HRE-Aufklärung Finanzaufsicht hatte Hinweise auf Lehman-Risiko

Die deutsche Finanzaufsicht gerät massiv in die Kritik. Nach Informationen von manager-magazin.de hielten Bundesbank und BaFin schon im Frühjahr 2008 eine Pleite der US-Bank Lehman Brothers für möglich. Auch Folgen für die Hypo Real Estate wurden erörtert - warum verhinderten die Kontrolleure das Desaster nicht?

HRE-Zentrale in München: "Man wollte sich einen Überblick verschaffen"
REUTERS

HRE-Zentrale in München: "Man wollte sich einen Überblick verschaffen"


Hamburg - Diese Frage beschäftigt die gesamte Finanzbranche: Hätte man die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 vorhersehen können? Oder war der Zusammenbruch des Geldhauses ein externer Schock, der die Marktteilnehmer völlig unerwartet traf? Bisher fiel die Antwort eindeutig aus: Politiker, Behörden und Finanzprofis betonten stets, das Lehman-Desaster sei urplötzlich über sie hereingebrochen. Auch mit der Kettenreaktion, welche die deutsche Hypo Real Estate (HRE) mit nach unten riss, habe niemand rechnen können. Doch diese Interpretation muss nun womöglich revidiert werden.

Nach Informationen von manager-magazin.de erkundigten sich die Bundesbank und die Finanzaufsichtsbehörde BaFin bereits im März 2008 und dann noch einmal im August 2008 bei der HRE, wie viel Kapital die Bank im Falle einer Lehman-Insolvenz verlieren würde. Mit anderen Worten: Die Oberaufseher hatten schon frühzeitig den Verdacht, dass bei der HRE mögliche Risiken schlummern - und dass in der deutschen Finanzbranche etwas gewaltig schiefgehen könnte.

Eine BaFin-Sprecherin bestätigte manager-magazin.de: "Erstmals im März und dann noch einmal im August 2008 hat die Bundesbank in enger Abstimmung mit der BaFin die Risikopositionen deutscher Geschäftsbanken gegenüber US-Investmentbanken abgefragt. Man wollte sich einen Überblick darüber verschaffen, wie deutsche Banken in den USA engagiert sind." Die Sprecherin verwies darauf, dass die Bankenaufsicht in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Abfragen durchgeführt habe, um aktuelle Zahlen zu den Engagements deutscher Banken in verschiedenen Bereichen zu erhalten.

Für Gerhard Schick, den finanzpolitischen Sprecher der Grünen, stehen die zwei Abfragen binnen weniger Monate im Widerspruch zu Aussagen von BaFin-Chef Jochen Sanio im HRE-Untersuchungsausschuss. Denn bisher betonte Sanio stets, man habe mit der Lehmann-Pleite nicht rechnen können.

Schick: "Mit der Pleite einer US-Investmentbank musste gerechnet werden und wurde zumindest auf Seiten der Bundesbank auch gerechnet." Spätestens zum Zeitpunkt der Voranfrage hätte BaFin-Chef Sanio laut Schick beginnen müssen, ein Rettungskonzept für die HRE auszuarbeiten. Mindestens aber hätte die BaFin die Leitungsebene des Finanzministeriums über die Schieflage der HRE informieren müssen.

Tatsächlich wurde die BaFin jedoch erst am 26. September 2008 aktiv - nachdem die HRE selbst auf ihre bedrohliche Lage infolge der Lehman-Pleite aufmerksam gemacht hatte.

