Honorarstreit Patienten müssen noch im September mit Praxisschließungen rechnen

Die Kassenärzte drohen mit Warnstreiks. Noch in diesem Monat könnten Praxen vorläufig geschlossen bleiben, warnen die Mediziner. Die Kassen nennen die Kritik an dem Honorarbeschluss "überzogen und unbegründet". Gesundheitsminister Bahr fordert von beiden Seiten Mäßigung.

Arztpraxis: Verbände lassen über Streiks abstimmen
dapd

Arztpraxis: Verbände lassen über Streiks abstimmen


Berlin - Patienten müssen noch im September mit massiven Ärzteprotesten und Praxisschließungen rechnen. Nach dem Scheitern der Verhandlungen über die Arzthonorare wollen mehr als 20 Ärzteverbände ihre Mitglieder über entsprechende Maßnahmen abstimmen lassen. Das teilte der NAV-Virchow-Bund mit.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte am Montag die Gespräche mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) überraschend platzen lassen. KBV-Chef Andreas Köhler begründete dies mit dem Unmut der Ärzte über das Ergebnis der Schlichterrunde. Es sieht für Kassenärzte 270 Millionen Euro mehr Honorar im nächsten Jahr vor - das entspricht einem Plus von 0,9 Prozent.

Köhler sagte, das Verhalten der GKV habe das Vertrauen erschüttert. Sein Verband fordert für die rund 150.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten insgesamt 3,5 Milliarden Euro, was ein Plus von rund elf Prozent wäre. Begründet wird dies mit den gestiegenen Praxiskosten und der Inflation.

Nach Angaben Köhlers sollen nun zunächst Gespräche in kleiner Runde geführt werden. Davon macht er auch die Teilnahme an der nächsten Schlichtungsrunde in zwei Wochen abhängig. GKV-Vize Johann-Magnus von Stackelberg erklärte, die Kassen stünden "im Interesse einer störungsfreien Versorgung der Patienten" für das Gespräch bereit. Sollte die KBV nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren, kann der Schlichter in dem Streit auch ohne Beteiligung der Ärzte einen Beschluss fassen.

Unabhängig davon wollen die Kassenärzte Klage gegen den Schlichterspruch einreichen. Die Klage hat laut KBV aufschiebende Wirkung, wodurch der Schlichterbeschluss nicht rechtsgültig wird.

Die Kassen wiesen die Kritik der Ärzte am Schlichterspruch zurück. Die Verhandlungen über den Preis der ärztlichen Leistung seien nur der erste Schritt. Nun folgen die Verhandlungen auf Landesebene, die zu weiteren Honorarsteigerungen führen dürften. Die Kritik der Ärzte sei deshalb "völlig überzogen und sachlich unbegründet", sagte Ulrike Elsner, Chefin des Verbands der Ersatzkassen (Vdek).

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) rief beide Seiten zur Mäßigung auf. "Mir fehlt jedes Verständnis für die erneute Zuspitzung und den bisherigen Verlauf der Honorarverhandlungen", sagte Bahr. Er erwarte, dass die Verhandlungspartner "ihrer Aufgabe gerecht werden und das laufende Verfahren zu einem guten Ergebnis führen, das den Interessen beider Seiten Rechnung trägt". Ihre Auseinandersetzung dürften sie "nicht auf dem Rücken der Patienten austragen".

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisierte den Kassenverband. "Man kann nicht Überschüsse anhäufen und dann Honorarkürzungen von den Ärzten verlangen", sagte er dem "Tagesspiegel". Den Verhandlungsabbruch der Ärztevertreter bezeichnete er zugleich als überzogen.

