Hohes Verlustrisiko Griechenland-Pleite würde Bund mehr kosten als erwartet

Was würde eine Griechenland-Pleite für Deutschland bedeuten? Laut "Financial Times Deutschland" kämen auf den Steuerzahler deutlich höhere Belastungen zu als auf die Banken. Für sie könnte der geplante Anleihentausch sogar extrem lukrativ sein.


Berlin - Eine Griechenland-Insolvenz würde für den deutschen Steuerzahler enorme Verluste bedeuten: Laut "Financial Times Deutschland ("FTD") bürgt der Bund aktuell für Verluste aus Staatsanleihen im Wert von 29 Milliarden Euro.

Darlehen in Höhe von 13,5 Milliarden Euro seien demnach von der Förderbank KfW nach Athen überwiesen worden. Weitere 8,8 Milliarden an griechischen Staatsanleihen lagerten bei der FMS Wertmanagement, der staatlichen Bad Bank der Hypo Real Estate. Dazu kämen noch rund sieben Milliarden Euro an Risiken aus griechischen Papieren, die bei der Bundesbank gelagert sind. Die Banken hingegen würden nur rund zwölf Milliarden Euro an griechischen Papieren halten.

Würde Griechenland im Oktober also insolvent gehen, kämen auf den deutschen Steuerzahler hohe Kosten zu. Bei einem Schuldenerlass von 50 Prozent würde der Bund mit 14 Milliarden Euro bürgen müssen, die Banken lediglich mit sechs Milliarden Euro.

Banken könnten von Anleihentausch profitieren

Ein solcher Schuldenschnitt ist derzeit jedoch heftig umstritten. Bundesbank-Chef Jens Weidmann erklärte jüngst, dass der griechische Staatshaushalt weiterhin große Defizite enthalte. Ein Erlass würde demnach nur kurzfristige Verbesserungen bringen. Wirtschaftsminister Philip Rösler hatte in einem Beitrag in der Welt erklärt, dass es angesichts der Schuldenkrise keine Denkverbote geben dürfe. Auch eine geordnete Insolvenz Griechenlands sei nicht ausgeschlossen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble machten dagegen klar, dass Rösler damit nicht die Position der Bundesregierung vertrete.

Die Beteiligung der Banken am zweiten Griechenland-Hilfspaket gilt als umstritten. Für den Oktober ist ein Anleihentausch zwischen der griechischen Regierung und Gläubiger-Finanzinstituten geplant.

dis/dpa



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