Prognose zum Wirtschaftswachstum 2018 wird fett

Die deutsche Wirtschaft steht unter Volldampf: Führende Forschungsinstitute erhöhen ihre Wachstumsprognosen kräftig. Doch es droht auch die Gefahr einer Überhitzung.
Mitarbeiter an einem Flugzeug-Triebwerk in Hannover

Mitarbeiter an einem Flugzeug-Triebwerk in Hannover

Foto: Peter Steffen/ picture alliance / Peter Steffen

Renommierte Forschungsinstitute sagen der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr das stärkste Wachstum seit 2011 voraus. Das Ifo-Institut hob die Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für das nächste Jahr von 2,0 auf 2,6 Prozent an. Für das Jahr 2017 erwarten die Münchner Forscher nun 2,3 Prozent, statt wie bisher 1,8 Prozent. "Die deutsche Wirtschaft brummt", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. "Der Schwung vom Jahre 2017 verlängert sich bis weit ins Jahr 2018 hinein."

Auch das Institut für Weltwirtschaft (IfW) hob seine Prognosen an: Es rechnet in diesem Jahr mit einem BIP-Wachstum von 2,3 Prozent statt bisher 2 Prozent und für 2018 mit 2,5 Prozent statt bisher 2,2 Prozent.

Im Zuge der anziehenden Konjunktur dürfte auch die Inflation anziehen: 2019 soll die Teuerungsrate dem Ifo-Institut zufolge mit 2,2 Prozent erstmals seit Jahren über der Marke von zwei Prozent liegen, bei der die Europäische Zentralbank von stabilen Preisen spricht.

Durch den Boom entstehen den Prognosen zufolge immer mehr Jobs. 2019 sollen 45,2 Millionen Frauen und Männer Arbeit haben - so viele wie noch nie. Parallel dazu dürfte die Zahl der Arbeitslosen bis auf 2,2 Millionen sinken.

Deutsche Verbraucher sind besonders zuversichtlich

Auch die deutschen Verbraucher blicken kurz vor dem Jahreswechsel optimistisch in die Zukunft. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Nielsen. "Es herrscht im Land eine durchaus optimistische Stimmung", sagte Nielsen-Deutschland-Chef Ingo Schier. Das werde auch der Handel zu spüren bekommen, und für das Weihnachtsgeschäft seien das gute Nachrichten.

Denn der Optimismus der Verbraucher spiegelt sich auch in der Bereitschaft wider, Geld auszugeben. Haben die Bundesbürger nach der Deckung der Lebenshaltungskosten noch Geld übrig, so geben sie es am liebsten für Kleidung, Urlaub oder Technik aus. Erst danach wird daran gedacht, etwas zurückzulegen. "Das Sparschwein zu füttern, ist aktuell nicht in Mode", sagte Schier. In Europa insgesamt sieht das anders aus: Die meisten Europäer sparen lieber, bevor sie ihr frei verfügbares Geld in Urlaub oder Kleidung investieren.

"Deutsche Wirtschaft nähert sich der Hochkonjunktur"

Nach Ansicht der Forscher vom IfW nähert sich die deutsche Wirtschaft bei bereits deutlich ausgelasteten Kapazitäten damit in großen Schritten der Hochkonjunktur. "Anspannungen zeigten sich zunehmend am Arbeitsmarkt. Hier zeichneten sich immer stärker Knappheiten ab", schrieben die Forscher.

"Mit zunehmender Überauslastung steigt die Fallhöhe für die deutsche Konjunktur", warnen die Experten zugleich. Ressourcen drohten in systematischer Weise fehlgelenkt zu werden. "Hierdurch bilden sich vermehrt Produktionsstrukturen heraus, die nicht dauerhaft marktfähig sind", so die Ökonomen.

Finanzwirtschaftliche Übertreibungen in Zeiten sehr expansiver Geldpolitik verstärkten diesen Prozess noch. "Die Bereinigung dieser Fehlentwicklungen geht dann typischerweise mit einer Anpassungsrezession einher, die umso härter ausfällt, je stärker sich der vorangegangene Boom ausprägen konnte", schreiben die Experten des IfW.

hej/dpa/Reuters