Kassenärzte gegen Homöopathie "Bitte nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft"

Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten von homöopathischen Behandlungen - obwohl deren Wirksamkeit nicht belegt ist. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung findet das fatal: Das Geld werde an anderen Stellen benötigt.

Globuli
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Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat die Finanzierung von homöopathischen Leistungen durch die Krankenkassen kritisiert. "Wer homöopathische Mittel haben möchte, soll sie auch bekommen, aber bitte nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft", sagte der Vorsitzende des Dachverbandes, Andreas Gassen, der "Rheinischen Post".

Es gebe keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit homöopathischer Verfahren. Deshalb sollten die gesetzlichen Krankenkassen auch grundsätzlich keine Leistungen der Alternativmedizin finanzieren dürfen, auch nicht als freiwillige Satzungsleistung, solange der Nutzen nicht nachgewiesen sei.

Die Kassen sollten ihre Finanzmittel vielmehr in die ambulante Versorgung leiten, "anstatt vor allem aus Marketingzwecken Beitragsgelder für Homöopathie auszugeben".

Vorbild Frankreich?

Der Vorstoß der Kassenärzte, Homöopathie aus den Leistungskatalogen zu werfen, hat auch mit einer Entscheidung in Frankreich zu tun. Dort wurde gerade entschieden, dass Krankenkassen die Kosten nicht mehr übernehmen werden. Das hat das französische Gesundheitsministerium am Dienstag mitgeteilt.

Die derzeitige Erstattung von 30 Prozent der Kosten wird zunächst zum Jahreswechsel auf 15 Prozent abgesenkt. 2021 soll es dann gar keine Kostenübernahme mehr geben. Gesundheitsministerin Agnès Buzyn erklärte, die Übergangsphase solle sowohl den Patienten als auch der Industrie Zeit zur Vorbereitung geben. Der weltweit größte Hersteller homöopathischer Mittel, das Unternehmen Boiron, hat seinen Hauptsitz in Frankreich.

Die französische Gesundheitsbehörde HAS war Ende Juni zu dem Schluss gekommen, dass es keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für eine Wirksamkeit der Homöopathie gebe, um ihre Erstattung durch die öffentliche Krankenkasse zu rechtfertigen.

Im Video: Sagenumwobene Globuli - Das Riesen-Geschäft mit der Homöopathie

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beb/Reuters



insgesamt 317 Beiträge
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carinesophie 11.07.2019
1. Rigoros schädliche Behandlungen verbieten
Für mich ist Österreich vorbildlich, da es z.B. Heilpraktikertum verbietet - zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung. Auch wenn Homöopathie zunächst auch eine ärztliche Disziplin ist, ist sie doch überwiegend schädlich und nachgewiesenermaßen auch unwirksam. Man sollte die Medizin hier deutlich reformieren, besser vor solchen und anderen schädlichen Behandlungen warnen und diese stärker unter Strafe stellen, z.B. wenn ein Patient dadurch stirbt, weil er eine vernünftige Untersuchung, Diagnose und Therapie nicht mehr in einem heilbaren Stadium seiner Krankheit erhält. Man sollte Homöopathie wie Zigaretten und Drogen ächten.
kolappps 11.07.2019
2. Wirksamkeit belegt???
Ich denke, dass bei vielem was die Kassen bezahlen eine Wirksamkeit nicht belegt werden kann. Aber die Lobbyisten können doch jeden anderen unnützen Kram als gesundheitsfördernd teuer verkaufen, wenn sie nur ordentlich dafür gesponsert werden. Wer einmal mit Homöopathie seine Krankheit eindämmen konnte denkt darüber anders. Ich hatte dafür meine Kosten selbst getragen. Aber hier ist es eben wie mit dem Impfen und Rauchen. Die Verbissenen akzeptieren nichts anders.
gewappnetTS 11.07.2019
3. Überfällig!
Sehr erfreulich, hoffentlich passiert jetzt endlich mal was und der Quatsch wird beendet. Aber ein bisschen deutlicher hätten sie sich schon ausdrücken können. Das klingt immer noch so, als würde man diese Zuckerkügelchen ohne Wirkstoff zumindest ernst nehmen.
stolte-privat 11.07.2019
4. Solange die...
...Genehmigungsverfahren zur Freigabe von Arzneimitteln/Hilfsmitteln und Behandlungen bzw zum Nachweis deren Nützlichkeit sich über Jahrzehnte hinziehen und dazu noch von diversen Lobbygruppen verschleppt werden können ist es leicht solche Behauptungen aufzustellen. Ich persönlich habe mit Homöopathie, alternativen Heilmethoden und Chiropraktik nur gute Erfahrungen gemacht und so sicher den Kassen viel Geld gespart. Gezahlt habe ich die Behandlungen aus eigener Tasche wegen der üblichen Begründungen (Wirksamkeit nicht erwiesen blabla). Nach diesen Behandlungen ging und geht es mir besser. Leider hat nicht jeder Mensch die finanziellen Möglichkeiten sich so etwas zu leisten.
vangiftelroy 11.07.2019
5. Wird auch Zeit
Die Homöopathie stammt noch aus der Zeit, in der Aderlass als vernünftige Behandlungsmethode angesehen wurde - mit ähnlicher Wirksamkeit. Wird Zeit, dass Placebotherapien auch als Placebotherapien bezeichnet werden und kein Geld der Beitragszahler für magische Zuckerkügelchen ausgegeben wird.
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