wal



insgesamt 873 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Rainer Helmbrecht 05.06.2009
1.
Zitat von sysopEin Untersuchungsausschuss soll die Finanzhilfe der Regierung für die Hypo Real Estate überprüfen. Hat der Bund bei der Rettung der Bank verantwortlich gehandelt? Oder haben die Verantwortlichen Steuergelder verschwendet? Diskutieren Sie mit!
Warum wird das Thema denn so verengt. Alle Landesbanken werden von unfähigen Managern aus der Politik geführt. Da wird gemauschelt und die Verantwortlichen erwecken den Eindruck, dass ihnen die Bedeutung der vielen Nullen, zwischen der führenden Zahl und dem irgendwann folgenden Komma unbekannt ist. Was hinzu kommt ist, dass die Finanzämter überprüfen ob ein Betrieb zum Zwecke des Gewinns gegründet wird, sonst hat der Besitzer keine steuerliche Absetzbarkeit Möglichkeit mehr. Das bedeutet, die Verluste gehen in den "Besitz", des Eigentümers über. MfG. Rainer
Galaxia, 05.06.2009
2. Desertec > Hre
Nur mal so mit 35 Milliarden Euro, kann man schon fast dieses Grossprojekt umsetzen http://desertec.org Einfach nur erschütternd, mit was für Laien wir es in der Regierung zutun haben.
PaulNeu, 05.06.2009
3.
Zitat von Rainer HelmbrechtWarum wird das Thema denn so verengt. Alle Landesbanken werden von unfähigen Managern aus der Politik geführt. Da wird gemauschelt und die Verantwortlichen erwecken den Eindruck, dass ihnen die Bedeutung der vielen Nullen, zwischen der führenden Zahl und dem irgendwann folgenden Komma unbekannt ist. Was hinzu kommt ist, dass die Finanzämter überprüfen ob ein Betrieb zum Zwecke des Gewinns gegründet wird, sonst hat der Besitzer keine steuerliche Absetzbarkeit Möglichkeit mehr. Das bedeutet, die Verluste gehen in den "Besitz", des Eigentümers über. MfG. Rainer
Das zeigt, es kommt nicht darauf an, wer Eigentümer ist, sondern wie eine Bank geführt wird. Managementfehler gab es bei den privaten wie bei den öffentlichen Banken, in beiden Sektoren gibt es auch Institute, die sehr umsichtig geführt wurden. Der Unterschied: die Privaten haben die Gewinne privatisiert, jetzt sollten dort auch die Verluste privatisiert werden. Sparkassen und Landesbanken haben die Gewinne der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, jetzt müssen die Eigentümer natürlich auch für die Verluste aufkommen.
Hubert Rudnick, 05.06.2009
4. Millarden und noch mehr Millarden
Zitat von sysopEin Untersuchungsausschuss soll die Finanzhilfe der Regierung für die Hypo Real Estate überprüfen. Hat der Bund bei der Rettung der Bank verantwortlich gehandelt? Oder haben die Verantwortlichen Steuergelder verschwendet? Diskutieren Sie mit!
------------------------------------------------------ Was man da zu lesen bekommt erscheint mir, als sei unser Finanzminister in einem Tollhaus, es gibt kaun noch Spielregel, da schießt er nur mal so einfach und ungeprüft 35 Millaren für die HRE zu, vielleicht sind diese auch wieder nur in den Sand gesetzt, so wie es vorher eine Landesbank tat, in dem sie ein in insolvenz gehendes Intitut mal schnell noch 300 Millionen schenkte. Wer so mit seine Finanzen, halt stopp, es sind nicht die Finanzen des Herrn Ministers, es sind Steuergelder, die dieser Minister zu verwahren hat. Alles kein Problem, hier bei den Versagerbanken/Finanzspekulanten zeigt man sich großzügig, schließlch braucht man auch unter den Banker noch Freunde, aber bei den Sozialschwachen, da wird um jeden einzelnen €uro gekämpft und das schickt man dann auch Kontrolleure, denn wo kommt denn der deutsche Staat hin, wenn ein Hartz IV ler einen €uro unberechtig zu viel bekäme, da lässt sich noch einiges einsparen. Wer solche Politiker im Lande und in der Regierung hat, der braucht keine Feine von außerhalb mehr fürchten. Hubert Rudnick
thorwalt 05.06.2009
5. Bürgschaft oder Bürgschaftsinanspruchnahme?
Bund und Banken haben für die HRE rund 102 Milliarden Euro an Bürgschaften geleistet. Wurden diese Bürgschaften aber von der HRE überhaupt abgerufen? Wenn ja, in welcher Höhe? Darüber erfährt man nichts, auch nicht auf Nachfrage bei der HRE oder den Aufsichtsbehörden. Abgeordnete antworten nicht, wenn man sie zur HRE fragt. Selbst die findigen Spiegelleute scheinen darüber nichts zu wissen. Niemand weiß, was bei der HRE wirklich los ist. HRE - ein Tabu? Wie ich erfahren habe, hat die HRE nicht einmal bei der Hauptversammlung am 02.06.09 Zahlen vorgelegt, obwohl Banken ja tagesaktuelle Bilanzen anfertigen müssen. Allerdings soll laut SdK die HRE im Quartal 01/09 an den Bund einen Betrag von 160 Millionen gezahlt haben, als Gebühr für die Bereitstellung der Bürgschaft. Gezahlt! Aber was hat sie erhalten? Hat die Bürgschaft dazu geführt, dass die HRE auf dem Kapitalmarkt wieder genug Mittel aufnehmen konnte oder musste der Staat selber Geld zur HRE pumpen? Falls jemand weiß, ob und wieweit die HRE die Bürgschaften überhaupt in Anspruch genommen hat, wäre sicher nicht nur ich für eine Antwort hier im Forum sehr dankbar.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.