Hohes Wachstum Irland will Rettungsschirm im kommenden Jahr loswerden

Gute Nachrichten vom Musterschüler unter den Euro-Schuldensündern: Irland will bereits 2012 wieder an den Kapitalmarkt zurückkehren und auf die Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm verzichten. Die Wirtschaft des Landes wartet derzeit mit einem rasanten Wachstum auf.

Irlands Regierungschef Kenny: "Bestens positioniert"
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Irlands Regierungschef Kenny: "Bestens positioniert"


Dublin - Der Höhepunkt der irischen Bankenkrise liegt erst ein Jahr zurück, doch die Wirtschaft des Landes läuft bereits wieder auf Hochtouren: Irland will als erster der notleidenden Euro-Staaten den Rettungsschirm verlassen und den Weg zurück an den Kapitalmarkt einschlagen. Die Regierung wolle bereits im kommenden Jahr versuchen, wieder Staatsanleihen auf den Markt zu geben, sagte der irische Premierminister Enda Kenny in einem Interview mit dem Fernsehsender Bloomberg.

Zuvor hatte der irische Regierungschef bei der Eröffnung einer internationalen Wirtschaftskonferenz in Dublin stolz auf die guten Konjunkturdaten hingewiesen. Irlands Wirtschaft habe im zweiten Quartal mit 1,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal das zweitgrößte Wachstum aller 27 EU-Länder gezeigt. Das Euro-Land plant im kommenden Jahr weitere Einsparungen von vier Milliarden Euro, um das Haushaltsdefizit zu senken. Kenny rechnet damit, dass sein Land das Defizitziel von 10,6 Prozent in diesem Jahr unterschreiten wird.

Irland war aufgrund einer im vergangenen Jahrzehnt entstandenen Immobilienblase und eines aufgeblähtem Bankensektors in eine schwere Haushaltskrise geschlittert. Wegen ständig neuer Finanzspritzen für die maroden Banken kletterte das Haushaltsdefizit 2010 auf das Rekordniveau von 32 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Als erstes Land musste die kleine Republik unter den Rettungsschirm von EU und Internationalem Währungsfonds schlüpfen.

Erst im Juli hatte die Rating-Agentur Moody's Irlands Bonität erneut herabgestuft. Nun rechnet Premierminister Kenny schon bald mit einer Hochstufung der Kreditwürdigkeit. Unter allen Staaten der Euro-Zone, die derzeit unter einer hohen Verschuldung leiden, habe sich Irland beispielhaft entwickelt, sagte Kenny Bloomberg. Irland sei "bestens positioniert", um dem Internationalen Währungsfonds als erster Krisenstaat "Goodbye zu sagen".

fdi/dpa-AFX



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