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18. April 2018, 01:39 Uhr

Ver.di-Chef zum Durchbruch im Tarifstreit

"Das beste Ergebnis seit vielen Jahren"

Ver.di-Chef Bsirske lobt die Einigung im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes. Laut Innenminister Seehofer steigen die Löhne der 2,3 Millionen Angestellten von Bund und Kommunen rückwirkend ab März.

Der Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst von Bund und Ländern ist beigelegt. Arbeitgeber und Gewerkschaften erzielten in der Nacht zum Mittwoch einen Durchbruch in den Verhandlungen für die rund 2,3 Millionen Beschäftigten. Grundlage war ein zuvor ausgehandeltes vorläufiges Ergebnis mit höheren Einkommen in drei Stufen.

Der Tarifabschluss, den Bund, Kommunen sowie die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di und der Beamtenbund dbb am Mittwoch in Potsdam billigten, sieht drei Tarifanhebungen während der Laufzeit von 30 Monaten vor: Rückwirkend zum 1. März 2018 gebe es knapp 3,2 Prozent mehr, zum April 2019 knapp 3,1 Prozent sowie zum März 2020 in der dritten Stufe knapp 1,1 Prozent, sagte Innenminister Horst Seehofer, Verhandlungsführer des Bundes. Der öffentliche Dienst sei in Zukunft wettbewerbsfähig, sagte er in Potsdam und sprach von einer großen Reform.

Auch der kommunale Arbeitgeberpräsident Thomas Böhle und Ver.di-Chef Frank Bsirske zeigten sich zufrieden. "Es ist das beste Ergebnis seit vielen Jahren", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende. "Gute Leute, gute Arbeit, gutes Geld. Das gehört zusammen."

Bsirske und der Verhandlungsführer des Beamtenbundes, Ulrich Silberbach, hoben hervor, dass ein Einstieg im öffentlichen Dienst auch für Auszubildende attraktiver gemacht werden solle. Laut Bsirske soll es 100 Euro mehr Ausbildungsvergütung geben sowie eine Anhebung der Löhne um durchschnittlich zehn Prozent bei Beschäftigungsbeginn.

Die dritte und entscheidende Runde der Tarifverhandlungen hatte am Sonntag begonnen (mehr Hintergründe zu den Forderungen von Gewerkschaften und Bund lesen Sie hier). Seehofer hatte zum Auftakt ein Angebot der Arbeitgeber "zum geeigneten Zeitpunkt" angekündigt. Er wolle zügige Verhandlungen, und er sei persönlich an einem vernünftigen Abschluss interessiert, sagte Seehofer, der als CSU-Chef im Oktober Landtagswahlen in Bayern zu bestreiten hat. Es ist die erste Verhandlungsrunde für ihn als Innenminister und damit Verhandlungsführer des Bundes.

In der vergangenen Woche hatten massive Warnstreiks unter anderem Teile des Nahverkehrs in Deutschland lahmgelegt und den Flugverkehr gestört.

aar/dpa/AFP

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