingegen sollte eine Art Vollkaskoversicherung die Haftung übernehmen - finanziert von den Stromkunden. Für einen Durchschnittshaushalt wären das rund sieben Euro pro Jahr gewesen.

Netzbetreiber macht Regierung für mangelnde Investoren verantwortlich

Mit diesem Plan war Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) jedoch nicht einverstanden und hatte starke Kritik geübt. Es gebe noch erheblichen Klärungsbedarf, so Aigner am Dienstag.

Durch den neuen Kompromiss könne das Kostenrisiko gehandhabt werden, hieß es in Regierungskreisen. Schon am kommenden Mittwoch will das Kabinett den Entwurf beschließen. Die Regierung erhofft sich davon, dass der stockende Ausbau der Hochsee-Windparks in Gang kommt.

Großes Problem ist bislang die Zurückhaltung von privaten Investoren, die kein Kapital für den Netzausbau bereitstellen wollen. Dem niederländischen Netzbetreiber Tennet, der für den Anschluss der Nordsee-Parks verantwortlich ist, fehlen bis 2020 bis zu 15 Milliarden Euro. Das Ziel von 10.000 Megawatt installierter Offshore-Leistung bis 2020 ist wegen der Verzögerungen wahrscheinlich nicht mehr zu schaffen. Aufgrund der Verzögerungen könnte allein im kommenden Jahr eine Schadensersatzsumme von einer Milliarde Euro fällig werden.

Tennet-Chef Lex Hartman machte die Regierung dafür verantwortlich. "Sie hat absurde Vorstellungen, was unsere Rolle in dieser Vision betrifft. Da wird beschlossen, dass immer mehr riesige Windparks vor der Küste gebaut werden", sagte der Niederländer im Interview mit SPIEGEL ONLINE: "Und dann soll eine einzige Firma die dafür nötige Infrastruktur allein finanzieren." Hartman glaubt, dass die Chancen auf Investoren gut stehen, sobald die Bundesregierung sich auf eine Lösung einigt. Das dürfte nun geschehen sein.

max/dpa/Reuters

insgesamt 18 Beiträge
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wolly21 24.08.2012
1. Unbegreiflich!
Zitat von sysopREUTERSDie Regierung hat den Streit um die Kosten für Hochsee-Windparks offenbar beigelegt. Im Falle von Netzproblemen sollen die verantwortlichen Betreiber stärker haften, berichten zwei Nachrichtenagenturen. Schon in der kommenden Woche könnte der Entwurf vom Kabinett abgesegnet werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,851765,00.html
Die Regierung bekommt Anleihen zu 0 bis Negativzinsen. Warum investiert sie selbst nicht zu diesen traumhaften Bedingungen und verkauft - wenn denn schon privatisiert werden muß - die Netze später mit Gewinn?
u.loose 24.08.2012
2. Ändert auch nichts
Dann wird eben die für die Netzbetreiber obligatorische Versicherung bzw. deren Versicherungsprämien im Netzentgelt "versteckt"... Das läuft dann über die starke Regulierung der Netzagentur und da gilt die Vorgaben - 9% Rendite müssen gewährleistet sein.... Die Politik kan sich drehen und wenden wie sie will - die sogenannte Energiewende wird die Kosten den Endverbraucherstroms in ungeahnte Höhen treiben!
kdshp 24.08.2012
3. Titel:Die Regierung
Zitat von sysopREUTERSDie Regierung hat den Streit um die Kosten für Hochsee-Windparks offenbar beigelegt. Im Falle von Netzproblemen sollen die verantwortlichen Betreiber stärker haften, berichten zwei Nachrichtenagenturen. Schon in der kommenden Woche könnte der Entwurf vom Kabinett abgesegnet werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,851765,00.html
Hallo, geht mir noch nicht weit genug mit der haftung und verantwortung der stromkonzerne. ES kann ja nicht sein das man fette gewinne einstreicht die auch über abzocke bei privaten haushalten funktioniert. Nene wenn ein unternehmer fette gewinne macht sollte der staat sich raus halten oder es direkt selber machen und dann verkaufen. 24.08.2012 Einer Expertenanalyse zufolge profitieren die Verbraucher nicht von sinkenden Strompreisen. 2011 seien die Preise im Stromeinkauf an der Börse um 10 bis 20 Prozent gesunken, die für Verbraucher dagegen gestiegen. "Aktuell müsste der Strompreis zwei Cent die Kilowattstunde niedriger liegen, wenn die Versorger die gesunkenen Einkaufspreise der Vergangenheit entsprechend weitergereicht hätten" Preisentwicklung: Haushalte zahlen Millionen Euro zu viel für Strom | Wirtschaft | ZEIT ONLINE (http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-08/strompreis-verbraucher-energiewende)
tommirf 24.08.2012
4. Geschäft
Zitat von sysopREUTERSDie Regierung hat den Streit um die Kosten für Hochsee-Windparks offenbar beigelegt. Im Falle von Netzproblemen sollen die verantwortlichen Betreiber stärker haften, berichten zwei Nachrichtenagenturen. Schon in der kommenden Woche könnte der Entwurf vom Kabinett abgesegnet werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,851765,00.html
Umgerechnet tragen demnach die Stromkunden 80% des Risikos ( natürlich nur die privaten, Industrie-Großkunnden bekommen ja ihren üblichen Rabatt ). Dann sollten eigentlich die Kunden genauso 80% der Erträge bekommen, oder? Das würde den Versorgern und Netzbetreibern natürlich derart an die Substanz gehen, daß sie künftig keinen Profit mehr machen wollen, mit Energie, die sie zum Nulltarif ( Baukosten und Wartung der Anlagen mal außen vor gelassen ). Und übrigens, welches - pardon - Rindvieh - ist eigentlich damals auf die Ideee gekommen, einen lebensnotwendigen Beriech wie die Enegieversorgung zu privatisieren, und dann auch noch die Konzentraion auf vier Riesen nicht zu unzerbinden? Müssen wir eigentlich jeden Mist aus USA kopieren?
Hugo55 24.08.2012
5. ENergiekonzern =/= Netzbetreiber?
Zitat von kdshpHallo, geht mir noch nicht weit genug mit der haftung und verantwortung der stromkonzerne. ES kann ja nicht sein das man fette gewinne einstreicht die auch über abzocke bei privaten haushalten funktioniert. Nene wenn ein unternehmer fette gewinne macht sollte der staat sich raus halten oder es direkt selber machen und dann verkaufen. 24.08.2012 Einer Expertenanalyse zufolge profitieren die Verbraucher nicht von sinkenden Strompreisen. 2011 seien die Preise im Stromeinkauf an der Börse um 10 bis 20 Prozent gesunken, die für Verbraucher dagegen gestiegen. "Aktuell müsste der Strompreis zwei Cent die Kilowattstunde niedriger liegen, wenn die Versorger die gesunkenen Einkaufspreise der Vergangenheit entsprechend weitergereicht hätten" Preisentwicklung: Haushalte zahlen Millionen Euro zu viel für Strom | Wirtschaft | ZEIT ONLINE (http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-08/strompreis-verbraucher-energiewende)
Sie haben immer noch nicht den Unterschied zwischen "Energiekonzern" und Netzbetreiber begriffen. Passen Sie bitte bei Gelegenheit Ihr Weltbild den Realitäten an.
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