Hohe Kosten Wirtschaft warnt vor strengen Sicherheitsregeln bei Flügen

Luftfracht wird nach Angaben von Innenminister Thomas de Maizière "relativ wenig" überwacht. Nach dem Fund zweier im Jemen aufgegebener Paketbomben prüft die Bundesregierung deshalb eine Verschärfung  der Kontrollen - die Wirtschaft ist nicht begeistert.

Flughafen Köln/Bonn: Eine der Bomben wurde dort umgeladen
dapd

Flughafen Köln/Bonn: Eine der Bomben wurde dort umgeladen


Berlin - Mit einem Verbot sämtlicher Flüge aus dem Jemen hat Deutschland auf die jüngsten Paketbombenfunde reagiert. Eine der Bomben wurde in Großbritannien abgefangen, nachdem sie auf dem Flughafen Köln/Bonn umgeladen worden war. Jetzt prüft die Bundesregierung eine Ausweitung des Verbots für Frachtflüge auch aus anderen Ländern. Außerdem wolle man sich in der Europäischen Union für bessere Kontrollen der Luftfracht einsetzen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Nationale Alleingänge seien nicht sinnvoll. Konkrete Vorschläge soll eine Arbeitsgruppe so schnell wie möglich ausarbeiten.

In deutschen Regierungskreisen hieß es, die Luftfrachtunternehmen müssten wahrscheinlich intensiver die Sendungen überprüfen. Würde Frachtverkehr so wie der Personenverkehr kontrolliert, würde damit der Welthandel verlangsamt, warnte Seibert. Offen war zunächst, ob damit kostspielige Auflagen verbunden sind.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ist sich jedoch sicher: Werden die Auflagen erhöht, steigen die Transportkosten. "Die Sicherheitskontrollen werden bürokratischer und aufwendiger", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Axel Nitschke. "Das kostet Zeit, und Zeit ist Geld." Die Transportbranche werde den höheren Sicherheitsaufwand zu spüren bekommen.

"Wir machen weiter wie bisher"

Auch die Amerikanische Handelskammer (AmCham) warnte vor unsinnigen Konsequenzen, die nur sehr viel Geld kosteten. "Es kann keine völlige Sicherheit geben, sondern nur eine relative Sicherheit", sagte Dierk Müller, Geschäftsführer der AmCham Germany. Er verwies auf die von der US-Regierung 2007 beschlossene Röntgendurchleuchtung aller Schiffscontainer. Dies sei völlig unrealistisch.

Die Frachttochter der Lufthansa sah keinen Grund für ein neues Sicherheitskonzept. "Wir machen mit unseren Maßnahmen weiter wie bisher", sagte der Sicherheitschef von Lufthansa Cargo, Harald Zielinski. Lufthansa Cargo bietet anders als United Parcel Service oder FedEx keine Paketdienstleistungen für Verbraucher an, sondern bedient mit Spediteuren vor allem Industriekunden.

Der Flughafenverband ADV warnte vor voreiligen Schlussfolgerungen. Nach Verbandsangaben wurden im vergangenen Jahr 3,6 Millionen Tonnen Luftfracht auf den 23 internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland umgeschlagen.

wit/Reuters

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genugistgenug 01.11.2010
1. Alles Strategie
Zitat von sysopLuftfracht wird nach Angaben von Innenminister Thomas de Maizière "relativ wenig" überwacht. Nach dem Fund zweier im Jemen aufgegebener Paketbomben prüft die Bundesregierung deshalb eine Verschärfung* der Kontrollen - die Wirtschaft ist nicht begeistert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,726590,00.html
Es ist alles Strategie und kaufmännisch basiert. Wozu Selbstmordattentäter losschicken, Spesen machen lassen, usw. Da sind doch ein paar Pakete billiger. Als Folge werden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht, die Kosten und damit den Schaden tragen die Länder. Damit wird größerer und dauerhafter Schaden erzeugt wie mit einer Explosion. Am Ende haben die Terroristen noch Aktienpakete bei den Scannerunternehmen. De der absehbaren Auftragsflut für Paketscanner sicher entspannt entgegensehen.
Eimsbüttler 01.11.2010
2. Drei Fragezeichen
Zitat von sysopLuftfracht wird nach Angaben von Innenminister Thomas de Maizière "relativ wenig" überwacht. Nach dem Fund zweier im Jemen aufgegebener Paketbomben prüft die Bundesregierung deshalb eine Verschärfung* der Kontrollen - die Wirtschaft ist nicht begeistert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,726590,00.html
http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2010:055:0001:0055:DE:PDF Relativ wenig überwacht? Eigentlich müsste dem Innenminister die EU VO 185/2010 mit den weitreichenden Auswirkungen für Luftfrachtversender doch bekannt sein! Na ja, bei dieser Gurkentruppe in Berlin wundert mich nix.
Lazarus Long 02.11.2010
3. McMillan for NY Governor-because the RENT IS TOO DAMN HIGH!
Zitat von Eimsbüttlerhttp://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2010:055:0001:0055:DE:PDF Relativ wenig überwacht? Eigentlich müsste dem Innenminister die EU VO 185/2010 mit den weitreichenden Auswirkungen für Luftfrachtversender doch bekannt sein! Na ja, bei dieser Gurkentruppe in Berlin wundert mich nix.
Die EG-VO 185/2010 hat KEINERLEI Bedeutung für Versender. Sie gibt lediglich den ausgestaltenden Rahmen durch Durchführung der EG-VO 300/2008 vor, die allerdings für dei Versender von Bedeutung ist. Würden die Bediingungen der 300/2008 eingehalten wäre dies ok. Wird sie nur in der Praxis so gut wie nie. Die sichere Versandkette ist eine Schimäre, da sie weder staatlicherseits hinreichend kontrolliert noch mit hinreichenden Sanktionen belegt ist. ABgesehen davon WURDEN die Terrorpäckchen aus dem Jemen ja kontrolliert und selbst das BKA gesteht zu, dass die zusätzliche Platine und das Nitropenta auch einem ausgebildeten Röntgen-Operator nicht auffallen. Bevor wir also wieder mal über den Notabschuss von Flugzeugen debattieren, fordere ich hiermit die SOFORTVOLLZIEHBARE Notabwahl von Politikern (z.B. De Maiziere & Co) die zuviel Stuss von sich geben ohne sachkundig zu sein.
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