cte/dapd

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eifelginster 03.09.2012
1. dickes Polster
Zitat von sysopdapdDie Kassenärzte drohen mit Warnstreiks. Noch in diesem Monat könnten Praxen vorläufig geschlossen bleiben, warnen die Mediziner. Die Kassen nennen die Kritik an dem Honorarbeschluss "überzogen und unbegründet". Gesundheitsminister Bahr fordert von beiden Seiten Mäßigung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,853692,00.html
[QUOTE=sysop;10883720]Die Kassenärzte drohen mit Warnstreiks. Noch in diesem Monat könnten Praxen vorläufig geschlossen bleiben, warnen die Mediziner. Die Kassen nennen die Kritik an dem Honorarbeschluss "überzogen und unbegründet". Gesundheitsminister Bahr fordert von beiden Seiten Mäßigung. Das war klar. Wo so viel Geld herumliegt, steigt sein Geruch gar bald in die Nasen der Ärzteschaft. Weil so viel Geld ankommt, sind die Beitragssätze von 15,5% entschieden zu hoch. Nicht bei der Rentenversicherung gehört der Beitrag gesenkt, sondern bei den Krankenkassen. Ich kann mein Geld selbst sparen und möchte das nicht der KK erlauben. Es kann mir doch niemand erzählen, dass es den KK erlaubt ist, so viel zu viel Geld aufzuhäufen, ohne es zurückzugeben. Wieso wird das nicht korrigiert? Wo ist der Aufschrei des Gesetzgebers? Ich höre nichts, von keiner Partei. Ungeheuerlich. Das Geld gehört in die Taschen der Beitragszahler, nicht in die Taschen der Ärzte. Lasst sie streiken. In den Städten gibt es sowieso viel zu viel Ärzte, und auf dem Land gibt es sowieso viel zu wenige. Hier wie da wird ein Streik nicht sonderlich auffallen.
Sawubona 03.09.2012
2. Kassenzulassung entziehen
Weder die steigenden Kosten (für, Treibstoff, Strom etc) noch der Inflationsausgleich ist bei Otto Normalverdiener in den Gehalts- bzw. Lohnsteigerungen angekommen. Und das bei Bruttoeinkommen, die weit entfern von den Nettoeinkünften der Ärzte sind. Also Fazit: wer als Arzt steiken will und seine Praxis schließt, verliert automatisch für drei Jahre die Kassenzulassung. Dann können sich die Damen und Herren Ärzte ja bei den Privatpatienetn schadlos halten!!!!
medienvertreter 03.09.2012
3. Absahnerei
Ich sach ja, die Ärzte kriegen den Hals nicht voll. Auf der einen Seite die Patienten so schnell wie möglich abfertigen, auf der anderen dicke Rechnungen und Pseudorechnungen bei der Krankenkasse einreichen.
chrimirk 03.09.2012
4. Wie wäre es mit einem Patientenstreik?
Zitat von sysopdapdDie Kassenärzte drohen mit Warnstreiks. Noch in diesem Monat könnten Praxen vorläufig geschlossen bleiben, warnen die Mediziner. Die Kassen nennen die Kritik an dem Honorarbeschluss "überzogen und unbegründet". Gesundheitsminister Bahr fordert von beiden Seiten Mäßigung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,853692,00.html
So 4 Wochen keine Kundschaft für die Doktoren? Und Menschen aus den Grenzregionen könnten sogar auf Arzt-Kollegen aus F + A + NL + B + L + DK + PL + CZ zurückgreifen. Bei Kuren ist das z. B. in PL + CZ schon recht mächtig geworden. Und nicht nur das. Deustche Ärzte: Man kann auch ohne Euch. Man (= Patient) hat es nur noch nicht versucht. Aber...wer weiss?
glitterflie 03.09.2012
5. Überzogen
Das die Krankenkassen den Ärten das Honorar kürzen wollten, ist natürlich auch nicht der richtige Weg. Aber ein Plus von 11 Prozent?! Die netten Damen und Herren im weißen Kittel leben wohl auf dem Mond. 1800 Euro mehr im Jahr ist schon mehr als die meisten anderen Branchen bekommen (inklusive meiner!). Wer den Berufsstand des Arztes angehört nagt sicher nicht am Hungertuch und wenn doch würde ich mir mal ernsthafte Gedanken über meinen Praxisstandort machen.
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