Hohe Mieten und Nebenkosten Wohnen wird zum Schuldenrisiko

Teure Mieten und steigende Nebenkosten könnten immer mehr Haushalte in Zahlungsschwierigkeiten bringen. Schuldnerberater machen Vorschläge, um das Problem zu entschärfen.
Reihenhäuser in Hannover

Reihenhäuser in Hannover

Foto: Julian Stratenschulte/ DPA

Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt beschäftigt auch die Schuldnerberater. Denn sie sehen durch hohe Mieten, plötzliche Kündigungen oder steigende Nebenkosten ein zunehmendes Schuldenrisiko. Selbst Haushalte mit mittleren Einkommen könnten wegen gestiegener Wohnkosten kaum noch Rücklagen bilden für unvorhergesehene Rechnungen oder Reparaturen, warnt die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung.

"Die hohen Wohnkosten selbst sind ein Überschuldungsrisiko", sagte Geschäftsführerin Ines Moers der Nachrichtenagentur dpa. "Und Menschen, die ohnehin Schulden haben, sind ganz besonders benachteiligt."

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung vertritt größtenteils Menschen, die bei gemeinnützigen Schuldnerberatungsstellen in Deutschland arbeiten. Der Fachverband hält ab Mittwoch seine Jahrestagung ab und legt dabei auch Forderungen an Politik und Vermietungsgesellschaften vor.

Unter anderem verlangen die Schuldnerberater, dass die Vergabe von mietpreisgebundenen, staatlich geförderten Sozialwohnungen nicht mehr von der Vorlage einer Auskunft zur Kreditwürdigkeit abhängig gemacht wird. "Das größte Problem für überschuldete Personen auf dem Wohnungsmarkt ist, dass sie nichts mehr bekommen, sobald sie einen negativen Schufa-Eintrag haben", sagte Moers.

Eine Statistik über alle deutschen Haushalte mit Mietschulden gibt es dem Verband zufolge nicht. Doch Umfragen - etwa vom deutschen Caritasverband - zeigen, dass viele Deutsche Sorge vor zu hohen Wohnkosten haben. Vor allem in Ballungsräumen wächst der Unmut der Bevölkerung über steigende Mieten . In Berlin wurde sogar ein Volksbegehren zur Enteignung großer Wohnungskonzerne gestartet.

Jüngste Zahlen deuten auf Entspannung bei Mieten hin

Zuletzt stellte die Berliner Bausenatorin Katrin Lompscher Zahlen vor, die auf eine Entspannung in der Hauptstadt hindeuten. Demnach stiegen die Mieten seit der Vorstellung des letzten Mietspiegels im Jahr 2017 jährlich um durchschnittlich 2,5 Prozent. Damit hat sich die Verteuerung deutlich verlangsamt - zuvor hatte die Steigerungsrate noch bei 4,6 Prozent gelegen.

Der Vergleich mit anderen Städten zeigt aber, dass das Thema die Großstädte noch länger beschäftigen wird. Liegt die durchschnittliche Nettokaltmiete in Berlin laut dem neuen Mietspiegel bei 6,72 Euro pro Quadratmeter, so sind es in München laut Zahlen des Senats 11,69 Euro. In Hamburg sind es 8,44 Euro und damit immer noch 26 Prozent mehr als in Berlin.

Zuletzt hat ein Preisindex zumindest Hoffnung auf Entspannung bei den Mieten gemacht. Laut dem Wohnindex des Forschungsunternehmens F+B sind die Neuvertragsmieten im ersten Quartal erstmals seit 14 Jahren gesunken - teils auch in den Großstädten. Die Experten wiesen aber darauf hin, dass es entscheidend sei, ob diese Entwicklung nur eine Momentaufnahme ist oder sich fortsetzt.

Für potenzielle Käufer gab es dagegen keine positive Nachricht: Denn bei den Kaufpreisen geht es weiter nach oben.

mmq/dpa