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Funke, Nonnenmacher und Co:: Was die Skandalbanker heute machen

Foto: Federico Gambarini/ picture alliance / dpa

Finanzkrise Was wurde eigentlich aus den deutschen Skandalbanken?

Vor sechs Jahren erlebte Deutschland seine Bankendämmerung. Der Staat musste Finanzkonzerne wie die Hypo Real Estate retten. SPIEGEL ONLINE zeigt, wie viel Geld dabei wirklich draufging - und was die Chefs der Pleitebanken heute machen.

Den Mann, der Deutschland so richtig in die Finanzkrise riss, ist zum Phantom geworden. Gerhard Bruckermann, ehemaliger Chef der Depfa, verschwand mit einem Millionenvermögen. Jahrelang gab es kaum ein Lebenszeichen von Bruckermann.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE lebt er zurückgezogen in einem Nobelort im Schweizer Kanton Graubünden. Er gehe selten vor die Tür, berichtet ein Bekannter. Seinen Urlaub buche er unter falschem Namen. Ein Büro in Zürich sorgt dafür, dass die Welt möglichst nichts von ihm mitbekommt. Mehrere persönliche Anfragen ließ Bruckermann unbeantwortet.

Dabei könnte er doch so viel erzählen - über den Coup seines Lebens, als Bruckermann die kriselnde Depfa-Bank für 5,2 Milliarden Euro an den Münchner Finanzkonzern Hypo Real Estate   (HRE) verkaufte und dabei selbst gut 100 Millionen Euro einstrich. Das war im Herbst 2007. Ein Jahr später war die HRE am Ende - erdrückt unter den Altlasten der Depfa. Der deutsche Staat musste den Konzern mit mehr als 100 Milliarden Euro vor der Pleite retten. Spätestens da merkten die Deutschen, wie tief sie in der internationalen Finanzkrise steckten.

Sechs Jahre ist dieser heiße Finanzherbst nun her. Zuerst fiel die US-Investmentbank Lehmann Brothers, kurz danach musste der deutsche Staat seinen Banken beispringen: Erst der HRE, dann der HSH Nordbank, der Commerzbank  , der Landesbank Baden-Württemberg. Es gab kaum einen, der damals nicht wankte. Mehr als 250 Milliarden Euro wandten Bund und Länder zwischenzeitlich auf, um die heimischen Banken zu retten - teils über Bürgschaften, teils über frisches Kapital.

Die Kosten liegen bisher bei rund 50 Milliarden Euro

Angefangen hatte das große Bankenzittern schon gut ein Jahr früher: Damals, im Sommer 2007, musste die vergleichsweise kleine Mittelstandsbank IKB gerettet werden. Ein Einzelfall, dachten damals viele. Selbst als kurz darauf die SachsenLB aufgefangen werden musste, sah der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück "keine Anzeichen, dass es Probleme bei anderen deutschen Banken gibt." Erst als in den folgenden Monaten auch die Landesbanken in Nordrhein-Westfalen und Bayern ins Wanken gerieten, stieg die Nervosität wieder.

Gerhard Bruckermann musste das alles schon geahnt haben. Eine Woche bevor die ersten Probleme bei der IKB auftauchten, hatte er den Verkauf der Depfa an die HRE klar gemacht - und war damit eine tickende Zeitbombe losgeworden.

Für andere Bankchefs lief es weniger gut. Männer wie Ex-HRE-Chef Georg Funke, Werner Schmidt von der BayernLB oder Dirk Jens Nonnenmacher von der HSH Nordbank bekamen nicht nur die Wut der Bürger zu spüren, sondern auch Ärger mit der Staatsanwaltschaft. Verurteilt wurde bisher allerdings erst einer von ihnen. Wie es den Ex-Skandalbankern erging, lesen Sie hier in der Fotostrecke.

Wie viel Geld die Skandalbanken die deutschen Steuerzahler am Ende kosten werden, ist noch offen. Wahrscheinlich ist nach bisherigem Stand aber ein Betrag von rund 50 Milliarden Euro. Allein der Bankenrettungsfonds Soffin wies zuletzt einen Verlust von mehr als 20 Milliarden Euro aus, der Großteil davon geht auf das Konto der Hypo Real Estate. Hinzu kommen die Rettungsmaßnahmen der Bundesländer, die ihre Landesbanken stützen mussten. Eine Übersicht darüber, welche Bank die Steuerzahler bisher wie teuer kam:

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