IfW-Präsident zu Brexit-Abkommen "London gibt praktisch alle Trümpfe aus der Hand"

Die Briten hadern mit dem Brexit-Deal - und bekommen Unterstützung vom deutschen Ökonomen Gabriel Felbermayr. Das von Ex-Premierministerin May ausgehandelte Abkommen sei für ihre Landsleute unattraktiv.

Baustelle Brexit an der Baustelle Westminster: "Das ist kein guter Deal"
Kirsty Wigglesworth/AP

Baustelle Brexit an der Baustelle Westminster: "Das ist kein guter Deal"


Der Kieler Handelsökonom Gabriel Felbermayr fordert bei den Brexit-Verhandlungen mehr Kompromissbereitschaft von der Europäischen Union. "Ich hielte es für sinnvoller, wenn die Europäer den Briten in einigen ausgewählten Punkten entgegenkämen", sagte der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) dem SPIEGEL.

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Denkbar sei, der britischen Regierung ein außerordentliches Kündigungsrecht für den umstrittenen Backstop nach zwei Jahren einzuräumen. "Dann müssten die Briten nicht mehr das Gefühl haben, sich in völlige Abhängigkeit der EU zu begeben."

IfW-Ökonom Gabriel Felbermayr
IfW Kiel / Michael Stefan

IfW-Ökonom Gabriel Felbermayr

Zugleich solle Brüssel den Briten anbieten, einen gemeinsamen Zollverein zu gründen. Dadurch bekäme London "ein Mitspracherecht bei künftigen Zollabkommen", sagte der Ökonom. "Von einem solchen Deal würden beide Seiten profitieren."

Felbermayr zeigte Verständnis für jene britischen Unterhausabgeordneten, die den Brexit-Deal der früheren Premierministerin Theresa May dreimal abgelehnt hatten. Mit dem Vertrag habe London "praktisch alle Trümpfe aus der Hand gegeben, ohne zu wissen, was bei den Gesprächen über ein künftiges Handelsabkommen herauskommt", sagte Felbermayr. "Das ist kein guter Deal."

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Brüssel habe ein elementares Interesse, die Briten nach einem Austritt wirtschaftlich möglichst eng an die EU zu binden, argumentiert der Wirtschaftswissenschaftler. "In einer Welt, in der die USA und China unverhohlen auf das Recht des Stärkeren setzen, zählt nichts so sehr wie die Größe des eigenen Marktes", sagte er.

Mit Großbritannien aber würde die zweitgrößte Volkswirtschaft Europas den EU-Verbund verlassen. "Das dürfen die Europäer aus wohlverstandenem Eigeninteresse nicht zulassen."

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msa

insgesamt 135 Beiträge
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Seite 1
proffessor_hugo 27.09.2019
1.
Falsch ! Due EU ist den Briten sehr weit entgegengekommen - mehr ist nicht möglich und nicht sinnvoll. Dazu die Verlängerungen, die ja nicht erreicht haben. Hoofentlich gibt es keine weitere. Am 31. Oktober muß endlich Schluß sein.
jakm 27.09.2019
2. aus Eigeninteresse
müssen die Europäer es zulassen. Für kurzfristige Vorteile darf die EU das langfristige Ziel einer tieferen Integration nicht aus dem Blick geraten lassen. Daher wäre es fatal, den Engländern nun wesentliche Teile des Binnenmarktes zu geben die Auflagen, die z.B. Norwegen hat - die sich sogar an der Griechenland-Hilfe beteiligt hatten. Wenn Großbritannien denkt, ein eigener Weg sei besser, so sollen sie es probieren. Die EU hat nur und ausschließlich an die EU zu denken. Und GB gehört nicht dazu. Alle vorhandenen Ressourcen insbesondere alles Denken und Handeln muss auf die Zukunft gerichtet werden und nicht auf das, was sowieso passieren wird. Seit 1 Jahr wird über nichts anderes mehr in der EU gesprochen und gearbeitet. Das muss enden.
chilischweiz 27.09.2019
3. Die Interessen der EU bem BREXIT...
... sind sehr unterschiedlich. Niemand ausser D, NL und Lux wird auch nur einen Cent zahlen wollen und alle wollen für ihre Ausfälle entschädigt werden. Dieses Kostenproblem wird in Deutschland und den Medien totgeschwiegen! Das wird teurer als die Kosten der Umweltrettung und wird der AFD Stimmen bringen!
karend 27.09.2019
4. .
Getreu dem Motto: Wenn es bisher mit der Rosinenpickerei so hervorragend lief, sollte dieses doch beibehalten werden.
afterthem 27.09.2019
5. Thats it !
Beitrag Volle Zustimmung. Wenn man nur auf seine Seite schaut, kommen solche Vertragsverhandlungen dabei raus. Und die übervorteilte Seite steigt aus. Brüssel sollte den Briten diese Freiheiten zugestehen. Die Briten wollen Souverän werden. Etwas was in Deutschland geopfert worden ist.
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