Kassenärzte gegen Homöopathie "Bitte nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft"

Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten von homöopathischen Behandlungen - obwohl deren Wirksamkeit nicht belegt ist. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung findet das fatal: Das Geld werde an anderen Stellen benötigt.
Globuli

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Foto: Ralf Hirschberger/ picture alliance / Ralf Hirschberger/Zentralbild/dpa

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat die Finanzierung von homöopathischen Leistungen durch die Krankenkassen kritisiert. "Wer homöopathische Mittel haben möchte, soll sie auch bekommen, aber bitte nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft", sagte der Vorsitzende des Dachverbandes, Andreas Gassen, der "Rheinischen Post".

Es gebe keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit homöopathischer Verfahren. Deshalb sollten die gesetzlichen Krankenkassen auch grundsätzlich keine Leistungen der Alternativmedizin finanzieren dürfen, auch nicht als freiwillige Satzungsleistung, solange der Nutzen nicht nachgewiesen sei.

Die Kassen sollten ihre Finanzmittel vielmehr in die ambulante Versorgung leiten, "anstatt vor allem aus Marketingzwecken Beitragsgelder für Homöopathie auszugeben".

Vorbild Frankreich?

Der Vorstoß der Kassenärzte, Homöopathie aus den Leistungskatalogen zu werfen, hat auch mit einer Entscheidung in Frankreich zu tun. Dort wurde gerade entschieden, dass Krankenkassen die Kosten nicht mehr übernehmen werden. Das hat das französische Gesundheitsministerium am Dienstag mitgeteilt.

Die derzeitige Erstattung von 30 Prozent der Kosten wird zunächst zum Jahreswechsel auf 15 Prozent abgesenkt. 2021 soll es dann gar keine Kostenübernahme mehr geben. Gesundheitsministerin Agnès Buzyn erklärte, die Übergangsphase solle sowohl den Patienten als auch der Industrie Zeit zur Vorbereitung geben. Der weltweit größte Hersteller homöopathischer Mittel, das Unternehmen Boiron, hat seinen Hauptsitz in Frankreich.

Die französische Gesundheitsbehörde HAS war Ende Juni zu dem Schluss gekommen, dass es keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für eine Wirksamkeit der Homöopathie gebe, um ihre Erstattung durch die öffentliche Krankenkasse zu rechtfertigen.

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beb/Reuters