Debatte über Vollzeitnorm Arbeitsminister Heil zeigt Sympathien für Viertagewoche

Linke und IG Metall preschten mit Vorschlägen zu einer Viertagewoche vor. Nun hat sich auch Bundesarbeitsminister Heil angetan von der Idee gezeigt - wenn sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber denn darauf einigen.
Arbeitsminister Heil - setzt bei der Frage nach der Arbeitszeit auf die Tarifpartnerschaft

Arbeitsminister Heil - setzt bei der Frage nach der Arbeitszeit auf die Tarifpartnerschaft

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Danny Gohlke / dpa

Würden Sie gern einen Vollzeitjob haben - und trotzdem nur noch 28 oder 30 Stunden pro Woche arbeiten? Linke und Gewerkschaften brachten jüngst entsprechende Absenkungen der Arbeitszeit als Mittel gegen Jobabbau durch Strukturwandel und Digitalisierung ins Spiel. Auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil kann diesen Plänen etwas abgewinnen.

"Reduzierte Arbeitszeit bei teilweisem Lohnausgleich kann eine geeignete Maßnahme sein, wenn sich die Sozialpartner darauf verständigen", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Gute und pragmatische Ideen sind gefragt, um gemeinsam durch die Krise zu kommen."

Die IG Metall hatte entsprechende Pläne für eine Viertagewoche zur Rettung von Jobs in der Metall- und Elektroindustrie zuletzt ins Gespräch gebracht. "Damit lassen sich Industriejobs halten, statt sie abzuschreiben", sagte der Erste Vorsitzende der Gewerkschaft, Jörg Hofmann. Er sprach von "einem gewissen Lohnausgleich für die Beschäftigten, damit es sich die Mitarbeiter leisten können". Die Linke verlangt sogar für alle Beschäftigten eine "generelle Verkürzung der Arbeitszeit auf 30 Stunden in Vollzeit", um Jobs zu retten, die durch die Digitalisierung der Arbeit wegfallen würden.

DIW unter Bedingungen für Verkürzung der Arbeitszeit

Die Vorschläge sind umstritten - nicht zuletzt, weil Digitalisierung Experten zufolge nicht zwangsläufig zu weniger Arbeit führt. Für Arbeitgeber wiederum steigen die Kosten, wenn sie für die gleiche Arbeit mehr Mitarbeiter beschäftigen müssen.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hält die Einführung einer Viertagewoche als Kriseninstrument dennoch für machbar - allerdings nur bei Verzicht auf vollen Lohnausgleich. Der CDU-Wirtschaftsrat lehnt eine solche Verkürzung der Wochenarbeitszeit mit begrenztem Lohnausgleich für Branchen im Strukturwandel ab. "Eine Arbeitszeitverkürzung mit teilweisem Lohnausgleich treibt die Lohnkosten weiter", sagte Wolfgang Steiger, der Generalsekretär des Rates, der "Passauer Neuen Presse".

Ob es dazu kommt, dürfte sich zunächst jedoch nicht in der Politik, sondern in den Verhandlungen von Arbeitgebern und Gewerkschaften entscheiden. Denn Voraussetzung sei, so Arbeitsminister Heil, dass "sich die Sozialpartner darauf verständigen". Die Tarifpartnerschaft sei "ein starkes Mittel, um solche Ideen gemeinsam zu entwickeln". Arbeitgeberverbände lehnten den Vorschlag jedoch bereits ab.

apr/dpa/AFP