Schuldenkrise Wirtschaftsbosse warnen vor Euro-Crash

Mit drastischen Worten warnen Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft vor einem Zerfall der Euro-Zone. Sollte es dazu kommen, hätte dies "schlimmere Folgen als die Lehman-Pleite 2008". Das Krisenmanagement der Kanzlerin loben die Industriellen überschwänglich.
Arbeitgeberchef Hundt: "Ich bewundere, wie die Kanzlerin sich durchsetzt"

Arbeitgeberchef Hundt: "Ich bewundere, wie die Kanzlerin sich durchsetzt"

Foto: Michele Danze/ dpa

Hamburg - Für ihren Kurs in der Euro-Krise erntet die Kanzlerin viel Kritik. Nicht nur die Opposition, auch Politiker aus den eigenen Reihen und Ökonomen werfen Angela Merkel vor, beim Kampf gegen die Schuldenkrise deutsche Interessen zu verletzen. Doch immerhin: Auf die Wirtschaftsführer des Landes kann sie sich verlassen. Nun kommt erneut teils überschwängliches Lob von den Unternehmern. Er "bewundere, wie die Bundeskanzlerin ihre Positionen in Europa einbringt und durchsetzt", sagte Arbeitgeberchef Dieter Hundt dem "Handelsblatt". Dafür zolle er ihr "größten Respekt". Die deutsche Wirtschaft kämpfe "für den Erhalt des Euro" und unterstütze deshalb den Kurs der Kanzlerin.

Auch BMW-Chef Norbert Reithofer stellte sich an Merkels Seite. Im "Handelsblatt" lobte er die Beschlüsse des jüngsten EU-Gipfels. "Ich würde sagen, dass der Gipfel Teil der Lösung ist." Ende Juni hatten sich die europäischen Staats- und Regierungschefs in Brüssel unter anderem auf eine gemeinsame Bankenaufsicht geeinigt. Zudem soll der neue Rettungsschirm ESM maroden Banken künftig auch direkt helfen.

Die Unterstützung der Wirtschaftsbosse für Merkel hat einen einfachen Grund: Sie fürchten den Zerfall der Euro-Zone. In diesem Fall dürfte die Konjunktur und damit ihr Geschäft massiv einbrechen. Hundt wie auch BMW-Chef Reithofer warnen denn auch mit drastischen Worten vor einem solchen Szenario. "Bei einer Rückkehr zur D-Mark hätte Deutschland mit einer massiven Aufwertung zu kämpfen, die das deutsche Exportwunder weitgehend zunichtemachen würde", sagte Reithofer dem "Handelsblatt".

"Die Risiken sind deutlich größer geworden"

Arbeitgeberchef Hundt sagte, ein Scheitern des Euro-Krisenmanagements hätte dramatische Folgen. Es drohe dann nicht mehr nur eine Konjunkturkrise wie vor drei Jahren, "sondern eine echte Strukturkrise mit schlimmeren Folgen als nach der Lehman-Pleite 2008". So weit dürfe es auf keinen Fall kommen. "Das könnte eine Situation sein, in der auch die Feuerwehr nicht mehr zuverlässig funktioniert. Vor allem weil die Feuerwehr, sprich: die Politik, mit ihren Kräften am Ende wäre."

Bereits jetzt nehme die Verunsicherung in der deutschen Wirtschaft zu, die Krise in Südeuropa schlage schon auf die "reale Entwicklung durch". Die Unternehmen stellten Investitionen zurück und zögerten beim Beschäftigungsaufbau, so Hundt. Die Risiken seien "deutlich größer geworden". Es müsse alles getan werden, damit das konjunkturelle Klima "durch die Staatsschuldenkrise nicht in starkes Gewitter und Hagel umschlägt", so Hundt.

Obwohl es durchaus auch von Wirtschaftsverbänden wie den Familienunternehmern Kritik an den Euro-Rettern gibt, widersprach der Arbeitgeberpräsident dem Eindruck, die deutsche Wirtschaft sei in ihrer Haltung zerstritten. Bei allem Lob für die Kanzlerin forderte Hundt aber auch eine harte Haltung gegenüber Griechenland. Sollte die Regierung in Athen die Reformauflagen der EU nicht erfüllen, dürfe es keine weiteren Hilfen geben.

BMW-Chef Reithofer äußerte sich ähnlich. "Alle Länder der Euro-Zone müssen Verantwortung übernehmen, um möglichst schnell eine dauerhafte Lösung zu erreichen", forderte der Konzernchef. Wesentliche Punkte seien dabei Haushaltsdisziplin und Strukturreformen. "Die Europäische Union kann nicht nur von Deutschland getragen werden."

cte
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