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11. August 2011, 12:19 Uhr

Hohe Arbeitslosigkeit

Europas Jugend ohne Zukunft

Schwere Zeiten für die jungen Menschen in der EU: Mehr als 20 Prozent der 15- bis 24-Jährigen haben neuen Zahlen zufolge keinen Job, in Spanien ist inzwischen fast jeder Zweite arbeitslos - und die Aussichten sind alles andere als positiv. Selbst die recht guten Daten aus Deutschland sind trügerisch.

Hamburg - Der 12. August sollte ein Tag der Feier und der Freude sein - der internationale Tag der Jugend an diesem Freitag. Doch gibt es etwas zu feiern? Wohl kaum. Denn für Europas Jugend sieht es wahrlich düster aus, wie neue Zahlen des Statistischen Bundesamts und von Eurostat zeigen: 20,5 Prozent der jungen Menschen von 15 bis 24 Jahren in den 27 Staaten der Europäischen Union sind vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen. Sie haben keinen Job und in vielen Ländern in absehbarer Zeit auch keine Aussicht auf einen.

Besonders dramatisch sieht es in Spanien aus: Dort ist mit rund 46 Prozent fast jeder zweite junge Mensch ohne Arbeit. In Griechenland lag den zuletzt verfügbaren Zahlen aus dem März zufolge die Quote bei 38,5 Prozent. Nicht viel besser die Lage in Irland und Portugal: Hier sind rund 27 Prozent aller jungen Menschen ohne Arbeit.

Die Zahlen sind so erschreckend, weil sie der europäischen Schuldenkrise ein Gesicht geben. Sie zeigen, dass die Krise der Euro-Staaten nicht nur ein Problem für die Finanzminister der Pleiteländer ist, sondern fatale Auswirkungen auf die Bevölkerung hat. Und wie so oft trifft es die Jugend zuerst. In den vergangenen Monaten sind Hunderttausende Jugendliche in Madrid und Athen aus Wut über die Politik und Angst vor der Perspektivlosigkeit auf die Straßen gegangen - auch weil sie die Sparprogramme ihrer Regierungen besonders hart treffen. In London, so scheint es in diesen Tagen, gibt es für diese Generation der Hoffnungslosen kein Halten mehr. Auch wenn es erhebliche Unterschiede zu den Demonstrationen in Südeuropa gibt.

In Großbritannien liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei fast 20 Prozent - und damit quasi auf Durchschnittsniveau. In den Erklärungsansätzen für die Krawalle wird die Jugendarbeitslosigkeit denn auch nur als ein Teilaspekt angeführt. Das Erstaunliche an den Zahlen ist dennoch: Das sind noch rund sechs Prozentpunkte mehr als vor Ausbruch der Wirtschaftskrise im April 2008. In Spanien, Griechenland, Lettland und Litauen hat sich die Quote ebenfalls seit Ende der globalen Rezession kaum erholt und liegt noch jeweils rund 20 Prozentpunkte über dem Niveau aus Zeiten vor der Krise.

Junge in Deutschland stärker von Arbeitslosigkeit bedroht als andere

In Deutschland hatte es im Juli 2009 bei der Jugendarbeitslosigkeit mit 11,5 Prozent einen Höchststand gegeben. Den neuen Daten der Statistiker zufolge lag die Arbeitslosigkeit der Menschen von 15 bis 24 Jahren im Juni bei 9,1 Prozent - und damit an drittniedrigster Stelle innerhalb der EU. Nur in den Niederlanden (7,1 Prozent) und Österreich (8,2 Prozent) lag die Erwerbslosigkeit niedriger.

Doch die relativ guten Zahlen in Deutschland sind trügerisch: Junge Menschen in der Bundesrepublik sind nicht nur häufiger mit Erwerbslosigkeit konfrontiert als die Gesamtbevölkerung. Sie haben auch deutlich öfter eine sogenannte atypische Beschäftigung. Dazu gehören beispielsweise befristete Jobs oder Zeitarbeit.

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