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01. November 2010, 18:20 Uhr

Hohe Kosten

Wirtschaft warnt vor strengen Sicherheitsregeln bei Flügen

Luftfracht wird nach Angaben von Innenminister Thomas de Maizière "relativ wenig" überwacht. Nach dem Fund zweier im Jemen aufgegebener Paketbomben prüft die Bundesregierung deshalb eine Verschärfung  der Kontrollen - die Wirtschaft ist nicht begeistert.

Berlin - Mit einem Verbot sämtlicher Flüge aus dem Jemen hat Deutschland auf die jüngsten Paketbombenfunde reagiert. Eine der Bomben wurde in Großbritannien abgefangen, nachdem sie auf dem Flughafen Köln/Bonn umgeladen worden war. Jetzt prüft die Bundesregierung eine Ausweitung des Verbots für Frachtflüge auch aus anderen Ländern. Außerdem wolle man sich in der Europäischen Union für bessere Kontrollen der Luftfracht einsetzen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Nationale Alleingänge seien nicht sinnvoll. Konkrete Vorschläge soll eine Arbeitsgruppe so schnell wie möglich ausarbeiten.

In deutschen Regierungskreisen hieß es, die Luftfrachtunternehmen müssten wahrscheinlich intensiver die Sendungen überprüfen. Würde Frachtverkehr so wie der Personenverkehr kontrolliert, würde damit der Welthandel verlangsamt, warnte Seibert. Offen war zunächst, ob damit kostspielige Auflagen verbunden sind.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ist sich jedoch sicher: Werden die Auflagen erhöht, steigen die Transportkosten. "Die Sicherheitskontrollen werden bürokratischer und aufwendiger", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Axel Nitschke. "Das kostet Zeit, und Zeit ist Geld." Die Transportbranche werde den höheren Sicherheitsaufwand zu spüren bekommen.

"Wir machen weiter wie bisher"

Auch die Amerikanische Handelskammer (AmCham) warnte vor unsinnigen Konsequenzen, die nur sehr viel Geld kosteten. "Es kann keine völlige Sicherheit geben, sondern nur eine relative Sicherheit", sagte Dierk Müller, Geschäftsführer der AmCham Germany. Er verwies auf die von der US-Regierung 2007 beschlossene Röntgendurchleuchtung aller Schiffscontainer. Dies sei völlig unrealistisch.

Die Frachttochter der Lufthansa sah keinen Grund für ein neues Sicherheitskonzept. "Wir machen mit unseren Maßnahmen weiter wie bisher", sagte der Sicherheitschef von Lufthansa Cargo, Harald Zielinski. Lufthansa Cargo bietet anders als United Parcel Service oder FedEx keine Paketdienstleistungen für Verbraucher an, sondern bedient mit Spediteuren vor allem Industriekunden.

Der Flughafenverband ADV warnte vor voreiligen Schlussfolgerungen. Nach Verbandsangaben wurden im vergangenen Jahr 3,6 Millionen Tonnen Luftfracht auf den 23 internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland umgeschlagen.

wit/Reuters

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