Hohe Verluste Bauern fordern Millionen für Ehec-Schäden

Seit wenigen Tagen werden keine neuen Ehec-Fälle mehr gemeldet. Doch deutsche Bauern spüren die Folgen der Seuche noch immer. Die versprochenen Entschädigungen reichen offenbar nicht aus. Manche fordern schon ein zweites Hilfspaket.

Geschredderte Salatköpfe: Verluste in ganz Europa
DPA

Geschredderte Salatköpfe: Verluste in ganz Europa


Berlin - Es hört sich nach viel an, ist aber laut Bauern-Vertretern nur ein Tropfen auf den heißen Stein: Wegen Einbußen durch die Ehec-Epidemie fordern deutsche Landwirte eine Entschädigung in Höhe von 16 Millionen Euro. Die Summe deckt laut Deutschem Bauernverband (DBV) nicht einmal ein Viertel des durch die Ehec-Epidemie entstandenen Schadens ab.

Die Bundesländer hätten dem Bund die Forderungen ihrer Bauern gemeldet, dieser habe die Gesamtsumme an Brüssel weitergeleitet, sagte ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Auch die übrigen EU-Staaten würden nun die Forderungen ihrer Landwirte bei der EU melden. Die EU hatte ihren Bauern insgesamt 210 Millionen Euro Entschädigung in Aussicht gestellt. Frühestens Ende Juli soll das Geld ausgezahlt werden. Wie sich die Summe aufteilt, ist noch unklar.

Auch der europäische Bauern- und Genossenschaftsverband (Copa-Cogeca) ist kritisch: Die versprochenen Entschädigungen reichten nicht aus. Angesichts der andauernden Absatzprobleme müsse "ein zweites Hilfspaket mit einem zusätzlichen Budget" her, sagte der Präsident des Genossenschaftsverbandes.

Wichtige Produkte seien außerdem von Entschädigungen ausgeschlossen, zum Beispiel Rucola und Chinakohl. Bauern konnten Ansprüche nur für bestimmte Salat- und Gemüsesorten anmelden: Gurken, Tomaten, Kopf- und Blattsalat, Endivie, Paprika und Zucchini. Die spanische Regierung fordert auch für Ausfälle bei Melonen und Steinobst Entschädigungen. Zunächst hatten aus Spanien importierte Gurken im Verdacht gestanden, den Darmkeim Ehec zu übertragen. Die Einbußen für spanische Bauern waren deshalb besonders hoch. Sie fordern laut Aguilar Entschädigung in Höhe von 71 Millionen Euro.

An dem lebensbedrohlichen Darmkeim Ehec waren in Deutschland tausende Menschen erkrankt. Mindestens 48 Personen starben nach einer Infektion. Gemüsebauern in ganz Europa hatten durch Ehec enorme Verluste gemacht. Wegen einer möglichen Verunreinigung mit dem aggressiven Darmkeim hatten die deutschen Behörden über mehrere Wochen vor dem Verzehr von bestimmten Gemüsesorten gewarnt.

Der Höhepunkt der Erkrankungen war den Behörden zufolge Mitte Mai erreicht. Seit über einer Woche wurden laut Robert-Koch-Institut keine neuen Erkrankungen mehr gemeldet.

nkk/AFP



insgesamt 54 Beiträge
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caecilia_metella 19.07.2011
1. Man kann
also auch ohne diesen Salat leben. Man vergleiche auch die Existenz des einen mit der Existenz des anderen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,775345,00.html
indiantiger 19.07.2011
2. Wie peinlich
Immer dieser Ruf nach Subventionen und Entschädigungen und was weiß ich nicht alles. Das sind doch keine Unternehmer! Eher wollen die Angestellte des Staates sein. Ich werde jedenfalls in Zukunft sehr genau darauf achten, kein deutsches Gemüse mehr zu kaufen. Bis diese gierigen Gurkenproduzenten, Tomatenproduzenten, Salatproduzenten, die ja alle für Monokulturen sorgen, was gaaar nicht geht, zu Vernunft gekommen sind. Wenn der Verbraucher realisiert, dass er Gierköppe, angefeuert von Funktionären, nicht aushalten muss, wird sich das von selbst regulieren. Genau DAFÜR ist der Markt da.
veremont 19.07.2011
3. Das finde ich irgendwie zu krass...
Zitat von indiantigerImmer dieser Ruf nach Subventionen und Entschädigungen und was weiß ich nicht alles. Das sind doch keine Unternehmer! Eher wollen die Angestellte des Staates sein. Ich werde jedenfalls in Zukunft sehr genau darauf achten, kein deutsches Gemüse mehr zu kaufen. Bis diese gierigen Gurkenproduzenten, Tomatenproduzenten, Salatproduzenten, die ja alle für Monokulturen sorgen, was gaaar nicht geht, zu Vernunft gekommen sind. Wenn der Verbraucher realisiert, dass er Gierköppe, angefeuert von Funktionären, nicht aushalten muss, wird sich das von selbst regulieren. Genau DAFÜR ist der Markt da.
Ach ich weiß nicht, Bauern sind doch keine reichen Leute. Nur die Großen Landwirtschaftsbetriebe die von BWLern geführt werden und eigentlich Industriebetriebe sind, die auch mal tonnenweise Getreide in Silos vom Markt zurückhalten bis der Preis wieder stimmt, die verdienen was. Vielleicht sollten Sie einfach nur noch auf dem Wochenmarkt kaufen von Bauern aus Ihrer Umgebung. Die sind bestimmt nicht gierig, arbeiten hart und bei denen kann man auch mal aufm Hof vorbei schauen wie das da so aussieht.. ;)
jj2 19.07.2011
4. Vollkaskomentalität
Oh je, verklagt doch die Verbraucherministerin persönlich, liebe Bauern, aber lasst uns Steuerzahler in Ruhe, es gibt KEIN GELD mehr. Ich (Steuerzahler) muss für jeden Sch**ss bezahlen. Und dabei verdien ich seit 10 Jahren immer weniger....
der_durden 19.07.2011
5. Nein!
Zitat von sysopSeit wenigen Tagen*werden keine neuen Ehec-Fälle mehr gemeldet. Doch deutsche Bauern spüren die Folgen der Seuche noch immer. Die versprochenen Entschädigungen reichen offenbar nicht aus.*Manche fordern schon ein*zweites Hilfspaket. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,775379,00.html
Teile der Vollkasko-Gesellschaft rufen mal wieder nach Ausschüttung aus dem großen Topf. Dass der große Topf immer kleiner wird schert keinen mehr. Die Landwirtschaft erhält schon genug Subventionen. Sämtliche Unternehmer müssen auch auf eigenen Beinen stehen und Risiken in ihre Rücklagenpolitik einbeziehen. Das Steuerrecht lässt es sogar, m. E. zu, dass solche Rückstellungen Gewinn mildernd angesetzt werden können. Nein, liebe Landwirte. Nicht mit unseren Steuergeldern!
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